Alpakas sind seine Leidenschaft
06.03.2025 ZunzgenMarkus Gysin züchtet erfolgreich Huacaya-Alpakas
Der Eigentümer des Hofs Wüest auf dem Zunzgerberg freut sich jeden Morgen, seine Alpakas im Stall zu sehen. Die Herde von Markus Gysin umfasst inzwischen mehr als 30 Tiere.
Elmar Gächter
...Markus Gysin züchtet erfolgreich Huacaya-Alpakas
Der Eigentümer des Hofs Wüest auf dem Zunzgerberg freut sich jeden Morgen, seine Alpakas im Stall zu sehen. Die Herde von Markus Gysin umfasst inzwischen mehr als 30 Tiere.
Elmar Gächter
Nasskalt ist es an diesem Morgen auf dem Zunzgerberg. Wanderer sind keine anzutreffen, nur ein paar wenige Unentwegte drehen in der Hard ihre Runden. Drinnen ist es angenehmer, mögen sich wohl auch die kuscheligen Vierbeiner auf dem Hof «Wüest» gedacht haben. Ruhig und friedlich wartet eine Herde Alpakas im sauber eingestreuten Stall darauf, nach dem Starkregen auf die Weide gelassen zu werden. Aufmerksam nehmen sie von dem ihnen unbekannten Beobachter, der sich ihrem Refugium nähert, Kenntnis. Eine grosse Aufregung ist deswegen nicht zu spüren.
«Die Tiere sind zwar sehr neugierig, jedoch ruhig und friedlich», sagt ihr Besitzer Markus Gysin. «Dies war mit ein Grund, dass ich vor knapp zehn Jahren die ersten Huacaya-Alpakas – die bekanntere und im Gegensatz zu Suri weitaus stärker verbreitete Rasse – gekauft habe.» Beide stammen aus der Familie der Kamele. Der Hof, auf dem der Vater von Markus Gysin bis zur Pensionierung Milchwirtschaft betrieben hatte, beherbergt mittlerweile 32 Tiere – Stuten und deren Nachwuchs sowie in einem separaten Stall Hengste.
Noch keinen Moment hat Markus Gysin seinen Entscheid, Alpakas zu züchten, bereut: «Jeden Morgen führen mich meine ersten Schritte in den Stall. Nur allein schon die Tiere zu sehen macht Freude.» Alpakas seien zwar pflegeleicht, aber man müsse zu ihnen wie bei anderen Zuchttieren schauen. Der Stall ist auf drei Seiten geschlossen, um Durchzug zu vermeiden und den Tieren vor allem auch bei Regen und Hitze Schutz zu bieten. Sie können ihren Weideplatz auf der rund 10 Hektar grossen Grasfläche jeden Monat wechseln. Dies ermöglicht, die Kotplätze regelmässig zu reinigen und so zu verhindern, dass sich Parasiten breitmachen und das Immunsystem der Alpakas schädigen. «Wir entnehmen sporadisch Kotproben und konnten bisher vermeiden, dass ein Tier krank wurde», so Gysin.
Zur Herde zählen rund 15 Jungtiere. Für Nachwuchs sorgen genetisch möglichst hochklassige Hengste. «Da die Stuten keinen Fortpflanzungs-Zyklus haben, nimmt sich das Decken wie ein Spektakel aus. Dabei verfolgt der Hengst die Stute und zwingt sie schliesslich, sich hinzulegen. Der Deckakt selbst erfolgt im Liegen», erklärt Gysin.
Kissen im Direktverkauf
Um zu prüfen, welche Tiere trächtig sind, darf der Hengst ein paar Wochen später nochmals zu den Stuten. Trächtige Alpakas lassen dann den aufdringlichen Macho nicht mehr an sich heran und bespucken ihn mit Magensäure. Oder es kommt ihnen Alexa, die Chefin der Herde, zu Hilfe, um den Pascha in die Schranken zu weisen. Die Tragzeit beträgt bei den Alpakas 11,5 Monate.
Regelmässig lässt Gysin seine Tiere von Experten des Vereins Neuweltkameliden Schweiz NWKS beurteilen, der vom Bund offiziell anerkannten Zuchtorganisation für Alpakas und Lamas. Geprüft werden dabei Körperbau, Fundament und Bewollung der Alpakas. Erfolgreich, denn die Tiere des Züchters auf dem Hof «Wüest» erreichen auf der Skala von 100 Werte regelmässig über 97 Punkte.
«Die ersten beiden Kriterien habe ich mittlerweile sehr gut im Griff. Bei den Wollproben muss ich versuchen, einen Faserwert von 20 Mikron oder darunter zu erzielen, da dies als aussergewöhnliche Feinheit gilt», hält Gysin fest. Die Tiere liessen sich gut verkaufen, zu Preisen, die für ausgewachsene Alpakas zwischen 2500 und 7000 Franken variieren können. Gysin betont, dass er keine Tiere zum Metzger bringt. «Ich selber würde nie solches Fleisch essen.»
Die Alpakas werden einmal im Jahr geschoren, wobei pro Tier durchschnittlich 3 Kilo Wolle anfallen. Gysin wählt für die Schur einen Termin gegen Ende April aus, damit die Tiere in den heissen Sommertagen möglichst lange ein kurzes Fell haben. «Die Wolle ist nicht mehr viel wert. Die Feinwolle liefere ich an einen Betrieb in Huttwil und lasse daraus Duvets und Kissen verarbeiten, die ich auf meinem Hof zum Verkauf anbiete, der Rest gibt Isolationsmaterial.»
Gysin hat die Absicht, seine Herde zu vergrössern. Dabei soll die Zucht weiterhin im Vordergrund stehen. Er kann sich vorstellen, einzelne Tiere für Trekkings in der Umgebung zur Verfügung zu stellen. Primär soll seine Herde sich frei im Stall und auf der Weide bewegen können. An den flauschigen Gesellen werden sich somit auch künftig Wanderer erfreuen können. Und wenn beim Vorbeigehen, vor allem bei Hundebegleitung, ein Pfiff ertönt, so ist dies kein Murmeltier, sondern die Stute Schottle mit ihrem braunen Fell und weissen Hals, welche die Herde auf eine mögliche Gefahr aufmerksam macht.
Mehr dazu auf der Facebook-Seite «Alpakas von Zunzgen».
Zur Person
emg. Der 58-jährige Markus Gysin ist gelernter Landwirt mit einer Zusatzausbildung als Landschaftsgärtner. Neben der Alpaka-Zucht führt er einen Gartenbaubetrieb mit zwei Mitarbeitenden und hat sich dabei vor allem auf die Lieferung und Montage von Hochbeeten spezialisiert.