Abfall-Literatur
19.02.2026 PersönlichIch bi nit sehr beläse. Leider. Obwohl ich scho immer vyyl gläse ha. Vor allem Zytigsartiggel, Kriminalromän und Fasnachtszeedel. Aber das zellt halt nit. So richtig beläse bisch erscht, wenn du di dur e gross Büechergschtell voll vo Wältliteratur duuregaggeret ...
Ich bi nit sehr beläse. Leider. Obwohl ich scho immer vyyl gläse ha. Vor allem Zytigsartiggel, Kriminalromän und Fasnachtszeedel. Aber das zellt halt nit. So richtig beläse bisch erscht, wenn du di dur e gross Büechergschtell voll vo Wältliteratur duuregaggeret hesch.
In der Elterewohnig het my Vatter zwei Wänd voll vo Büecher gha. Näbe der Gsamtusgoob vom Friedrich Schiller und de Galgelieder vom Christian Morgestärn sin dört aber hauptsächlig Büecher gschtanden über gschichtligi Theme. Au über Astronomie, Druggtechnigg und vyyl anders meh. Alles super für s Allgemeinwüsse. Aber ebbe kei Wältliteratur.
Uffgwaggse bin ich im e Mehrfamiliehuus, Parterre linggs. Vo der Huustür het e Stäge diräggt in Käller aabe gfüehrt. Unden isch amme son en überdimensionierte Härdöpfelsagg ghange. Für s Papier. Mir hän also s Altpapier nit bündlet wie hüt, sondern eifach in dä Sagg yyne gworfe.
My Ämtli als Teenager isch gsi, d Papier-Abfäll vo der Familie Born in die Riisegugge z gheie. Ich ha das no gärn gmacht. So han i könne spienzle, was die andere Familie so entsorge. Zytschrifte, Illustrierti, Modeheftli, jo, was me halt so gläse het in de früehne 1960er Johr. Ich bi mängmol unden uff der Källerstäge gsässen und ha mi dur unbekannti Wälte bletteret. Der Quelle-Katalog. S gäle Heft. D Apotheken Umschau. Abfall halt. Und immer wiider han i müessen uffschtoh zem der Schalter drugge für wyteri drei Minute Schummer-Liecht. Denn han i s Papier zum Altpapier gworfen und bi wiider uffe zu mir ins Buebezimmer.
Bis zu däm schiggsalhafte Tag. Do han ich zwüsche de Zytige der Fremdi entdeggt. Im Abfall! Vome gwüssen Albert Camus. Ich mit myne 14 Johr und null Ahnig ha grad aafoo läse: «Hüt isch d Mamme gschtorbe. Oder villicht geschter, i weiss es nit.» Ich ha das Buech in my Zimmer uffe gschmugglet und vo der erschte bis zer letschte Zyyle verschlunge – und ich bi kei bitzli drussko, um was es goht.
Denn isch, öbbe zwei Wuche spöter, der Idiot im Abfallsagg gläge. Vom Dostojewski. Han ich au verschlunge und wiider rein gar nüt verstande. E Monet druff han i der Richter und sy Hängger vor em Verschreddere grettet. Der Steppewolf au. Derno isch umme gsi mit der Wältliteratur. Ich ha mi wiider em Kurzfueter in de Zytige zuegwändet. Bis noch em e halbe Johr der Jerry Cotton im Blettermeer ufftaucht isch. Mehrmols. Als Taschebuech. Und do han ich plötzlig alles verstande. Wär übrigens im Huus all die Büecher entsorgt het, isch mer no hüt e Rätsel. Egal!
Hüt liis i no immer täglig Zytigen und ei Krimi noch em andere. Und i freu mi jedes Johr uff e Hampfle Fasnachts-Literatur. Aber beläse bin i, wie gsäit, bis hütte nit. Myni Abfall-Büecher simmer inzwüschen abhande ko. Ich könnt se jetz natürlig neu uff my E-Book aabeladen und nomol läse. Wär weiss, villicht kiemt i hütte sogar druss.
Aernschd Born wohnt in Reinach. Er ist Songpoet, Autor und Kulturschaffender.

