365 Tage für die Kinder da
15.01.2026 BaselbietPolitik will die pädiatrische Grundversorgung stärken
Heute entscheidet der Landrat über einen Beitrag für die Kindertagesklinik in Liestal für die kommenden drei Jahre. Damit soll eine kindermedizinische Grundversorgung in der Region auch abends und an den ...
Politik will die pädiatrische Grundversorgung stärken
Heute entscheidet der Landrat über einen Beitrag für die Kindertagesklinik in Liestal für die kommenden drei Jahre. Damit soll eine kindermedizinische Grundversorgung in der Region auch abends und an den Wochenenden gewährleistet werden.
Sander van Riemsdijk
Seit rund 30 Jahren bietet die Kindertagesklinik (KTK) in Liestal in ihrem ambulanten und tagesstationären Gesundheitszentrum im Oristal eine umfassende Versorgung für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche an – und dies an 365 Tagen im Jahr. Die KTK ist eine der wenigen noch privat geführten Kindertageskliniken in der Schweiz.
Wie jede andere Hausarztpraxis rechnete die KTK bis 2023 zu Randzeiten, also am späten Abend sowie an Wochenenden und Feiertagen, bei den Krankenversicherern spezielle Tarifpauschalen ab. Dabei handelt es sich um sogenannte Dringlichkeits-, Inkonvenienz- und Notfallpauschalen. Diese dienten unter anderem dazu, höhere Lohnkosten für Arzt- und Pflegepersonal zu Randzeiten zu decken.
Die Krankenkassen wollten diese Spezialabrechnungen schweizweit nicht mehr vergüten und reichten beim Bundesgericht Beschwerde gegen die Pauschalen ein. Im Jahr 2024 sollten sie mit ihrem Anliegen Recht bekommen.
Dieses Urteil hatte zur Folge, dass «ein kostendeckender Betrieb ambulanter haus- und kinderärztlicher Dienstleistungen ausserhalb unseres Regelbetriebs – also an Wochenenden und Feiertagen – de facto verunmöglicht wurde», führt Roman Vettiger, Mitgründer und Verwaltungsratsmitglied der KTK, aus. «Darauf haben wir uns an die Politik gewendet, die für die Basisversorgung im Kanton verantwortlich ist. Wir haben klar aufgezeigt, dass der infolge dieses Urteils defizitäre Betrieb ausserhalb der ordentlichen Öffnungszeiten nicht mehr wie bisher übernommen beziehungsweise weitergeführt werden kann.»
Da die Baselbieter Regierung die Zugänglichkeit zur ambulanten Kindermedizin fördern und eine Erweiterung des Angebots der KTK in den Abendstunden anstreben möchte, beschloss sie im November 2025, sowohl für das Jahr 2025 mit einer dringlichen Kreditüberschreitung als auch für die Jahre 2026 bis 2029 eine Ausgabenbewilligung von maximal knapp 1,1 Millionen Franken zu beantragen.
Durch diese Verbesserung der pädiatrischen Gesundheitsversorgung in der KTK soll zudem der Notfall des Universitätskinderspitals beider Basel (UKBB) entlastet werden, wie es im Bericht der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission an den Landrat heisst. Der Antrag der Baselbieter Regierung ist an der heutigen Landratssitzung traktandiert.
Zuwachs für Gelterkinden
Die Hoffnungen der ambulanten Gesundheitsversorgungsstellen ruhen nun auf dem neuen Tarifsystem Tardoc, das ab Januar 2026 gilt. Es sieht eine Tarifstruktur mit spezifischen Positionen für jede ärztliche Leistung vor. «Wenn das Gesundheits- und Administrativpersonal zu Randzeiten arbeitet, soll dies auch entsprechend entschädigt werden», hält Roman Vettiger fest.
Er lobt die konstruktive Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Stellen und zeigt sich zuversichtlich, dass der Landrat im Sinne einer ortsnahen medizinischen Versorgung entscheiden wird. Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission unterstützt den Antrag einstimmig.
Damit der Wunsch des Kantons nach einer Erweiterung der Öffnungszeiten erfüllt werden kann, «muss das Personal aufgestockt werden, und es braucht im Sinne der Planungssicherheit eine entsprechende Vorlaufzeit», erläutert Vettiger. «Dafür benötigen wir eine Defizitgarantie für die kommenden drei Jahre.» Er betont, dass in der Schweiz vielerorts ambulante Angebote fehlen. «Es braucht dringend mehr dezentrale Strukturen mit Dienstleistungsangeboten, die auch zu Randzeiten in Anspruch genommen werden können. Dafür müssen die politischen Rahmenbedingungen angepasst werden.»
Dass die Lücken in der kinderärztlichen Grundversorgung nicht kleiner werden, zeigte sich im Oberbaselbiet vor rund anderthalb Jahren, als Kinderarzt Domenico Rinaldi mit seinem grossen Versorgungsgebiet unerwartet verstarb. Mangels verfügbarer Kinderärztinnen und Kinderärzte sprang die KTK notfallmässig ein und führt die Praxis in Gelterkinden bis heute als Notbetrieb mit zwei Fachärzten. «Mitte Jahr wird das Team mit einem dritten Kinderarzt verstärkt», ergänzt Vettiger.
Um die für Familien wichtigen Dienstleistungsangebote auch künftig sicherzustellen, strebt die KTK im Rahmen eines ganzheitlichen Versorgungskonzepts gemeinsam mit dem Kanton eine Leistungsvereinbarung an, in der die notwendigen Rahmenbedingungen definiert werden. «Wir müssen die Basisversorgung im Kanton stärken», ist Vettiger überzeugt, «auch in der Kindermedizin.»
Die KTK wird von Eltern, auch aus dem oberen Kantonsteil, stark frequentiert. Im vergangenen Jahr wurden rund 15 000 Konsultationen verzeichnet. Seit ihrer Gründung verfolgt die KTK die Philosophie, Familien mit Kindern eine medizinische Versorgung in Wohnortnähe anzubieten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Roman Vettiger sagt dazu: «Als Vater von vier Töchtern und Grossvater von sechs Enkelkindern bin ich aus eigener Erfahrung auch nach so langer Zeit weiterhin von unserem erfolgreichen Modell überzeugt.»
45 Angestellte
svr. Das Angebot der Kindertagesklinik Liestal mit ihrem 45-köpfigen Personalbestand beinhaltet eine kinderärztliche Grundversorgung, Kinder- und Jugendheilkunde, ambulante chirurgische Eingriffe, Zahnsanierungen unter Narkose und weitere Spezialgebiete. Zudem besteht die Möglichkeit, für regelmässige Kontrollen einen Kinderarzt zu wählen. In Muttenz und Gelterkinden befinden sich Zweigstellen der Kindertagesklinik.

