Dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte
29.05.2026 Bezirk LiestalLiestal | Wanderausstellung und Veranstaltungen zum Thema «fürsorgerische Zwangsmassnahmen»
Bis Mitte Juni ist auf dem Platz vor dem Museum.BL die Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz» ...
Liestal | Wanderausstellung und Veranstaltungen zum Thema «fürsorgerische Zwangsmassnahmen»
Bis Mitte Juni ist auf dem Platz vor dem Museum.BL die Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz» zu sehen. Ein Begleitprogramm mit verschiedenen Veranstaltungen beleuchtet die Verhältnisse im Baselbiet und richtet sich auch an Betroffene.
Martin Stohler
Bis 1981 konnten in der Schweiz Menschen von den Behörden ohne Gerichtsentscheid in Heime, psychiatrische Kliniken und Arbeitsanstalten eingewiesen oder bei Pflegefamilien platziert werden. Betroffen von solchen «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen» waren Personen, deren Lebensweise den gesellschaftlichen Normen widersprach, die nicht für sich selbst sorgen konnten oder als verwahrlost galten. Opfer solcher Zwangsmassnahmen wurden über die Jahrzehnte Hunderttausende Menschen: Kinder, Jugendliche, ledige Mütter, Suchtkranke, Menschen mit Behinderungen und Fahrende.
Seit der Verabschiedung des Bundesgesetzes «über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981» im Jahr 2017 sind erste Schritte zur Wiedergutmachung und Aufarbeitung des Geschehenen erfolgt; es bleibt aber noch vieles zu tun. Vor diesem Hintergrund ist die Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz» zu sehen.
Nach einem Start in Riehen ist sie nun auf dem Vorplatz des Museum.BL in Liestal zu Gast. Danach wird sie an weiteren Orten in der Schweiz zu sehen sein. Die Ausstellung wurde von der Arbeitsgemeinschaft Rogger/ fischteich/Hänggi, Aarau, konzipiert.
Niederschwelliger Zugang
Wichtig war den Initianten ein niederschwelliger Zugang zum Gezeigten. Deshalb präsentieren sie ihre Ausstellung auch nicht im Museum, sondern in drei Kuben vor dem Museum. Auf diese Weise hofft man, wie der Historiker Marcel Hänggi an einer Medienorientierung am Mittwoch sagte, auch Passantinnen und Passanten anzusprechen.
In Kubus 1 bekommen wir die Geschichten von sieben Betroffenen zu hören, zudem gibt es hier Faltblätter mit Hintergrundinformationen. In Kubus 2 wird die Perspektive der Entscheidenden gezeigt. Hier gibt es Originaldokumente zu sehen, in denen man immer wieder auf eine herablassende Sprache stösst. Ferner kann man hier Videos anschauen, in denen Behördenmitglieder zu Wort kommen. Kubus 3 richtet schliesslich den Blick auf das gesellschaftliche Umfeld und die Reaktionen der Öffentlichkeit. Der Einbezug von Betroffenen und Interessierten ist sowohl den Ausstellungsmacherinnen und -machern wie auch dem Museum.BL ein grosses Anliegen. So ist bei den Kuben jeweils eine Ansprechperson präsent.
Ein «Erzählcafé» bietet Betroffenen die Gelegenheit, ihre Geschichte zu erzählen. In einem sicheren Rahmen sollen hier Betroffene zu Wort kommen und sich mit anderen austauschen können. Im Nachgang der dreiwöchigen Ausstellung haben Interessierte ferner die Möglichkeit, während einer Geschichtswerkstatt die eigene Lebens- oder Familiengeschichte zu erforschen, was je nach dem ein sehr emotionaler Prozess sein kann.
Das Rahmenprogramm
sto. Wie ein Blick auf den Flyer zur Liestaler Gastausstellung zeigt, hat das Museum.BL ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt. Hier sind vier Daten, die man sich merken sollte:
Dienstag, 2. Juni: Vortrag der Historikerin Miriam Baumeister zu fürsorgerischen Zwangsmassnahmen im Kanton Baselland (18 bis 19.30 Uhr, im Foyer Museum).
Sonntag, 7. Juni: Filmvorführung «Nebelkinder» mit Podiumsdiskussion (10 bis 12.30 Uhr, im Kino Sputnik).
Dienstag, 9. Juni: Buchvernissage «Heimwege – Geschichte einer verlorenen Jugend» (18 bis 20 Uhr, im Foyer Museum).
Donnerstag, 11. Juni: Erzählcafé. Was beschäftigt mich am Thema Fürsorge und Zwang? (18 bis 20.30 Uhr, im Foyer Museum).


