Schluss mit struktureller Ungleichbehandlung
Die Individualbesteuerung ist keine Ideologie, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Wer sie heute noch blockiert, verteidigt ein Steuersystem, das Frauen systematisch benachteiligt und überholte Rollenbilder staatlich ...
Schluss mit struktureller Ungleichbehandlung
Die Individualbesteuerung ist keine Ideologie, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Wer sie heute noch blockiert, verteidigt ein Steuersystem, das Frauen systematisch benachteiligt und überholte Rollenbilder staatlich zementiert. Die Individualbesteuerung ist deshalb kein Symbolthema, sondern ein zentraler Schritt zu echter Gleichberechtigung.
Dass in der Schweiz der Zivilstand darüber entscheidet, wie stark Arbeit besteuert wird, ist schlicht nicht mehr zeitgemäss. Die gemeinsame Besteuerung von Ehepaaren bestraft insbesondere Zweitverdienende – und das sind meist Frauen. Das ist kein Kollateralschaden, sondern ein strukturelles Problem. Wer Gleichstellung ernst meint, kann dieses System nicht länger akzeptieren.
Seit Jahren wird politisch beklagt, dass zu wenige Frauen erwerbstätig sind, dass Fachkräfte fehlen und dass sich Arbeit für viele nicht lohnt. Gleichzeitig hält man an einem Steuermodell fest, das genau diese Effekte verstärkt. Das ist widersprüchlich
– und politisch unehrlich.
Gegnerinnen und Gegner der Individualbesteuerung verweisen gerne auf Haushalte, die künftig mehr Steuern zahlen könnten. Die Zahlen zeigen jedoch klar: Es handelt sich um eine kleine Minderheit, vor allem um sehr gut situierte Einverdienerhaushalte. Demgegenüber stehen Hunderttausende von Menschen, die heute benachteiligt sind oder durch die Reform entlastet würden – insbesondere Frauen, Doppelverdienerfamilien und Alleinerziehende.
Die Individualbesteuerung ist überfällig. Wer sie weiter verzögert, nimmt die Benachteiligung von Frauen und moder- nen Familienmodellen billigend in Kauf. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Gleichstellung nicht länger nur zu beschwören, sondern steuerpolitisch endlich umzusetzen. Wer Fairness, wirtschaftliche Unabhängigkeit und echte Gleichstellung will, sollte dieser Reform zustimmen.
Lucia Mikeler Knaack, Landrätin SP, Bottmingen