MEINE WELT
09.01.2026 PersönlichBitte umblättern
Liebe Leserinnen, Leser und all jene, die eigentlich nur das Kreuzworträtsel lösen wollten, dies ist sie also: die letzte Kolumne. Ein Text wie das verlassene Gutzi in der Büchse. Man weiss, man sollte dieses leckere, mit viel Zuckerguss ...
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Liebe Leserinnen, Leser und all jene, die eigentlich nur das Kreuzworträtsel lösen wollten, dies ist sie also: die letzte Kolumne. Ein Text wie das verlassene Gutzi in der Büchse. Man weiss, man sollte dieses leckere, mit viel Zuckerguss überzogene Gebäck würdevoll geniessen, isst es aber trotzdem hastig über der Spüle und wischt die letzten Krümel weg. Abschiede sind bisweilen kompliziert, anstrengend, hoffnungsvoll und manchmal endgültig. Man möchte etwas Kluges sagen, etwas Witziges, etwas, das hängen bleibt. Etwas für die Ewigkeit.
Am Ende sagt man dann meist: «Bleiben wir in Kontakt» und wechselt die Telefonnummer oder «auf bald», wobei es das «bald» gar nicht gibt.
In der letzten Kolumne geht es wirklich um die letzte Kolumne. Man stellt sich ein farbenfrohes Feuerwerk an gedanklichem Erguss vor oder zumindest ein paar denkmalwürdige Sätze. Wahrscheinlich beides. Meta-Humor ist schliesslich das literarische Äquivalent dazu, sich selbst beim Stolpern zu filmen und zu sagen: Das war pure Absicht.
In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass Kolumnen wie fragile Zimmerpflanzen zu behandeln sind: Man giesst sie mehr oder weniger regelmässig, ersäuft sie zuweilen auch, redet ihnen gut zu und trotzdem gehen manche ein, weil sie eben nicht gegossen wurden oder dem Schweigen erlegen sind. Andere überleben erstaunlich lange, obwohl man sie ignoriert und nur sonntags kurz anschaut. Diese Kolumne hier hat bis zum Schluss durchgehalten. Applaus bitte. Und die anderen?
Ich habe über alles geschrieben. Über das Wetter: zu heiss, zu nass zu trocken. Über Verspätungen, Vergesslichkeit oder Peinliches, schuld ist immer jemand anderes. Vor allem bei der Technik (Updates, die alles besser machen ausser dem, was man braucht).
Auch über das Leben an sich gab es superschlaue Einschätzungen und noch schlauere Sätze. Etwa über das Lebens-Abo, das man nie abgeschlossen hat und das sich nicht kündigen lässt. Sehen Sie, das war so ein Satz für die Ewigkeit. Humor war dabei stets mein Sicherheitsgurt. Ohne Humor würde man bei der ersten Schlagzeile schreiend in eine Decke gewickelt unter dem Tisch verschwinden. Wobei, manchmal hatte ich den Eindruck, ich sei der Einzige, der lacht, es siehts ja niemand.
Was bleibt? Vielleicht ein zustimmendes Lächeln, vielleicht ein Augenrollen, ein Grinsen oder ein leiser Lacher auf den hinteren Zähnen. Alles nehme ich. Wenn diese Kolumnen Sie einmal zum Schmunzeln gebracht haben, dann haben die Texte ihren Job gut gemacht. Wenn nicht – nun ja, auch das ist Tradition beim Schreiben.
Ich verabschiede mich leise, ohne Konfetti und laute Böller – der Umwelt und den Tieren zuliebe –, aber mit viel Dankbarkeit. Sie waren ein tolles Publikum, auch wenn ich Sie nie zu Gesicht bekommen habe. Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie freundlich, nicht nur zu sich, und lachen Sie, wann immer es geht. Besonders über sich selbst. Das ist garantiert kostenlos und hat keine Nebenwirkungen. Meistens.
Claude Lachat ist Schriftsteller, Jahrgang 1963 und wohnhaft in Nunningen. Er arbeitet als Programmleiter von Tandem 50 plus Baselland.


