Krieg
08.01.2026 BRIEFEIst der Westen als Konstrukt erhaltenswert?
Zum Interview «Russland arbeitet daran, den Westen als Konstrukt zu zerstören» mit Experte Marcel Hirsiger in der «Volksstimme» vom 31. Dezember 2025, Seiten 10 und 11
Das doppelseitige ...
Ist der Westen als Konstrukt erhaltenswert?
Zum Interview «Russland arbeitet daran, den Westen als Konstrukt zu zerstören» mit Experte Marcel Hirsiger in der «Volksstimme» vom 31. Dezember 2025, Seiten 10 und 11
Das doppelseitige Interview mit Experte Marcel Hirsiger ist meines Erachtens derart einseitig, dass es nicht unkommentiert stehen bleiben darf. Herr Hirsiger führt die Positionen von 40 bis 50 Prozent verschiedener Bevölkerungen teilweise auf den russischen Einfluss und Finanzierung zurück, was meines Erachtens zu kurz greift und unterschlägt, dass es auch anglo-amerikanischen Einfluss und Finanzierung gibt. Weiter darf es auch nicht sein, dass Schweizer Firmen das russische wie auch das ukrainische Töten aller Soldaten und Zivilisten auch indirekt unterstützen. Wie viel Menschenrechte und Redefreiheit heute Wert sind, zeigt der Fall von Jacques Baud, von dem uns Leser Martin Singer in der «Volksstimme» vom 30. Dezember berichtete. Herr Hirsiger erwähnt einen Erlass der russischen Regierung mit russischen Werten, wonach spirituelle Werte wichtiger sind als materielle. Eine Güterknappheit und andere persönliche Nachteile sollen für das Wohl der Nation hingenommen werden. Ob Laura Grazioli von diesem Erlass wusste, als sie ihre grossartige Kolumne in der «Volksstimme» vom 28. November 2025 verfasste? Ich vermute eher, und komme auch auf die 40 bis 50 Prozent der Bevölkerungen zurück, dass immer mehr Menschen realisieren, dass unser Güterüberfluss einen hohen Preis hat. Ich stimme Herrn Hirsiger zu, dass wir uns wieder bewusst werden müssen, wofür wir stehen und was wir verteidigen wollen. Dazu bedarf es aber einer ehrlichen Diskussion über den Westen als Konstrukt und dessen Preis.
Dies ist mein Wunsch für 2026, und ich halte es für notwendig, dass sich die Menschen wieder vertragen. Wenn Sie diskutieren mögen, lade ich Sie herzlich zu etwa einstündigen Spaziergängen jeweils montags ab 19 Uhr ab dem Gemeindebrunnen in Sissach ein.
Tobias Häfelfi nger, Sissach
