Geheimniskrämerei auf dem Leuenberg
28.07.2023 Bezirk Waldenburg, HölsteinPlötzlicher Abgang von Protagonisten der Trägerschaft
Zwei der treibenden Kräfte des Seminar- und Begegnungszentrums Leuenberg in Hölstein haben das «sinkende Schiff», wie sie es nennen, abrupt verlassen. Zu den Gründen schweigen die Betreiber des Leuenbergs.
Elmar ...
Plötzlicher Abgang von Protagonisten der Trägerschaft
Zwei der treibenden Kräfte des Seminar- und Begegnungszentrums Leuenberg in Hölstein haben das «sinkende Schiff», wie sie es nennen, abrupt verlassen. Zu den Gründen schweigen die Betreiber des Leuenbergs.
Elmar Gächter
Wie tönte es noch im Juni in jenem Flugblatt, das Thomas Freilinger und Leo Gschwind als Mitglieder der Trägerschaft des Seminar- und Begegnungszentrums Leuenberg an alle Haushaltungen in Hölstein versandt hatten: Begeistert seien die Besucherinnen und Besucher vom kulinarischen Angebot, von der Ambiance der laufenden Kunstausstellung, von der Du-Kultur, der Selbstbedienung mit Bargeld-Kultur, bei der jeder selbstständig seine Konsumation ohne jegliche Kontrolle bezahlen könne. Von einer Bereicherung auch für das Waldenburger Tal und die umliegenden KMU war die Rede, von allumfassenden Dienstleistungen für Event- und Seminartätigkeiten. «Alte und neue Weisheiten in jedem Bereich werden auf dem Leuenberg gemeinsam belebt, gelebt, übermittelt und erhalten», so die «Oase der Bildung, Begegnung und Entwicklung», wie sich der Leuenberg im Flugblatt nennt.
Dann am 3. Juli die News auf der Website www.xsundheitlp.net von Thomas Paul Freilinger, «The Body Energyzer», wie er sich selber bezeichnet. Dort schreibt der ehemalige Küchenchef: «Wir schätzten sehr, was wir hatten und mussten das sinkende Schiff um 17.18 Uhr am 03. Juli 2023 verlassen. In einer schnelllebigen Welt wie der jetzigen geht eine Tür zu und die nächste öffnet sich. Personen werden mit der Zeit noch schätzen, was sie an uns hatten. Wartet auf die nächsten News, die werden Euch vom Sockel hauen. Seid gespannt, welche Tür sich uns nun geöffnet hat. Das Universum ist immer wieder faszinierend. Du musst nur mit ihm reden.» So schnell kann es mittlerweile auf dem Leuenberg gehen.
Trägerschaft gibt keine Auskunft
Thomas Paul Freilinger und Leo Gschwind sind also nicht mehr auf dem Leuenberg. Der Text auf der Website lässt unschwer darauf schliessen, dass der Abgang so freiwillig nicht war. Näheres will Leo Gschwind, inzwischen ehemaliger Pressechef des Leuenbergs, allerdings nicht verraten. «Es ist und war auch für uns überraschend. Verstehe, dass ich entbunden bin von der Pressearbeit und ich somit nichts mehr zu tun habe mit dem Leuenberg», so seine Antwort auf die Nachfrage der «Volksstimme».
Und auf die Rückfrage beim neuen «Projektleiter», der als «Martin vom Leuenberg» auftritt und sich nicht mit vollem Namen outet, kam per E-Mail lediglich die Antwort: «Die Trägerschaft wird keine Auskunft über personelle Veränderungen geben und kann zu Inhalten auf anderen Webseiten keine Stellung nehmen.» Und dies, obwohl dem «Volksstimme»- Vertreter zugesichert worden war, dass man ihn telefonisch kontaktiere.
Skepsis bei den Dorfbewohnern
Speziell geht es auch Leuten, die dem Seminar- und Begegnungszentrum einen Besuch abstatten wollen. Da trifft man, obwohl auf der Infotafel am Fuss des Berges keine Hinweise enthalten sind, schon mal auf geschlossene Café-Türen. Auf der Website ist inzwischen zwar festgehalten, dass das Bistro während der Schulferienzeit zu ist, andererseits prangte vergangenen Sonntag die Tafel «Geöffnet» vor dem Eingang. Dass dies potenzielle Gäste verunsichert, liegt auf der Hand.
Die Trägerschaft des Leuenbergs wurde von der «Basler Zeitung» im März dieses Jahres mit Reichsbürgern in Verbindung gebracht. Von der «Volksstimme» darauf angesprochen, beurteilten Freilinger und Gschwind die entsprechenden Vorwürfe als «kostenlose Werbung für den Leuenberg.» Mit wem man in Hölstein auch spricht, stets ist eine gehörige Portion Skepsis über das zu hören, was auf dem Leuenberg läuft. Statt sich offen über ihre wahren Absichten zu äussern, halten sich sowohl die Eigentümerin, laut Amtsblatt die Firma EML Immobilien AG in Zug, als auch die Betreiber bedeckt und leisten damit Gerüchten Vorschub. Da müssen sich alle jene Mitbürgerinnen und Mitbürger betroffen fühlen, die über Jahre hinweg mit ihrer Kirchensteuer einen erheblichen Teil zum Erhalt des Leuenbergs beigetragen haben. Nur dank dieser Mittel sind die Gebäulichkeiten überhaupt noch nutzbar.