Kanton muss nachbessern
23.05.2023 Bezirk Sissach, RünenbergBei Strassensanierung ging ein Rodungsgesuch vergessen
Ein Versäumnis bei der Planung für die Sanierung der Strasse von der Sommerau nach Rünenberg sorgt im Dorf für Kopfschütteln. Die Kantonsstrasse wird im Sommer nochmals für vier Wochen gesperrt.
Christian ...
Bei Strassensanierung ging ein Rodungsgesuch vergessen
Ein Versäumnis bei der Planung für die Sanierung der Strasse von der Sommerau nach Rünenberg sorgt im Dorf für Kopfschütteln. Die Kantonsstrasse wird im Sommer nochmals für vier Wochen gesperrt.
Christian Horisberger
Vergangenes Jahr hat der Kanton an der Strasse zwischen der Sommerau und Rünenberg, dem Eselweg, Sanierungsarbeiten ausgeführt. Dafür blieb die schnellste Verbindung von Rünenberg in Richtung Sissach und Basel von Ende Oktober bis Mitte Dezember gesperrt. Die Umleitung erfolgte über Gelterkinden und damit für Pendler durch den täglichen Stau zwischen Gelterkinden und dem Chienbergtunnel. Das blüht ihnen im kommenden Sommer erneut für einen Monat.
Jeweils zwei Wochen werden laut Angaben des Baselbieter Tiefbauamts der Einbau des Deckbelags im sanierten Strassenabschnitt sowie der nachträgliche Einbau von zwei Tunnels für Wiesel, Marder, Igel, Käfer oder Kröten unter der Strasse hindurch dauern. Diese sogenannten Kleintierdurchlässe sind eine Kompensationsmassnahme für einen Eingriff ins kantonale Naturschutzgebiet Chrindel. Denn um die Sanierungsarbeiten ausführen zu können, mussten fünf Bäume gefällt werden.
Rodungsgesuch «untergegangen»
Allerdings: Das für das Abholzen der Bäume notwendige Rodungsgesuch ist bei der Planung der Strassensanierung «leider untergegangen», wie es beim kantonalen Tiefbauamt auf Anfrage heisst. Die Kleintierdurchlässe, die das durch die Kantonsstrasse geteilte Naturschutzgebiet vernetzen sollen, sowie ein flächengleicher Realersatz sind Bestandteil des nachträglich gestellten und derzeit hängigen Rodungsgesuchs an das Amt für Wald beider Basel.
Das Gesuch wird gemäss Tiefbauamt das ordentliche Bewilligungsverfahren in den kommenden Wochen durchlaufen. Der Einbau der Kleintierdurchlässe sei im August dieses Jahres vorgesehen, nach der Brutund Setzzeit. Die Kosten für die beiden Tunnels beziffert das Tiefbauamt auf 70 000 Franken. Die Strassensanierung alleine kostet den Kanton 220 000 Franken.
Öffentlich gemacht hat die Planungspanne und die neuerliche Strassensperrung der Rünenberger Gemeinderat im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde. Es gehe ihm nicht darum, damit jemanden «in die Pfanne zu hauen», sagt Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn auf Anfrage. Vielmehr wolle man die Bevölkerung so frühzeitig über die nächste Verkehrsbehinderung in Kenntnis setzen. Bei der letztmaligen Sperrung des Eselwegs habe das Tiefbauamt dies nämlich versäumt und die Rünenberger seien plötzlich damit konfrontiert gewesen. Dies sei für die Bevölkerung und die Behörden ärgerlich gewesen.
Kanton gesteht Fehler ein
Auch von den weiteren Bauarbeiten habe die Gemeinde nicht direkt vom federführenden Tiefbauamt erfahren, sondern über Dritte, so der Präsident weiter. Der Gemeinderat habe das Tiefbauamt deshalb in einem höflichen, aber bestimmt formulierten Schreiben aufgefordert, die Gemeinde in Zukunft direkt und frühzeitig über Bauvorhaben zu informieren, anstatt sie erneut vor vollendete Tatsachen zu stellen.
«Die Kritik ist nachvollziehbar», heisst es dazu beim Tiefbauamt. Eine mündliche Entschuldigung sei bereits im Oktober erfolgt und in den kommenden Tagen werde man sich zum Versäumnis auch noch schriftlich äussern: Da die Sanierungsarbeiten umgehend zu erfolgen hatten, sei der Fokus zu stark auf die Ausführung der Arbeiten und zu wenig auf die Information gelegt worden.

