Sieben Bänke in sieben Beizen
28.02.2023 Fasnacht, Gelterkinden
Am Sonntagabend kam das Publikum in den Gelterkinder Beizen in den Genuss des hiesigen Schnitzelbank-Jahrgangs. Zu bewegen wusste so einiges: egal ob Malermeisterin, Fifa-Boss oder Bundesrätin.
Nachtheuel
Sieben Schnitzelbänke – weniger als in der ...
Am Sonntagabend kam das Publikum in den Gelterkinder Beizen in den Genuss des hiesigen Schnitzelbank-Jahrgangs. Zu bewegen wusste so einiges: egal ob Malermeisterin, Fifa-Boss oder Bundesrätin.
Nachtheuel
Sieben Schnitzelbänke – weniger als in der Vergangenheit – tourten am Sonntagabend durch ebensoviele Gelterkinder Beizen und andere Lokale. Dafür legten sich die verbleibenden Bänke umso mehr ins Zeug und legten schonungslos offen, was die Obrigkeit wohl lieber unter dem Deckel behalten hätte. Die «Chropfleerete» trieb auch manchem scheinbar unbescholtenen Ehrenmann angesichts seiner Leistungen die Schamröte ins Gesicht.
Der Nachtheuel spitzte im «Chrüz» die Ohren und den Bleistift und notierte nun zutage getretene Schandtaten und Verfehlungen. Die zur Wahrheit und zu nichts anderem als der reinen Wahrheit verpflichtete «Volksstimme» kann an dieser Stelle nur einen kleinen Teil der zahlreichen Entgleisungen wiedergeben. Es gibt einem schon zu denken, was alles in den letzten zwölf Monaten auf dem Buckel des gemeinen Volkes angerichtet wurde.
Seit vier Jahrzehnten mischen die Fröschebei aus Buckten die Szene auf und bringen das Geschehen unter das Volk. Heuer nahm das 40-jährige Bestehen breiten Raum ein, aber nicht nur. Das sechsköpfige Familienunternehmen verabschiedete sich heuer von ihrem Markenzeichen des kaffeebraunen Teints; nicht ganz freiwillig, wie sie verkündeten: M
ohrechopf darfsch hüte nümme säge.
Alles duet sich ändere im Läbe.
Darfsch au nümm als wisse Rasta Reggae spiele.
Isch das alles nit ziemlich übertriebe?
Kulturelle Aneignung heisst das und dorum
hei mir Fröschebei nach 40 Johr,
das tuet weh, ab däm Johr keini brune Grinde meh.
Die gleiche Formation nahm auch die marode Tschudy-Villa in Sissach aufs Korn – und legte eine Lösung auf den Tisch, wie die verfahrene Situation gerettet werden kann:
Gemäss Ruumplanigsgsetz söll me verdichtet boue.
S Problem isch, wenn sich endlich ein tuet troue,
en alti Schüre mitts im Dorf e chli umzgschtalte,
chunnt dr Heimatschutz und seit,
die muesch erhalte.
Bim Grüscht überrm Tschudy-Huus
isch der Heimatschutz vorus.
Zum s Grüscht für d Nochwält erhalte, sött me e Lösig finde.
Derfür cha me denn d Bruchbude drunder lo verschwinde.
Das Duo dr Pfyffechopf, auch gesanglich überzeugend, trug gleich mehrere Specials zur englischen Hymne «God Save the Queen» vor und spannte den Bogen von der englischen Monarchin nach Bundesbern:
S Lyysebeth goht!
D Schwyz wehlt us Pieteet nit d Eva, wie me gseht.
Drum chunnt d Elisabeth in Bundesroot.
Weiter warf der Bank einen Blick auf die Wahlen im Baselbiet:
Dr Berset säit zum Parmelin:
«Los, Guy, es geht mir schlescht.
Das mit em Blick … Isch ab nischts gwusst. Isch find das nischt gerescht.
Isch möchte doch beliebt bei allen sein.»
Do fliesst e Träne.
E Tipp fürs Image: Alain, färb dr doch e roti Strähne.
Der Rätschueli und der Wale aus Zunzgen warten genüsslich auf jede Gelegenheit, um den Sissachern gehörig an den Karren zu fahren. Doch diesmal ging die Rechnung nicht ganz auf:
Wo do dä Abbruchhammer plötzlich ufsmol ufkrüzt isch,
han i d Kamera vüregholt, so schnäll, was gisch.
Im Stille han i gschmunzlet und gjublet juhei
juhee Jet zisch es wohl für alli Zyt um das Sissach gscheh.
Wie andere Bänke auch mokierten sich die Landstryycher, ein Trio, über das von Pannen geplagte «Waldenburgerli»: Im Bündnerland goht d RhB jetz richtig steil.
Holt e Wältrekord als längschte Zug, das isch geil.
Als Baselbieter wäre mir scho numme froh,
würdisch mit der WB stöörigslos uf Lieschtel cho.
Natürlich schoss der gleiche Bank ein paar Giftpfeile ins heiss geliebte Gelterkinden:
Ich han a GEFA-Blagette bschtellt, doch die chunnt drei Wuche z spoot.
Jä, wer weiss, wo das no hiifüehrt, wenn das so witer goht.
Doch die sy halt sälber schuld, wenn bi ihne das nid so lauft.
Drum han ich zwei goldigi vo Sissech kauft.
Was die beiden Damen unter ihrem Namen «CHalte Kaffi» dem Volk seit Jahren einschenken, ist alles andere als eine abgestandene braune Brühe. Der Bank zeichnet sich durch eine breite Sujetvielfalt aus, die Melodien inbegriffen. Im «Tango corrupti» setzten sie sich in mehreren Versen namentlich mit der Korruption im Fussball auseinander:
Tango korrupti, wenn einer drauf kommt und entpuppt dy,
nimmst du dir einfach einen Anwalt, der was kann halt und bist schwupptiwupp davon.
Auch wenn die Staatsanwaltschaft stöbert,
es gibt nichts, was den Blutdruck hebet.
Denn alles, was die finden ist nicht wahr
und alle fahr’n nach Katar.
Da wäre noch der Seppi Blatter, meint sei
ein glatter, er ist halt gärn drbyy.
Er will die WM ums Verrecken, hat im Versteckten noch Kisten Fendant Wyy.
Da sagt der Seppi zum Platini: Nimm nen Martini, komm wir packen das.
Auch wenn die Gastarbeiter leiden, gäll, wir beiden haben schampar Spass.
So treffen sich die Funktionäre, s sind Millionäre und der Korken knallt.
Der Sieger, der ist längt bestummen, die Herren summen s ist Argentinien halt.
Und dann kommt Herr Infantino auf ein nächstes Gläschen Vino.
Dann singen sie gemeinsam eine kleine Melodie.
Tango korrupti ….
Auch die Ansage nach dem letzten Vers an die Wirtsleut im «Chrüz» war klar:
Im Alter, het scho s Grosi gseit,
handlet me stets überleit.
Wenn die do eus nüt z trinke gäbe,
deu mir eus an Bode chläbe.
Doch alle Bänkler kamen auf ihre Rechnung. Und das Publikum erst recht.