Aus wegen Discountern und Corona
30.12.2022 Bezirk Sissach, Thürnen, WirtschaftDie Strüby AG Destillerie und Weinhandlung schliesst
Die Thürner Weinhandlung und Destillerie Strüby AG stellt morgen nach rund 90 Jahren ihre Geschäftstätigkeit ein. Die wachsende Konkurrenz durch Discounter und Internet-Shopping hatte den Familienbetrieb ins Taumeln gebracht, Corona ...
Die Strüby AG Destillerie und Weinhandlung schliesst
Die Thürner Weinhandlung und Destillerie Strüby AG stellt morgen nach rund 90 Jahren ihre Geschäftstätigkeit ein. Die wachsende Konkurrenz durch Discounter und Internet-Shopping hatte den Familienbetrieb ins Taumeln gebracht, Corona brachte ihn zu Fall.
Christian Horisberger
Mit einem Inserat in der heutigen «Volksstimme» nimmt die Strüby AG, Destillerie + Weinhandel in Thürnen, Abschied von ihrer Kundschaft. Aus wirtschaftlichen Gründen werde die Geschäftstätigkeit per Ende Jahr eingestellt, heisst es in der Annonce. Seit einigen Jahren sei die Kundenfrequenz im Laden stark rückläufig gewesen, ergänzt Dieter Strüby, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, auf Nachfrage. Die umliegenden Discounter würden ihre Weinsortimente massiv und mit Erfolg bewerben und auch an Messen seien die Verkäufe zurückgegangen – oder ins Internet abgewandert. Strüby: «Am Messestand wurden unsere Weine oft degustiert, die Etikette fotografiert und dann suchte man wohl im Internet nach dem tiefsten Preis für diesen Wein.» Auch habe – aus politischen oder ideologischen Gründen – das Interesse an kalifornischen und australischen Weinen, die einst ein wichtiges Standbein der Strüby AG gewesen sind, stark nachgelassen.
Mit einer Partnerschaft mit einem langjährigen Lieferanten aus Zürich versuchte Strüby Gegensteuer zu geben. Der Erfolg blieb jedoch aus, der Partnervertrag wurde beendet. Und dann kam Corona: «2020 verloren wir gegenüber dem Vorjahr 60 Prozent des Umsatzes, 2021 war ähnlich schlecht. All das wirkt sich nicht gerade positiv auf unsere Motivation aus», sagt Strüby. Anfang dieses Jahres wurden die offiziellen Öffnungszeiten des Verkaufsladens, der sich direkt neben dem «Warteck-Stübli» befindet, aufgehoben und die Verkäufe erfolgten nur noch auf Bestellung oder Anmeldung. Einzig die Aufträge fürs Lohnbrennen hätten zugenommen, fürs Überleben habe dies aber nicht ausgereicht, betont der Brenner. Im vergangenen Sommer entschied der Verwaltungsrat schliesslich, das Brennen und den Weinhandel Ende Jahr endgültig aufzugeben.
Der Ausverkauf der Weine sei bereits im Dezember über die Bühne gegangen, es lägen nur noch wenige Flaschen im Keller, so Strüby. Das Mobiliar der Destillerie versucht er ebenfalls abzustossen. Gewisses Zubehör habe er bereits verkaufen können, ob ihm das auch mit den bereits 45-jährigen Brennhäfen gelingt, sei fraglich.
Was aus dem Laden und den Büroräumen im Erdgeschoss wird, ist noch nicht entschieden. Strüby könnte sich darin ein stilles Gewerbe vorstellen. Der inzwischen so gut wie leere Weinkeller sei teilweise bereits vermietet. Nicht von der Geschäftsaufgabe tangiert ist das «Warteck-Stübli», das sich ebenfalls im Eigentum der Familien-AG befindet.
Aufgrund der rückläufigen Umsätze ist der 57-jährige Geschäftsführer bereits vor einigen Jahren in Teilzeit wieder in seinen ursprünglichen Beruf als Elektriker zurückgekehrt und hat sein Pensum nach und nach erhöht. Im kommenden Jahr werde er weiter aufstocken. Seine Schwester Gabriela (59) hatte sich beruflich bereits vor Jahren anders orientiert, da mit dem Familienbetrieb nicht mehr zwei volle Löhne generiert werden konnten.
Dritte und letzte Generation
Dieter Strüby führt das Unternehmen in dritter Generation. Dessen Wurzeln liegen im Jahr 1928, als die Grosseltern Alois und Elisabeth Strüby-Germann das Bauernhaus mit dem dazugehörigen Restaurant Warteck kauften. Alois baute Scheune und Stall zu einer Schreinerei aus, in der er fortan wirkte, Elisabeth führte das Restaurant. Im Jahr 1935 wurde mit dem Schnapsbrennen begonnen. Sohn Alexander trat kurz darauf in den Betrieb des Vaters ein und 1961 auch Sohn Richard mit seiner Ehefrau Verena – er sollte das Geschäft später übernehmen. 1976 war die Gründung der Familien-AG, gefolgt vom Umbau der Geschäfts- und Wohnliegenschaft. Mit dem Besuch der Weinhandelsfachschule lancierte Richard Strüby 1980 den Ausbau des Weinhandels. 1989 trat mit Dieter die dritte Generation in den Betrieb ein. Er übernahm dessen Leitung 1999.