«Kommt die Auszeichnung nicht zu früh?»
29.11.2022 Porträt, Sport, SissachSportpreis | Daniel Schaub erhält einen Anerkennungspreis – und betont: «Ich mache aber weiter»
Daniel Schaub hat als Trainer, Vorstandsmitglied, Klubpräsident, Kommissionsmitglied und Verbandspräsident fast sämtliche ehrenamtlichen Positionen im hiesigen Sport ...
Sportpreis | Daniel Schaub erhält einen Anerkennungspreis – und betont: «Ich mache aber weiter»
Daniel Schaub hat als Trainer, Vorstandsmitglied, Klubpräsident, Kommissionsmitglied und Verbandspräsident fast sämtliche ehrenamtlichen Positionen im hiesigen Sport eingenommen. Morgen wird der Sissacher für sein Engagement geehrt.
Sebastian Wirz
«Ich mache mich damit unbeliebt, aber ich finde: Preise und Belohnungen für ehrenamtlich Arbeitende braucht es nicht», sagt Daniel Schaub, der an der morgigen Baselbieter Sportpreisverleihung in Pratteln einen Anerkennungspreis erhält. «Die Leute arbeiten freiwillig. Sie sind also frei und willig, sie brauchen keinen Lohn», begründet Schaub seine Haltung. Schliesslich erhielten Ehrenamtliche für ihre Arbeit zwar kein Geld, würden aber mit viel emotional und sozial Wertvollem entschädigt. Er hat sich aber mit der Ehrung angefreundet: «Es ist doch schön, diesen Preis zu erhalten.» Es darf also trotz allem eine Würdigung des Wirkens des Sissacher folgen.
Beim SV Sissach hat Daniel Schaub eine «klassische» Vereinskarriere gemacht. Er wurde vom Spieler zum Trainer, zum Vorstandsmitglied, zum Präsidenten. Doch die vereinsinterne Karriere reicht nicht aus für einen kantonalen Preis. Schaub hat in mehrerlei Hinsicht dort weitergemacht, wo viele aufhören: an der Grenze des eigenen Vereins, des eigenen Dorfs und der eigenen Sportart. Nachdem er als Präsident des Fussballklubs automatisch in der Sissacher Sportkommission gesessen und mit den anderen Vereinen sowie der Gemeinde zusammengearbeitet hatte, engagierte er sich während 16 Jahren in der Fachkommission für Sportfragen auch auf kantonaler Ebene – bis zur Amtszeitbeschränkung. Innerhalb seiner Sportart wurde er zuerst Mitglied der Wettspielkommission des Fussballverbands Nordwestschweiz und schliesslich 2019 dessen Präsident.
Schneller Denker und Schreiber
Als Teil der Regionalpräsidenten in der Amateur-Liga ist er über die Region hinaus beispielsweise an der Reform der interregionalen 2. Liga beteiligt. Der Blick über den Tellerrand ist für den 55-Jährigen das tägliche Brot.
Bei Anerkennungspreisen gibt es stets einen Strauss an Gründen für eine Auszeichnung. «Diese Ehrung wäre schon seit Jahren möglich gewesen», sagt Sportamtleiter Thomas Beugger. Den Ausschlag für den Preis 2022 gab eine weitere Tätigkeit Schaubs: sein journalistisches Schaffen. Beim jüngst erschienenen Baselbieter Sportbuch (die «Volksstimme» berichtete) wirkte der Oberbaselbieter neben Beugger und Pascal Buser als Projektleiter. Es erschien in seinem Verlag, er plante, schrieb zahlreiche Beiträge selber und redigierte die restlichen. «Es ist das Buch, das ich noch gemacht haben wollte», sagt Schaub über das erste umfassende Buch über den hiesigen Sport.
Bei diesem 384 Seiten schweren Werk kam eine zentrale Eigenschaft des Herausgebers zum Tragen: Schaubs Arbeitstempo. «Kaum ist eine Aufgabe erteilt, ist sie schon in hoher Qualität erfüllt», sagt Beugger dazu. «Bei den Sitzungen für das Sportbuch hatte ich manchmal das Gefühl: Wenn Dani für ein Porträt zusagt, hat er es im Kopf schon fast geschrieben.» Dieselbe Erfahrung macht die «Volksstimme», wenn Schaub sich als freier Mitarbeiter in ihren Dienst stellt.
«Das habe ich beim Radio gelernt», sagt Schaub, dessen Berufswunsch Fussballreporter am Mikrofon war. Tatsächlich machte er seine ersten Erfahrungen im Journalismus bei Radio Raurach in Sissach, ehe er sich dem geschriebenen Wort zuwandte und seine Reise durch zahlreiche regionale Medienhäuser startete. «Ich wechselte immer zwischen Festanstellung und freier Mitarbeit – und ich vermisste stets die Vorteile des anderen», sagt der heutige Leiter Kommunikation KMU-Förderung bei der Wirtschaftskammer Baselland.
Mit Arbeitskollegen der «Basler Zeitung» gründete Schaub 2005 den Verlag «rotweiss», in dem ein Magazin zum Schweizer Fussball und Bücher etwa zu den grossen Fussballturnieren erschienen. Diese selbstständige Arbeit begleitet Schaub auch nach dem Verkauf von «rotweiss» bis heute, da er einen eigenen kleinen Verlag betreibt, in dem eben das Baselbieter Sportbuch erschienen ist.
Nach zahlreichen Jubiläumsschriften und Klubchroniken oder Büchern über die Schweizer Fussball-Nationalteams der Männer und der Frauen war dieses letzte, sportartenübergreifende und umfassende Werk so etwas wie ein Höhepunkt. Aber eben nicht der Schlusspunkt, weshalb Schaub die Ehrung von morgen Abend irgendwie doch nicht ganz passt: «Kommt der Anerkennungspreis nicht zu früh?», fragt er. «Da wird doch eine Lebensleistung gewürdigt, aber ich mache ja weiter.»
Das Buch «Baselbieter Sport» aus dem Verlag «daniel schaub medienbüro gmbh» ist unter www.leseshop.ch erhältlich.