«Es ist für mich der schönste Job»
28.10.2022 Baselbiet, Zeglingen, SportSportamt | Thomas Beugger leitet die Dienststelle seit 2001
50 Jahre «Jugend+Sport», 50 Jahre Baselbieter Sportamt, 70 Jahre Team-OL und das Esaf obendrauf: Eine intensive Zeit liegt hinter Thomas Beugger, der seinerseits sein 20-Jahre-Jubiläum als Leiter des Sportamts ...
Sportamt | Thomas Beugger leitet die Dienststelle seit 2001
50 Jahre «Jugend+Sport», 50 Jahre Baselbieter Sportamt, 70 Jahre Team-OL und das Esaf obendrauf: Eine intensive Zeit liegt hinter Thomas Beugger, der seinerseits sein 20-Jahre-Jubiläum als Leiter des Sportamts feiern konnte. Zeit für ein paar Fragen.
Sebastian Wirz
«Jugend+Sport» wurde dieses Jahr 50 Jahre alt. Wenn man sich etwas gewohnt ist, kann man sich kaum vorstellen, wie es ohne wäre. Herr Beugger, was war vor «J+S»?
Thomas Beugger: Bevor die Sportförderung 1972 neu geregelt wurde, gab es seit 1942 den freiwilligen turnerisch-sportlichen Vorunterricht. Auch dort gab es Kurse und Prüfungen für Leiter, damit die Jünglinge angeleitet Sport treiben konnten. Primär Turnvereine, Fussballklubs und die Pfadi und später auch die Schule waren in das Programm eingebunden. Der Kanton organisierte ab 1947 für die Jünglinge auch Winterund Sommersportlager. Der Vorunterricht wurde breit unterstützt, 1940 gab es gar eine Abstimmung, ob er obligatorisch werden sollte. Die eidgenössische Vorlage wurde damals abgelehnt, das Baselbiet hatte zugestimmt.
Sport nur für junge Männer, Abzeichen für geleistete Märsche … ging es vor allem darum, die Jugend armeetauglich zu machen?
Das Baselbiet betrieb grosse Anstrengungen, um bei der Rekrutierung gut abzuschneiden. Nachdem der Kanton Baselland 1965 nur an 16. Stelle gelegen hatte, war er ein Jahr später mit dem Jahrgang 1947 plötzlich an der Spitze. Dazu hatte der Vorunterricht dank erhöhter Bemühungen des Geschäftsleiters, der Kreisleiter und Sektionschefs viel beigetragen.
Und was war mit den weiblichen Jugendlichen?
Es ist das Verdienst von «J+S», dass Mädchen und junge Frauen ab 1972 in die Sportförderung aufgenommen wurden und fortan ebenfalls von Trainings bei ausgebildeten Leiterinnen und Leitern profitierten.
Die Sportförderung entfernte sich vom Militär und die Geschäftsstelle für den turnerischen Vorunterricht wurde zum Sportamt in der Erziehungsdirektion. Ging es erst dann richtig los mit der Sportförderung?
Nein, als ich für das Buch «Baselbieter Sport», das am 8. November erscheint, die Geschichte der öffentlich-rechtlichen Sportförderung aufgearbeitet habe, war ich besonders vom Sportanlagenboom von Mitte der 1950er- bis in die 1970er-Jahre beeindruckt. Es gab eine Expertenkommission für Turn- und Sportanlagen, die zuerst mit 150 000 Franken jährlich vom Kanton und aus dem Sport-Toto-Fonds Sportplätze subventionierte. Mit dem neuen Gesetz zur Sportanlagenförderung 1955 wurde auch der Bau von Sporthallen und Schwimmbädern unterstützt. 50 Prozent übernahm der Kanton, 20 Prozent das Sport-Toto. Das hat zu einem riesigen Bauboom geführt.
Was hat sich damit geändert?
Die Sportinfrastruktur ist die Grundlage für die Sportförderung. Heute ist es selbstverständlich, dass es im Dorf eine Halle, einen Sportplatz oder einen Fussballrasen gibt. Das war es vorher nicht. Vom Stadion Gitterli über diverse Sporthallen bis zur Sissacher Kunsteisbahn haben unzählige Anlagen ihren Ursprung in jener Zeit.
Noch weiter zurück liegen die Ursprünge des Geburtstagskinds vom vergangenen Wochenende, des Baselbieter Team-OLs. Warum konnte sich das Format 70 Jahre halten?
Es ist nicht selbstverständlich, dass es den Team-OL noch gibt. Er war der erste Sportanlass, den der Kanton organisierte. Die Männer mussten in Uniform anreisen, aber von Beginn an waren auch die Baselbieter Frauen zugelassen – 20 Jahre vor «J+S». Der Austragungsort war geheim, es gab nur einen Treffpunkt, von wo aus die Teilnehmenden zum Start gingen oder in Bussen fuhren. Es kam gar zu einem Aufschrei, als die Verkehrsmeldungen die Umfahrung eines Gebiets nahelegten und damit den Austragungsort verrieten. Das ist heute alles kaum noch vorstellbar. Vom Kanton organisierte OLs gab es auch andernorts, aber sie sind alle eingegangen. Unser Team-OL ist dagegen noch nie infrage gestellt worden, er gehört einfach zum Baselbiet.
Er gehört auch zu Ihnen und Sie gehören seit Langem zum Team-OL. Wie kam das?
Der Anlass war im Endeffekt tatsächlich mein Zugang zum Sportamt. Begonnen hat aber alles normal als Teilnehmer: Mit zwei Freunden suchte ich 1978 im «Grossholz» in Wenslingen eine Stunde lang Posten 45. Das vergesse ich nicht mehr – ich gehe jedes Mal bei diesem Hügelchen vorbei, wenn ich im «Grossholz» bin. Seither war ich mit wenigen Ausnahmen immer dabei, 1994 stieg ich als Medienchef in die Organisationsarbeit ein, jetzt bin ich OK-Präsident.
2021 haben Sie das 20-Jahre-Dienstjubiläum als Leiter des Sportamts feiern können. Auch hier: Man kann sich die Dienststelle kaum mehr ohne Sie vorstellen. Wollten Sie nie eine Veränderung?
Ich kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen. Es ist für mich der spannendste und schönste Job. Spätestens als Präsident der Konferenz der kantonalen Sportamtleiter habe ich mich vor einigen Jahren auch mit überkantonalen Aufgaben etwa in Magglingen befasst, aber ich bin zum Schluss gekommen, dass ich – unterstützt von meinem Team und dem Regierungsund Landrat – nirgendwo so viel bewegen kann wie auf kantonaler Ebene.
Dafür sind Sie omnipräsent an Anlässen. Sind diese unzähligen Termine nicht ermüdend?
Man muss das gerne machen. Ohne Leidenschaft für den Sport ist dieser Job nicht zu erfüllen. Aber freie Wochenenden kannte ich schon vorher fast nicht, auch seit dem Studium, als ich an Wochenenden und in den Semesterferien entweder für die «Volksstimme» oder auf dem Bauernhof meiner Grosseltern arbeitete. Und die Zusatzaufgaben beim Sportamt gehören dazu.
Eine nicht ganz unerhebliche Zusatzaufgabe war das OK-Vizepräsidium des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes. Was ist Ihre prägendste Erinnerung?
Ganz klar die beeindruckende Freiwilligenarbeit, die hinter dem Esaf steckt. Was hier alles geleistet wurde, ist unglaublich. Neben den 6000 Helfenden haben sich rund 150 Personen im OK über Jahre und Hunderte Arbeitsstunden engagiert. Und mit ganz wenigen Ausnahmen ist das alles ehrenamtlich passiert. Dazu möchte ich die tadellose Arbeit von Geschäftsführer Matthias Hubeli herausstreichen.
Wie ging es Ihnen am Sonntagabend, als Sie auf einen gelungenen Anlass ohne grössere Zwischenfälle anstossen konnten?
Im August hat das ganze Sportamt-Team jeden Tag auf dem Gelände Anlässe durchgeführt. Da war das Fest selber eigentlich die Zugabe. Ich konnte das Wochenende geniessen, weil ich wusste, dass es gut kommt. Am Sonntagabend hatte ich einerseits grosse Freude und verspürte Dankbarkeit und Erleichterung, dass alles geklappt hat. Andererseits muss ich zugeben, dass da eine Leere war, ein komisches Gefühl: «Was jetzt?» Immerhin haben wir seit Ende 2016 für dieses Wochenende gearbeitet. Mein Zusatzaufwand für das Esaf betrug während dieser Zeit im Durchschnitt etwa sechs Stunden pro Woche.
Abgeschlossen ist diese Arbeit erst mit der Abrechnung. Sie wird mit grossem Interesse erwartet.
Nicht nur die Abrechnung, auch der Schlussbericht zuhanden des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) und die Präsentation bei der Abgeordnetenversammlung des ESV warten noch. Diese wird am 18. und 19. März 2023 in Unterägeri stattfinden. Einzelne Sitzungen sind aber bis Herbst 2023 terminiert.
Zur Person
wis. Der Zeglinger Thomas Beugger (56) ist seit 2001 Leiter des Sportamts Baselland, davor leistete der ausgebildete Sekundarlehrer in diversen Kommissionen, Komitees und Verbänden Funktionärsarbeit für den hiesigen Sport, vom Bezirksturnverband bis zur kantonalen Sportkommission. Als einer der Vizepräsidenten des OKs war er in den vergangenen Jahren stark für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Pratteln engagiert.