65 Künstlerinnen zeigen ihre Werke
29.07.2022 Bezirk Waldenburg, Kultur, ZiefenSander van Riemsdijk
Im Gründungsjahr der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK) wurden kunstschaffenden Frauen vom Denken des Patriarchats eingeschränkt: Werke von Künstlerinnen wurden in den öffentlichen Häusern und Galerien so gut wie nicht ...
Sander van Riemsdijk
Im Gründungsjahr der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK) wurden kunstschaffenden Frauen vom Denken des Patriarchats eingeschränkt: Werke von Künstlerinnen wurden in den öffentlichen Häusern und Galerien so gut wie nicht gezeigt. Frauen konnten in der Schweiz nicht an Kunstschulen studieren. Das liegt nun 120 Jahre zurück, ein langer Emanzipationsprozess hat stattgefunden.
Zum 120. Geburtstag der Gesellschaft hat die Präsidentin der Sektion Basel, Elfi Zangger Thoma, eine Ausstellung mit 65 Künstlerinnen aus der Region realisiert; zehn von ihnen stammen aus dem Oberbaselbiet. Es sind dies Jaqueline Borner (Sissach), Katharina Guggenbühl (Bubendorf), Christiane Haefelin (Arisdorf), Lilot Hegi (Böckten), Sylvia Heuser (Sissach), Sibylle Laubscher (Arisdorf), Elena Lichtsteiner (Arisdorf), Jadenah Masé (Ziefen), Judith Mundwiler (Buus) und Heinke Torpus (Sissach).
Die Gruppenausstellung spiegle den Zusammenhalt in der Gesellschaft der Künstlerinnen sowie den Austausch unter den Produzentinnen, hält Elfi Zangger im Vorwort des Ausstellungskatalogs fest. Die Künstlerinnen aller Altersgruppen, von der Hochschulabgängerin bis zur fast 100-Jährigen, zeigen ein vielfältiges Schaffen in diversen Medien. Eine Fülle von Ideen, Konzepten und nicht zuletzt ein Reichtum an Techniken tun sich hier auf.
«Learning by doing»
Jardenah Masé-Goldberg empfindet es als grosses Privileg, Teil der Ausstellung in der Galerie Carzaniga sein zu dürfen, wie sie in ihrem Atelier an der General-Guisan-Strasse in Basel verrät. Die 69-Jährige wuchs in Basel auf und lebt seit mehr als 30 Jahren in Ziefen. Bereits als Schülerin und während ihres Medizinstudiums sei sie am Zeichnen sehr interessiert gewesen, später dann vermehrt an der Malerei mit Pinsel. Seit jeher liegt ihr Fokus auf der menschlichen Figur oder Details davon. Der Anfang ihres künstlerischen Schaffens reicht mehr als zwei Jahrzehnte zurück. 1999 belegte sie Kurse an den Schulen für Gestaltung in Basel und Bern. Später weitere bei Rainer Kaiser an der Freien Kunstakademie in Augsburg und bei freischaffenden Künstlerinnen in der Region.
Nach dem Motto «learning by doing» hat sie vieles ausprobiert und arbeitet heute vor allem in der Kombination von Zeichnen und Malen. Dabei sind ihr die Striche, Linien und Strukturen in der Umsetzung zentral. Striche hätten viel mit bewegtem Leben zu tun, wie auch die Figuren und Köpfe, die sie damit gestaltet, sagt Masé-Goldberg. «Es ist wie eine Spur, die durch etwas entsteht und irgendwo hinführt.» Sie zieht damit eine Verbindung zu ihrem Beruf als Psychiaterin, den sie bis 2020 ausübte. «Auch dort wurden Gedankenspuren gesucht, entdeckt und weitergeführt.»
Jardenah Masé-Goldberg arbeitet hauptsächlich mit Stiften wie Kohle, Ölkreide, Bleistift, Tusche und mit Pinseln unterschiedlicher Grösse. Ebenso mit Acrylfarbe, die ihr für ihr spontanes, eher assoziatives Arbeiten viele Gestaltungsmöglichkeiten biete. Acryl entspreche ihrem manchmal ungeduldigen Wesen, sagt die Künstlerin: Das Material trockne schnell, was ein zügiges Weiterarbeiten ermögliche.
Fasziniert von Linienführungen
Auch im Alltag ist die 69-Jährige von Linien und Strukturen fasziniert, die sie wenn möglich mit der Kamera festhält. Sie nennt als Beispiel einen Fussgängerstreifen, der altersbedingt Risse in Form von eigenwilligen Linien bekommen hat. «Kunst hat viel mit Beobachtung und der Freiheit zur persönlichen Umsetzung zu tun», sagt sie, «diese innere Freiheit, die Ideen je nach Lust und Stimmung auf Papier oder Leinwand bringen und sich vom Resultat überraschen lassen zu dürfen, ist etwas vom Schönsten.»
Wenn Masé-Goldberg heutige Bilder mit ihren früheren Werken vergleicht, erkennt sie darin eine klare Veränderung. «Es ist schön, die künstlerische Weiterentwicklung zu sehen», stellt sie zufrieden fest. Weiter geht es dieses Jahr im November unter anderem mit einer nächsten Jubiläumsausstellung der SGBK im «Spritzehüsli» in Oberwil und mit einer Gemeinschaftsausstellung im Gemeindehaus Reinach. Für 2023 plant sie eine Ausstellung, zu der sie noch nicht viel verraten möchte. Aber bestimmt werden die zeichnerischen Anteile in ihren Bildern nicht fehlen.
Die Jubiläumsausstellung in der Galerie Carzaniga am Gemsberg 10 in Basel dauert noch bis 20. August.