Regionale Weine erhalten Support
02.06.2022 BaselbietKleine Mengen, aber ein qualitativ guter Weinjahrgang 2021
Der Verband der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn und das Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung orientierten in der Safran-Zunft in Basel über den Weinjahrgang 2021 in der Region und ...
Kleine Mengen, aber ein qualitativ guter Weinjahrgang 2021
Der Verband der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn und das Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung orientierten in der Safran-Zunft in Basel über den Weinjahrgang 2021 in der Region und präsentierten die Kandidaten für die «Staatsweine 2022».
Thomas Faulstich
«Ein Sommer, wie der im vergangenen Jahr, hätte vor 100 Jahren in der Region noch zu einer Hungersnot geführt.» Mit dieser Vermutung fasste Andreas Buser, der Präsident des Verbands der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn, die klimatischen Kapriolen des Sommers 2021 zusammen. Die landwirtschaftlichen Erträge lagen sehr deutlich unter den langjährigen Mittelwerten. Auch die Winzer konnten wesentlich kleinere Mengen ernten als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Bei den roten Traubensorten war die Ernte mit 281 Tonnen um 47 Prozent tiefer als der Durchschnitt der letzten Dekade, bei weissen Sorten mit 197 Tonnen deren 36 Prozent tiefer. Urs Weingartner, der Rebbau-Kommissär der Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn, erläuterte, was den Weinproduzenten im vergangenen Jahr speziell zu schaffen gemacht hat. Der kälteste Frühling seit über 30 Jahren führte bis weit in die Jahreszeit zu Frostnächten, durch die an einzelnen Standorten bis zu 60 Prozent der Hauptaugen erfroren. Darauf folgten regional die nässesten Monate Juni und Juli seit Messbeginn im Jahr 1864. Dies begünstigte stark die Ausbreitung des Falschen und Echten Mehltaus. Der Befall der Pflanzen konnte wegen der stark durchnässten Böden zudem nicht oder nur unvollständig bekämpft werden.
Genügend hohe Öchsle-Werte
Zum Glück für den Rebbau folgte dann einer der sonnigsten September der vergangenen 60 Jahre. Die nach dem Pilzbefall und durch gezieltes Ausbrechen durch die Winzer verbliebenen Trauben konnten noch ausreifen und genügend hohe Öchsle-Werte erreichen.
Für Thomas Engel von der Kellerei Siebe Dupf in Liestal liessen sich die fehlenden Mengen durch Zukauf von Trauben aus Genf teilweise kompensieren. Die Kellerei produziert daraus einen Pinot Gris nach dem gleichen bewährten Verfahren wie sonst mit den regionalen Trauben. Die Herkunft der Trauben wird dabei auf dem Etikett klar deklariert. Bereits im Jahr 2017, als ein grosser Teil der Traubenernte schon im Frühjahr erfror, konnte mit den Trauben eines Betriebs aus dem Kanton Jura ein Pinot Gris AOC Jura gekeltert werden, der bei der Kundschaft grossen Anklang fand. Für die Kellerei Siebe Dupf aus Liestal stellen solche Zukäufe aber stets eine Ausnahme dar. Sie wird weiterhin den Fokus auf lokalen Wein für den lokalen Markt legen.
«Für uns als Winzer sind Zukäufe von Trauben keine gangbare Lösung», erklärte Ueli Bänninger von der Tschäpperliweine GmbH in Aesch. «Unsere Kunden erwarten, dass unser Wein auch mit den Trauben unseres Weinguts produziert worden ist.» Ein Zukauf von Trauben kann höchstens im kleinen regionalen Umfeld erfolgen. Eine Beimischung ist zudem auch gesetzlich eingeschränkt, damit der Wein mit der entsprechenden Ursprungsbezeichnung verkauft werden darf. Glücklicherweise ist Wein aber ein Produkt, das sich über mehrere Jahre sehr gut lagern lässt. In guten Jahren können Lagerbestände aufgebaut werden, mit denen in schlechten Jahren die Nachfrage befriedigt werden kann. «Dies ist für uns sehr wichtig, damit der oft langjährige Kontakt zu den Kunden nicht abreisst», so Bänninger.
Während für die reinen Keltereibetriebe schlechte Erntesommer nicht zwingend zu finanziellen Einbussen führen, stellt sich die Situation für die Winzer anders dar. Ihre Aufwändungen bleiben in schlechten Jahren unverändert hoch. Es resultieren aber ein bedeutend kleinerer Ertrag und entsprechende finanzielle Einbussen. Investitionen oder Neuanpflanzungen müssen dann oft um ein bis mehrere Jahre aufgeschoben werden.
Förderung der Bekanntheit
Der Verband der Weinproduzenten und der Ebenrain Sissach arbeiten zusammen daran, den Bekanntheitsgrad des regionalen Weins zu verbessern. Dieses Jahr ist Basel beispielsweise die «Genuss-Stadt» der Schweiz. Lukas Kilcher, der Leiter des Ebenrains, weist darauf hin, dass in diesem Rahmen etliche kleinere und grössere Anlässe für den regionalen Wein stattfinden.
Seit 2016 – mit zwei Unterbrüchen 2017 und 2020 – wird jeweils in vier Kategorien ein Staatswein gekürt. Dieses Jahr zum zweiten Mal für Baselland und Basel-Stadt gemeinsam. Auch in diesem Jahr hat eine Jury aus unabhängigen, nicht aus der Region stammenden Weinexperten eine Vorauswahl von je drei Weinen nominiert. Auch mehrere Weine aus dem oberen Kantonsteil haben die Nomination geschafft.
Imhof Weine aus Sissach, der Hofladen Grosstannen aus Bubendorf, Christine und Werner Bürgin-Mesmer aus Itingen, Andrea und Peter Strübin-Lichtin aus Maisprach sowie Wiedmer Weinbau vom Zelglihof Sissach können am 14. Juni auf einen Sieg in einer der vier Kategorien hoffen. Dann wird durch eine Jury, zusammengesetzt aus Vertretern der beiden kantonalen Regierungen und Parlamenten sowie weiterer Prominenz, im Ebenrain in jeder Kategorie der «Staatswein 2022» der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt gekürt.
