Mit dem Rucksack quer durch Europa
31.05.2022 Baselbiet, WenslingenNoah Buess reist von Norwegen nach Portugal – zu Fuss
Ein Jahr völlige Freiheit spüren und einfach einmal weg sein von allen Verpflichtungen – Noah Buess (20) erfüllt sich diesen Traum seit Februar. Auf seiner Wanderung quer durch Europa wird der Wenslinger von einem alten ...
Noah Buess reist von Norwegen nach Portugal – zu Fuss
Ein Jahr völlige Freiheit spüren und einfach einmal weg sein von allen Verpflichtungen – Noah Buess (20) erfüllt sich diesen Traum seit Februar. Auf seiner Wanderung quer durch Europa wird der Wenslinger von einem alten Schulkollegen begleitet. Ihre Erlebnisse dokumentieren die beiden auf Social Media.
Lara Uebelhart
Vor gut drei Monaten hat Noah Buess seinen Alltag in Wenslingen hinter sich gelassen und sich auf seine bisher längste Reise begeben. Mit seinem ehemaligen Schulfreund Bastian Schaub hat sich der 20-Jährige nicht weniger als eine Wanderung von Norwegen nach Portugal vorgenommen.
Die meiste Zeit sind sie ziemlich weit ab vom Schuss, stapfen durch die Natur und treffen auch einmal tagelang keine andere Menschenseele an. Um den Kontakt nach Hause trotzdem aufrechtzuerhalten, teilen die zwei Abenteurer regelmässige Updates ihrem Instagram-Account «wanderbres». Diesen verwenden sie allerdings weniger zu Dokumentationszwecken. Die Hauptfunktion des Ganzen sei, dass Familie und Freunde aus der Schweiz immer wieder einmal ein Lebenszeichen von ihnen erhalten, ohne dass sie jeder Person einzeln schreiben müssen. Denn die Reise soll eine Abkoppelung aus dem gewöhnlichen Alltag im Baselbiet sein. Und das klappt besser «offline».
Zweisamkeit statt Einsamkeit
Geplant hat Noah Buess die Reise eigentlich ursprünglich als Solo-Trip. Er habe schon immer davon geträumt, mal für eine längere Zeitspanne alleine unterwegs zu sein. Der Drang nach Freiheit und der Wunsch, aus dem allzu geordneten Leben in der Schweiz auszubrechen, begleite ihn schon lange. Zu Beginn behielt er seine Reisepläne allerdings noch für sich: «Ich wusste, dass ich es auch wirklich durchziehen muss, sobald ich es laut ausspreche.»
Als er sich seiner Sache sicher war, weihte er sein Umfeld ein. Sein jetziger Reisebegleiter aus Sissach, Bastian Schaub, habe dann ziemlich zufällig Wind von der Sache bekommen und Buess daraufhin gefragt, ob er auch dabei sein könne. Für den Wenslinger kam das ganz gelegen, schliesslich bezeichnet er sich selber als «ein Mensch, der eigentlich sehr gern unter Leuten ist». Er hätte es zwar auch alleine durchgezogen, allerdings gäbe es doch einige Momente, wo es ganz schön sei, dieses Abenteuer zu zweit zu erleben.
Der grösste Teil der Reise machen Buess und Schaub zu Fuss und tragen ihr ganzes Hab und Gut dabei auf dem Rücken. Als wir sie erreichen, befinden sie sich in Schweden, bevor es weiter den Seen entlang nach Deutschland und dann mit dem Velo in und durch die Schweiz geht, um ein wenig Zeit aufzuholen. Bald sind die zwei Baselbieter also wieder in ihrer Heimat; allerdings nur auf Durchreise. Die beiden jungen Männer wissen nämlich ganz genau, wohin sie gehen wollen. Wie sie allerdings dorthin kommen, entscheiden sie relativ spontan. Es gilt, stets flexibel zu bleiben. Immer wieder würden sie in Situationen geraten, für die sie Lösungen finden müssen. Es gebe auch hin und wieder Momente, wo die Motivation schwinde. Aber Noah Buess weiss: «Man muss sich dann einfach bewusst werden, was für ein Privileg das ist, dass man diese Reise machen kann. Man darf nie vergessen, den Moment zu geniessen.»
Eines der bisher eindrücklichsten Erlebnisse geschah bereits in der ersten Nacht beim Nordkap. Buess habe gerne kalt und wollte mal «richtigen Winter» erleben, sagt er. Bei knapp minus 20 Grad und heftigem Wind sei es allerdings dann doch nicht mehr so angenehm gewesen. Die beiden mussten draussen übernachten, wo sie den eigenen Überlebenswillen und auch die erbarmungslose Kraft der Natur zu spüren bekamen. Einen Weg zu finden, irgendwie diese Nacht zu überstehen, sei zwar ein harter Einstieg gewesen, gleichzeitig bisher aber auch das grösste Highlight. Und so seien sie schon zu Beginn ihrer Reise ein wenig «auf die Welt gekommen», sagt Buess und lacht.
Auf der Suche nach sich selbst
Wenn Noah Buess nicht gerade durch einen schwedischen Wald marschiert, ist er gelernter Maurer. Er arbeite gerne auf dem Beruf, jedoch sei ein weiterer Grund der Reise, dass er sich klar darüber werden wolle, wie es bei ihm danach weitergehen wird. Buess ist hin- und hergerissen. Soll er auf dem Beruf bleiben und sich weiterbilden, oder möchte er vielleicht doch noch eine andere Ausbildung starten?
Die vielen ruhigen Stunden auf der Wanderroute gäben ihm die Zeit und den Raum, um sich über sich und seine Ziele Klarheit zu verschaffen. Denn Buess weiss: Irgendwann geht es wieder zurück in den geregelten Alltag, den er vor Wochen verlassen hat. Bis dann hoffe er, Antworten auf seine Fragen zu finden, die bis jetzt noch offengeblieben sind. «Unterwegs habe ich den Kopf frei für Gedanken, die sonst im Alltag häufig keinen Platz haben», so Buess. Er gibt aber zu: «Zum ersten Mal vermisse ich die Schweiz ein bisschen. Sogar das Geordnete.»