Hier spielt bald wieder die Musik
30.09.2021 Bezirk Liestal, Polizei, ZiefenRoland Rechers Haus brannte im Januar – jetzt herrscht Zuversicht
Roland Recher aus Ziefen hatte das Pech, dass sein Haus aus dem Jahr 1751 bei einem Brand der angrenzenden Scheune am 16. Januar stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Brand und Löschwasser zerstörten fast das ganze ...
Roland Rechers Haus brannte im Januar – jetzt herrscht Zuversicht
Roland Recher aus Ziefen hatte das Pech, dass sein Haus aus dem Jahr 1751 bei einem Brand der angrenzenden Scheune am 16. Januar stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Brand und Löschwasser zerstörten fast das ganze Gebäude. Jetzt steht der Wiedereinzug bevor.
André Frauchiger
Der 60-jährige Roland Recher macht beim Besuch der «Volksstimme» in der Noch-Baustelle seines Hauses an der Hauptstrasse 104 in Ziefen einen gefassten, manchmal sogar fast fröhlichen Eindruck: Ja, letztlich hätten er und seine Partnerin Glück im Unglück gehabt, sagt er. Denn das Haus sei am 16. Januar dieses Jahres immerhin nicht ganz bis auf die Grundmauern abgebrannt. Der Wiederaufbau habe daher zu einem guten Teil auf Bestehendem erfolgen können. Und insbesondere die Praxis seiner Frau im Erdgeschoss sei noch einigermassen glimpflich davongekommen.
Roland Recher lebt mit seiner Frau seit zehn Jahren in Ziefen. Die beiden haben fünf erwachsene Kinder im Alter von 29 bis 38 Jahren und acht Grosskinder. Ja, ihre Grossfamilie habe sich riesig für sie eingesetzt und habe nach dem Brand beim Aufräumen und Zügeln in eine Eineinhalbzimmerwohnung als vorübergehende Bleibe tatkräftig mitgeholfen. Generell sei die Hilfsbereitschaft von Freunden und Bekannten aus dem Dorf riesig gewesen, sagt der ehemalige Gemeinderat. Ihnen seien nach dem Brand nicht weniger als fünf Wohnungen als provisorische Unterkunft angeboten worden. Selbst eine Spendensammlung sei für sie auf einem Chat gestartet worden.
Das eigene Haus brennt!
Wie hat der Musiker Recher, der an der Musikakademie Basel-Stadt studiert hat und heute professionell das Instrument Tuba spielt und als Dirigent fungiert, die Brandnacht erlebt? Er und seine Frau seien in dieser Samstagnacht bei Freunden ein paar Häuser weiter zum Abendessen eingeladen gewesen. So um 23.45 Uhr hätten sie festgestellt, dass draussen «etwas los» sei: Rund 30 Fahrzeuge – darunter Polizeiund Feuerwehrautos – seien auf der Hauptstrasse eingetroffen, ein riesiges Aufgebot, überall Blaulicht. Schliesslich seien sie zu Fuss im Schneetreiben in Richtung ihres Hauses gegangen und hätten schliesslich begriffen, dass es der Dachstock ihres Hauses ist, der in Vollbrand steht. Ein Polizist habe sie aber am Näherkommen gehindert.
Als klar gewesen sei, dass sie die Hausbesitzer sind, seien sie von der Einsatzleitung ins nahe Restaurant Tanne gebracht worden. Zuschauen beim Löschen durften sie nicht. Erst um etwa 3 Uhr morgens hätten sie ihr Haus erstmals begutachten können – eine Brandruine. Sie seien die ganze Zeit über schockiert und konsterniert, aber nicht verzweifelt gewesen, erklärt Roland Recher. Und sie konnten sofort bei Nachbarn unterkommen, hatten also ein Dach über dem Kopf. An gleich zehn Orten im Dorf hätten sie übernachten können, die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung sei riesig gewesen, sagt Recher.
An Schlaf sei in der Brandnacht natürlich nicht zu denken gewesen. Die Feuerwehr musste nochmals ausrücken, um in der Brandruine Brandnester zu bekämpfen. Doch bereits am nächsten Tag wurde mit dem Ausräumen der noch vorhandenen Habseligkeiten begonnen.
Die Untersuchungen hätten ergeben, dass der Brand in der direkt hinter dem Haus angrenzenden alten Scheune ausgebrochen war, erklärt Recher. Das Feuer habe dann rasch auf das Dach ihres Wohnhauses übergegriffen. Die eigentliche Brandursache sei aber bis heute unbekannt. Recher hält dies grundsätzlich nicht für beunruhigend. Und vielleicht könne die Braundursache irgendwann ja doch noch ermittelt werden.
Bald folgt der Wiedereinzug
Recher arbeitet jeweils von Dienstag bis Donnerstag in einem 80-Prozent-Pensum als Leiter der Musikschule Oberseetal im luzernischen Seetal, einer Schule mit rund 55 Lehrpersonen. Früher war er während acht Jahren an der Musikschule Liestal tätig. Die Teilzeitstelle im Luzernischen war für ihn seit Januar dieses Jahres ein grosser Vorteil: Er konnte einen guten Teil seiner übrigen Zeit dem Wiederaufbau seines Wohnhauses widmen, dies mit Unterstützung von versierten Baufachleuten wie einem Architekten, Zimmerleuten, Dachdeckern und einem kompetenten Bauleiter, wie er unterstreicht.
Bis zum April dieses Jahres wurde abgeklärt und geplant. Erst dann konnte der Wiederaufbau in Angriff genommen werden. Recher lobt die Unterstützung der kantonalen Gebäudeversicherung. Diese sei bei der Kostenübernahme sehr entgegenkommend gewesen.
Mitte Oktober will er nun mit seiner Frau wieder ins Haus einziehen. Dass er sich darauf freut, versteht sich von selbst; seine Augen leuchten beim Erzählen. Vieles ist zwar beim Hausbrand zerstört worden, darunter auch ein Bechstein-Flügel. Aber Roland Recher wird noch im Oktober einen guten Flügel erhalten. Ihm sei klar geworden, dass fast nichts unersetzlich ist, auch wenn es wehtut. Er schaut mit grossem Interesse und auch grosser Neugierde in die Zukunft, ohne jegliche Verbitterung. Zweifellos: Recher ist ein Optimist, das Jammern ist nicht sein Ding. Das befreiende Singen, das Spielen von Tuba, Gitarre und Klavier helfen ihm dabei.
«Cinéma Phoenix»
fra. Roland Recher und einige Mitstreiter haben vor ein paar Jahren in Ziefen das «Cinéma Phoenix» gegründet. An wechselnden Orten im Dorf werden in der Regel in den Sommermonaten in Zusammenarbeit auch mit den Dorfvereinen Filme gezeigt, die zur Örtlichkeit passen – unter freiem Himmel oder zum Beispiel auch im Schulhaus. Es geht dabei immer um Filme mit Musik. Denn gerade mit Musik sollen möglichst viele Menschen «abgeholt» werden. Der Anlass im vergangenen August in den Ruinen der abgebrannten Scheune hinter dem Wohnhaus von Roland Recher wurde immerhin von rund 30 Personen besucht. Im kommenden Jahr sollen die «Cinéma»- Abende an einem neuen Ort fortgesetzt werden.