«Das Geschäft läuft erst seit wenigen Wochen wieder an»
01.07.2021 Porträt, SissachAline Schneider
Frau Gnos, Sie haben das «Reisebüro Sissach» im November 2019 übernommen, nachdem Sie 10 Jahre lang dort angestellt waren. Darauf folgte das turbulente Corona-Jahr 2020. Wie sahen die Buchungen nach der Übernahme aus?
Alexandra ...
Aline Schneider
Frau Gnos, Sie haben das «Reisebüro Sissach» im November 2019 übernommen, nachdem Sie 10 Jahre lang dort angestellt waren. Darauf folgte das turbulente Corona-Jahr 2020. Wie sahen die Buchungen nach der Übernahme aus?
Alexandra Gnos: In meinen ersten vier Monaten als Inhaberin hatten ich und meine Arbeitskollegin Frau Saibene viel Kundschaft. Von Anfang November 2019 bis Ende Februar 2020 war das Interesse an Reisen gross. Ab März mussten wir dann alle getätigten Buchungen stornieren. Als der Shutdown aufgehoben wurde, konnten wir zwar wieder öffnen; weil wir aber zu wenig Interessenten und Angebote hatten, mussten wir unsere Öffnungszeiten einschränken. Die Menschen konnten noch nicht an Urlaub denken, sei es im Ausoder Inland. Das Geschäft leidet seit März 2020 sehr. Ich hätte ohne Kurzarbeit für die Mitarbeiterin, staatliche und private finanzielle Hilfen das Jahr nicht überstehen können.
Dank der Impfung gibt es Hoffnung auf einen «normalen» Sommer. Haben die «Reiselustigen» in diesem Jahr ihre Ferien optimistischer geplant?
Erst seit den Lockerungen vom 31. Mai haben wir wieder einige Buchungen. Bisher beschränken sie sich aber auf den Mittelmeerraum. Für Ferndestinationen besteht zwar Interesse, jedoch zögern die Kunden nach wie vor wegen der Reisebeschränkungen.
Wohin gingen denn die üblichen Buchungen vor Corona?
Meist waren dies Ferien in Nordamerika (USA und Kanada), in der Karibik, im Indischen Ozean (Malediven/Seychellen, Mauritius), in Ozeanien (AUS/ NZ), im fernen Osten (Thailand/Vietnam) und einige wenige in Afrika und Südamerika. Dies waren oft Individualreisen, Rundreisen (auch für Familien) oder Abenteuerreisen. Zurzeit ist aber noch von Fernreisen abzuraten. Dies bewirkt, dass grosse Buchungen in diesem Jahr wegfallen.
Was sind denn die aktuellen Trends?
Wie erwartet ist das begehrteste Ziel die Schweiz, aber für Ferien im eigenen Land wendet sich kaum jemand an ein Reisebüro und es gibt auch zu wenig Angebote. Grösste Gewinner für Auslandferien sind Spanien und seit Mitte Mai auch Griechenland. Beides auch sonst beliebte Destinationen in den Sommerferien.
In welchem Land wird der Tourismus am meisten leiden?
Ich denke, das werden Thailand und die Vereinigten Staaten sein. Seit mehr als einem Jahr konnten wir keine Reisen dorthin buchen und beide Länder sind stark vom Tourismus abhängig. Für Geimpfte werden Fernreisen sicher bald wieder möglich sein.
Wenn jemand jetzt noch in die Ferien fliegen möchte, worauf muss er oder sie achten?
Die Massnahmen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), aber auch die der anderen Länder ändern sich laufend. Also muss der Urlauber sich im Vorfeld gut über aktuelle Regelungen informieren. Zudem haben sich die Flugverbindungen verändert. Es gibt viel weniger Flüge und gewisse Destinationen werden noch gar nicht angeflogen.
Welche Länder schlagen Sie für einen bequemen Sommerurlaub 2021 vor?
Da wären Spanien, die Türkei, Griechenland, Italien und alle angrenzenden Länder. Die Bestimmungen des BAG werden laufend aktualisiert und von uns beobachtet.
Wie sehen Sie unter diesen Umständen die Zukunft Ihres Betriebs?
Ich blicke mit Zuversicht auf die nächsten Monate und Jahre. Natürlich unter der Bedingung, dass uns Corona nicht für alle Ewigkeit belasten wird. Mit der Impfung wird uns vieles einfacher gemacht und ich sehe gute Chancen, dass dann auch das Reisen wieder aufblühen wird. Ich zähle auf unsere Stammkunden und würde mich auch über Neukunden freuen, um unser Geschäft wieder in Schwung zu bringen.
Wohin in Europa? Reisebestimmungen im Überblick
sda. Die meisten Länder in Europa wenden ab dem 1. Juli den digitalen Gesundheitspass der EU an. Da das Schweizer Covid-19-Zertifikat noch nicht von der EU anerkannt ist, gelten für Touristen aus der Schweiz an den meisten Orten spezielle Bestimmungen.
Frankreich: Wer geimpft ist, muss den Impfnachweis vorzeigen und Ungeimpfte einen negativen PCR- oder Antigentest, der nicht älter ist als 72 Stunden. Zudem verlangt Frankreich eine eidesstaatliche Erklärung von allen Einreisenden, in der sie bestätigen, keine Covid-19-Symptome und in den letzten 14 Tagen nicht mit einer infizierten Person Kontakt gehabt zu haben.
Italien: Reisende müssen ein digitales Passagier-Lokalisierungsformular ausfüllen. Manche Regionen verlangen ein weiteres Formular. Dazu braucht man für die Einreise einen negativen Antigen-Coronatest (maximal 48 Stunden alt), ein Impf- oder ein Genesungszertifikat, auf Italienisch, Französisch, Englisch oder Spanisch.
Deutschland: Auf dem Landweg gibt es aktuell keine Einreisebeschränkungen. Für die Einreise mit dem Flugzeug verlangt die Regierung jedoch weiterhin einen negativen Test, einen Genesungs- oder Impfnachweis.
Österreich: Auch bei der Einreise nach Österreich muss ein negatives Testergebnis, ein Impf- oder Genesungszertifikat vorgewiesen werden. Wer weder geimpft, genesen noch getestet ist, muss den Test nach der Einreise innerhalb von 24 Stunden nachholen und sich bereits vor der Einreise registrieren.
Spanien: Wer mit dem Flugzeug oder dem Schiff einreist, muss ein Formular ausfüllen. Danach erhält man einen QR-Code, den man bei der Ankunft vorweisen muss. Bei der Einreise auf dem Landweg ist das Vorzeigen gemäss Website der Regierung aktuell nicht nötig.
Griechenland: Um reisen zu können, ist das Ausfüllen eines Formulars mindestens einen Tag vor der Abreise Pflicht. Weiter verlangt die Regierung den Nachweis eines negativen PCR-Testes (maximal 72 Stunden alt), einen Genesungs- oder Impfnachweis, wobei die zweite Impfung mindestens 14 Tage zurückliegen sollte. Dafür genügt eine von den kantonalen Behörden oder von Ärzten ausgestellte Bescheinigung oder beispielsweise der gelbe WHO-Impfausweis.
Kroatien: Reisende müssen einen negativen PCR-Test, eine Impf- oder Genesungsbestätigung vorlegen. Zudem müssen sie sich vor der Reise anmelden.
Niederlande: Wer mit dem Flugzeug einreist, muss eine Gesundheitserklärung ausfüllen und mitführen. Auf dem Landweg gibt es keinerlei Einschränkungen, noch nicht einmal ein negativer Test wird verlangt.
Grossbritannien: Als einziger Staat in Europa ist Grossbritannien noch auf der Quarantäneliste des Bundes. Wer hier seine Ferien verbringen möchte, braucht für die Rückreise eine Genesungs- oder Impfbescheinigung. Andernfalls gilt eine zehntägige Quarantänepflicht, unabhängig eines allfälligen negativen Testresultats. Doch auch die Einreise ist kompliziert: Grossbritannien lässt Touristen aus der Schweiz zwar einreisen, diese müssen sich allerdings nach der Ankunft in Quarantäne begeben. Das gilt selbst für geimpfte Personen. Zudem braucht es vor der Einreise einen negativen Test und eine Registrierung. Zudem müssen die Touristen am zweiten und achten Tag nach der Ankunft einen Selbsttest durchführen.
Übersicht über die Einreisebestimmungen: Tool der EU zu den Reiserestriktionen: reopen.europa.eu/de.
Für Flugreisende: «Covid-19 Travel Regulations Map» der internationalen Zivilluftfahrtgesellschaft IATA: www.iatatravelcentre.com/world.php.
Bestimmungen für die Rückreise in die Schweiz: Travelcheck des BAG: travelcheck.admin.ch/home.
Zur Person
as. Alexandra Gnos hat am 1. November 2019 nach 10 Jahren Mitarbeiterschaft das Reisebüro in der Sissacher Begegnungszone übernommen. Zusammen mit einer Mitarbeiterin schaut sie mit Zuversicht auf die Zukunft des Geschäfts nach der Pandemie.