«Ohne Ankündigung und Alternative»
05.02.2021 Finanzen, Gelterkinden, Wirtschaft, GesellschaftNeue Debitkarten sorgen für Kontroverse
Gegenüber der Maestro-Karte bieten die neuen Debitkarten den Konsumentinnen und Konsumenten viele Vorteile. Das sieht das Gewerbe jedoch diametral anders.
Ueli Frei
Die meisten haben eine. Sie dient als Bankomatkarte, ...
Neue Debitkarten sorgen für Kontroverse
Gegenüber der Maestro-Karte bieten die neuen Debitkarten den Konsumentinnen und Konsumenten viele Vorteile. Das sieht das Gewerbe jedoch diametral anders.
Ueli Frei
Die meisten haben eine. Sie dient als Bankomatkarte, Einkäufe und Dienstleistungen lassen sich bargeldlos bezahlen. Unmittelbar nach dem Bezahlen wird der Betrag vom Konto abgebucht und dem Verkäufer gutgeschrieben. Die Gebühren sind moderat, pro Transaktion bezahlt der Händler weniger als 30 Rappen. Sehr beliebt ist die Maestro-Karte daher auch bei den KMU. Das Ende dieses beliebten Zahlungsmittels ist zwar nicht beschlossen, aber dennoch absehbar.
Denn seit Dezember ersetzen die Banken ablaufende Maestro-Karten mit neuen Debitkarten von Mastercard und Visa. Konsumentinnen und Konsumenten kommen dadurch in den Genuss von Vorteilen, die den Zeitgeist widerspiegeln. So ersetzt die neue Debitkarte beim Online-Einkauf die Kreditkarte und dient als Zahlungsmittel beim Mobile Payment wie zum Beispiel Apple Pay, Samsung Pay oder Google Pay.
Auslandeinkäufe sind neu kostenlos, bisher wurden dafür zwischen 1 Franken und 1.50 Franken berechnet. «Aus der Sicht der Konsumenten ist das ein überzeugendes Produkt», sagt Nadja Schwarz von der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Diametral anders sehen das die Geschäftsinhaber. Beim Gewerbe stösst das Vorgehen der Banken auf Widerstand. Ohne die KMU zu informieren, stelle die Finanzwirtschaft das System um. «Das geht gar nicht», findet Christine Tschan, Präsidentin des Gewerbevereins Sissach.
Von Willkür ist die Rede. «Wir hatten keine Ahnung», sagt Tschan. Plötzlich tauche eine neue Karte auf. «Ohne Ankündigung und ohne Alternative», doppelt Martin Zimmermann nach. Das sei eine Frechheit, so der Metzgermeister aus Gelterkinden. Stein des Anstossens ist jedoch nicht die Karte, sondern die damit verbundenen, gegenüber der Maestro-Karte deutlich höheren Gebühren. Anstatt wie bisher knapp 30 Rappen pro Transaktion werde seit Dezember den KMU eine fixe Gebühr von 2,58 Prozent des Umsatzes berechnet.
«Die Gebühren machen nicht wir»
Bei einem Einkauf von 100 Franken belaufen sich die Gebühren somit auf 2.58 Franken – fast neunmal so viel wie bisher. «Die Postfinance kanns für knapp 30 Rappen pro Transaktion», nennt Martin Zimmermann als Vergleich. Mit einem Brief informiert die Firma Worldline/Six-Payment-Services ihre Kunden, dass die Gebühr «ab Mitte Februar» auf 10 Rappen plus 0,95 Prozent pro Transaktion sinken werde. Doch auch das ist immer noch deutlich mehr als vorher, wie Christine Tschan vorrechnet. «Schon ab 20 Franken bezahle ich höhere Gebühren», hält sie fest.
Teurer stimme nicht in jedem Fall, widerspricht Nadja Schwarz von der BLKB. «Das stimmt nur bedingt.» Die Höhe der Gebühren sei Verhandlungssache zwischen den KMU und dem Anbieter des Lesegeräts. «Die Gebühren machen nicht wir», erklärt Schwarz. Beim Online-Einkauf und beim Mobile Payment fahren die KMU zudem deutlich günstiger.
«Ein schwacher Trost», findet Salome Mumenthaler, Präsidentin des Gewerbevereins Gelterkinden und Umgebung. Am meisten verbreitet sei nach wie vor die Maestro-Karte, Google Pay und Konsorten würden noch kaum angewandt. Vor allem bei höheren Beträgen schlagen die prozentualen Gebühren zu Buche. Zwar sei jedes Geschäft frei, welche Karten es akzeptiere. Doch die Karten der BLKB und der Raiffeisenbank seien am weitesten verbreitet. «Wir haben gar keine Wahl», hält Mumenthaler fest.
«Früher hat der Kunde manches bezahlt, er hat es schlicht nicht bemerkt», gibt Beat Zimmermann von der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet zu bedenken. «Heute wird vieles hinterfragt.» Dank Internet und Social Media werde die Welt immer transparenter. Die Platzbankenkonvention ist schon längst Geschichte. Noch in den 1980er-Jahren galten in einer Region bei allen Banken die gleichen Konditionen. «Damals gab es kein Feilschen um Gebühren und Hypozinsen», weiss Zimmermann.
Rabatt für Barzahlende?
Im Gegenzug boten die Banken dank kalkulierbarer und grosszügiger Margen viele Dienstleistungen gratis an. Aufgrund der rasanten technischen Entwicklung seien die Banken gezwungen, diese Zahlungsmöglichkeiten einzuführen, sagt Nadja Schwarz von der BLKB. Die Einführung einer neuen Debitkarte benötige eine lange Vorlaufzeit. «Das Einführungsdatum stand fest», gibt sie zu verstehen. Dass die Einführung mit der Coronakrise zusammenfiel, sei ein unglücklicher Zufall. «Das hat uns auch überrascht», gesteht sie.
An Beat Gisin geht die ganze Aufregung vorbei. «Die Höhe der Gebühren ist vom Umsatz abhängig», sagt der Geschäftsführer der Landi Reba AG. Als Tochter der Fenaco Genossenschaft müssen sich die Geschäftsbereiche an der Kundenfront nicht um solche Details kümmern. «Das ist Sache des Konzerns.» Anders rechnen müssen die KMU. Sie sind gezwungen, die höheren Gebühren an die Kundschaft weiterzugeben.
Aus Sicht von Metzgermeister Zimmermann kostet jede Transaktion gleich viel. «Unabhängig von der Höhe des Betrags.» Gerade während der Pandemie, wo sich die Kartenzahlungen nahezu verdoppelt haben, müssten die Kosten pro Transaktion eigentlich sinken, findet er. «Ich werde im Februar meine Preise neu kalkulieren», sagt Martin Zimmermann. Er überlegt sich, ob er bar zahlenden Kundinnen und Kunden einen Rabatt gewähren will.