Lecks orten, Schnee räumen und Einsargen
31.12.2020 Bezirk Sissach, WenslingenPeter Buess: Ein Urgestein tritt nach 33 Jahren im Dienst der Gemeinde kürzer
Mit dem Jahr 2020 endet heute auch das Berufsleben des Gemeindearbeiters Peter Buess, ausgenommen dessen Funktion als Brunnmeister. Als Andenken schenkte ihm die Gemeinde ein spezielles ...
Peter Buess: Ein Urgestein tritt nach 33 Jahren im Dienst der Gemeinde kürzer
Mit dem Jahr 2020 endet heute auch das Berufsleben des Gemeindearbeiters Peter Buess, ausgenommen dessen Funktion als Brunnmeister. Als Andenken schenkte ihm die Gemeinde ein spezielles Feierabendbänkli.
Otto Graf
Heute hat er offiziell seinen «Letzten». Nach 33 Jahren geht der Wenslinger Gemeindearbeiter Peter Buess in Pension; mit 65 Jahren und folglich altershalber, wie er bemerkt. Ausserdem sei der Zeitpunkt günstig, weil sich Wenslingen auf den 1. Januar kommenden Jahres dem Werkhofverbund der Gemeinden Rünenberg-Kilchberg-Zeglingen anschliesst. Ganz arbeitslos wird das Wenslinger Urgestein jedoch nicht. Seiner Berufung als Brunnmeister, der er mittlerweile auch schon seit 25 Jahren folgt, will er noch zwei weitere Jahre nachkommen.
Überhaupt liegt ihm das Wasser am Herzen, obwohl die Rohrbrüche oft zu Unzeiten auftreten. Dann muss es rasch gehen: Leck orten, Wasser abstellen, Leitung flicken und den Schieber wieder öffnen. So habe er einst jemandem erklärt, es könne schon Abend werden, bis das Wasser wieder fliesse. Seine Aussage sei dieser Person in den falschen Hals geraten. Auch die Schneeräumung im Siedlungsgebiet, berichtet Buess, gebe immer wieder zu reden, weil der Schnee am falschen Ort liegt oder weil zu spät geräumt wird.
Das Abgeben von Pachtland hatte zur Folge, dass es auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb weniger zu tun gab. Deshalb bewarb sich Bauer Peter Buess um die ausgeschriebene Stelle des Gemeindearbeiters im Nebenamt. Am 1. Januar 1988 traten er und Hans Erny ihr Amt an. Seit 2003 ist Buess allein zuständig. «Eigentlich habe ich alles gern gemacht, vor allem Arbeiten, bei denen man sieht, was man tagsüber geleistet hat», sagt er. Dazu gehöre etwa das Abranden von Flurwegen. Weniger gern, aus naheliegenden Gründen, habe er die Funktion des Totengräbers ausgeübt, die früher auch das Einsargen umfasste. «Doch es gehörte zum Job. Also habe ich es gemacht», erinnert sich Buess.
Buess braucht keinen Chef
Sämtliche Maschinen und Geräte, die für die kommunale Tätigkeit erforderlich sind, gehören dem Gemeindearbeiter, der sie stundenweise an die Gemeinde vermietet. So kann die Gemeinde auf kostspielige Investitionen verzichten. «Ich denke», meint Buess, «dass die Bevölkerung zufrieden war mit meiner Arbeit.» Diese Äusserung bestätigt Gemeindepräsident Andreas Gass voller Lob: «Peter braucht im Grunde genommen keinen Chef. Er sieht einfach, was zu machen ist, und ist die Ansprechperson im Dorf.» Gass bezeichnet seinen Untergebenen, der alles wisse, als wandelndes Lexikon.
Bis Ende 1999 sammelte der Landwirt mit Traktor und Ladewagen den Hauskehricht in Wenslingen ein und führte das Material nach Liestal in die Deponie Elbisgraben. Zudem hielt er unter anderem die sechs Dorfbrunnen und die zahlreichen Feldbrünnlein sauber, mähte die Rasenflächen der Gemeinde und schnitt die Hecken zurück. Darüber hinaus sass er 20 Jahre lang im Wahlbüro, leistete Feuerwehrdienst und amtete anfänglich im Auftrag des Kantons als Ortsexperte, der gehalten war, in den Läden und Beizen das Ablaufdatum von Waren zu kontrollieren. Das sei jedoch eher eine Alibiübung gewesen, sagt der nun Pensionierte.
Der Gemeinderat überraschte seinen scheidenden Wegmacher mit einer prächtigen Eichenskulptur in Form einer Ruhebank, geschaffen vom Thürner Holzschnitzer Norman Altermatt. Die vor dem Dorfbrunnen angeordnete Sitzprobe mit einem Cüpli ergab: Das Geschenk passt in jeder Hinsicht und trägt den Verdiensten von Peter Buess zugunsten der Öffentlichkeit voll Rechnung.