AUSGEFRAGT | PATRICK BÄRENFALLER, LEITER KREIS 2, TIEFBAUAMT BASELLAND
02.10.2020 Gesellschaft, Verkehr«Billiger ist nicht immer günstiger»
Patrick Bärenfaller hat am 1. Juli beim Tiefbauamt die Leitung des Kreises 2 übernommen, der für den Erhalt sowie den baulichen und betrieblichen Unterhalt von rund 140 Kilometern Kantonsstrassen verantwortlich ist. Unter anderem ...
«Billiger ist nicht immer günstiger»
Patrick Bärenfaller hat am 1. Juli beim Tiefbauamt die Leitung des Kreises 2 übernommen, der für den Erhalt sowie den baulichen und betrieblichen Unterhalt von rund 140 Kilometern Kantonsstrassen verantwortlich ist. Unter anderem in den beiden Frenkentälern.
Elmar Gächter
Herr Bärenfaller, wie beurteilen Sie den Zustand Ihrer Kantonsstrassen?
Patrick Bärenfaller: Erfassung und Auswertung aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass wir baulich zwar nur wenig sehr gute Strecken haben, aber keine schlechten. Die meisten können zustandsmässig als gut oder mindestens als ausreichend bezeichnet werden. Dies kann sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, wenn wir als Beispiel das Waldenburgertal nehmen.
In welcher Hinsicht?
Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Waldenburgerbahn wird die Kantonsstrasse von Liestal bis Waldenburg in verschiedenen Abschnitten ebenfalls erneuert, vor allem dort, wo die Strasse dem Bahntrassee entlangführt. Wir werden in den kommenden Jahren etwa 10 bis 14 Millionen Franken in die Kantonsstrasse entlang der neuen Bahn investieren.
Wie steht es generell mit den nötigen finanziellen Mitteln?
Wir verfügen jährlich über 8 bis 12 Millionen Franken im Rahmen eines auf vier Jahre festgesetzten Globalkredits. Dieser ermöglicht uns die notwendige Flexibilität, wenn einzelne Projekte einen längeren Anlauf brauchen als andere. Tatsache ist, dass die Ansprüche an die Projekte immer grösser und komplexer werden und damit auch der personelle Aufwand.
An welche Ansprüche denken Sie?
Auch bei vermeintlich einfachen Instandsetzungen genügt es nicht mehr, den alten Belag herauszufräsen und einen neuen einzubauen. Alle Verkehrsteilnehmenden, vom Fussgänger, dem Velofahrer, dem öffentlichen Busverkehr bis zum Automobilisten haben ihre Ansprüche. Hinzu kommen die Anforderungen seitens Gemeinden, des Umweltschutzes oder die Vorgaben des Denkmalschutzes und der Ortsbildpflege. Selbst wenn wir die Strasse nicht verbreitern, gilt es verschiedene Varianten zu prüfen, und dies erfordert Zeit.
Sparen, nicht nur beim Personalbestand, war beim Kanton in den vergangenen Jahren praktisch ein Dauerauftrag. Wo ist dies bei Strasseninstandsetzungen möglich?
Sicher ist, dass billiger nicht immer günstiger ist. Die Instandsetzung einer Strasse muss nachhaltig sein, und dies kostet auch etwas. Was bringt es, wenn wir – um beim angesprochenen Beispiel zu bleiben – nur den bestehenden Belag ersetzen und nicht auch den darunterliegenden, ungenügenden Strassenkoffer, die Fundation der Strasse? Dann haben wir in wenigen Jahren wieder jene Risse, die wir eliminieren wollten.
Kommen wir zur Baustellenorganisation. Die noch laufende Strassenerneuerung durch führte zeitweise zu langen Staus durch das Dorf.
Wir bauen unter Betrieb, dies macht es grundsätzlich schwierig, vor allem bei einem grossen Verkehrsaufkommen wie in Bubendorf. Wir als Bauherrschaft, aber auch das Bauunternehmen würden die Baustelle am liebsten ganz absperren, um problemlos durchzuarbeiten. Dies wäre qualitativ besser und auch kostengünstiger. Das wollen wir ja im Grundsatz auch. Aber dies ist in Siedlungsgebieten wie aktuell in Bubendorf kaum möglich. In Bubendorf bot sich keine zumutbare Umfahrung über die umliegenden Gemeindestrassen an. Zu Beginn der Baustelle hatten wir allerdings eindeutig zu lange Abschnitte, was zu langen Rotlichtphasen führte. Diesen Umstand haben wir rasch optimiert. Bei solchen Baustellen zeigt sich auch, dass sich die Automobilisten relativ schnell an die neue Situation gewöhnen, oder besser gesagt, sich damit abfinden und ihre Fahrten zeitlich in weniger belastete Stunden verschieben.
Als Leiter des Strassenverwaltungskreises 2 sind Sie auch für den baulichen und betrieblichen Unterhalt wie Grünpflege, Reinigung oder Winterdienst Ihres Strassennetzes zuständig. Wo liegen hier die besonderen Herausforderungen?
In den vergangenen Jahren wurde unser Personalbestand massiv reduziert. Diesen Abbau konnten wir trotz gleichbleibender Aufgaben mit besseren maschinellen Mitteln teilweise auffangen. Für die Strassenreinigung jedoch haben wir heute nicht mehr drei, sondern zwei Wischmaschinen zur Verfügung. Man spart damit zwar eine Maschine, die beiden andern werden aber stärker beansprucht und müssen früher ersetzt werden. Dazu kommt, dass beispielsweise die Schächte der Strassenentwässerung schneller verschmutzt sind und öfter entsorgt werden müssen. Auch fehlt uns vermehrt Personal im Winterdienst und zum Auffangen von Krankheits- oder Unfallabsenzen.
Stichwort Winterdienst. Am 1. November ist Ihre Organisation wieder im Pikettdienst. Braucht es diesen angesichts der laufend milderen Winter überhaupt noch?
Den Winterdienst stellen wir mit etwas über 30 Personen sicher, neben den eigenen Leuten rund ein Drittel von privaten Unternehmen. Ja, es braucht sie weiterhin. Weniger Schnee heisst nicht zwingend weniger Winterdienst, denn die Eisglätte haben wir, wie die letzten Winter zeigen, weiterhin. Und auch im Winter sind die Ansprüche der Verkehrsteilnehmer gestiegen. Wir stellen fest, dass der Verkehr selbst in der Zeit von 23 Uhr abends bis 3 Uhr morgens, wenn wir nicht unterwegs sind, gegenüber früher stark zugenommen hat.
Noch ein Wort zu Ihrer Stellvertretung. Sie suchen ihn oder sie beinahe vergebens. Ist es so schwierig, Fachleute zu finden?
Der Markt an Fachpersonal ist weitgehend ausgetrocknet. An den Aufgaben dieser Stelle kann es nicht liegen, sie sind sehr spannend und vielfältig. Für mich jedenfalls ist es ein intensiver, aber wunderbarer Job, und ich kann mir aktuell keinen besseren wünschen. Es ist sehr befriedigend, tagtäglich für die Bevölkerung im Baselbiet tätig sein zu können.
Zur Person
emg. Der 42-jährige Patrick Bärenfaller ist Tiefbauzeichner, Bauingenieur FH und hat das Nachdiplom als Projektmanager Bau absolviert. Er arbeitet seit 2006 beim Tiefbauamt und war bis Ende Juni während fünf Jahren stellvertretender Leiter des Kreises 2. Er wohnt mit seiner Frau und zwei schulpflichtigen Kindern in Thürnen.

