Jungunterneh mer gründen Modelabel
29.05.2020 Bezirk Sissach, Ormalingen, WirtschaftG-point-Clothes vereint Mode mit Nachhaltigkeit und fairen Arbeitsbedingungen
Steve Häfelfinger (19) und Lars Lutz (18) haben mit G-point ihr eigenes Unternehmen gegründet. Die Baselbieter Jungunternehmer haben es sich zum Ziel gesetzt, faire Streetwear zu verkaufen. Die Kleider bedrucken ...
G-point-Clothes vereint Mode mit Nachhaltigkeit und fairen Arbeitsbedingungen
Steve Häfelfinger (19) und Lars Lutz (18) haben mit G-point ihr eigenes Unternehmen gegründet. Die Baselbieter Jungunternehmer haben es sich zum Ziel gesetzt, faire Streetwear zu verkaufen. Die Kleider bedrucken sie im familieneigenen Unternehmen in Ormalingen selbst.
Anna Uebelhart
Mit G-point-Clothes haben Steve Häfelfinger und Lars Lutz eine Marke gegründet, die angesagte Kleidung mit Fairness und Nachhaltigkeit verbindet. Das Unternehmen der beiden Oberbaselbieter steht noch ganz am Anfang. In den kommenden zwei Wochen sollen die ersten Bestellungen im Onlineshop bearbeitet und verschickt werden.
Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, begleitete das zweiköpfige Team schon lange. Sie sind seit vielen Jahren befreundet und haben die gleiche Leidenschaft: den Teamsport. Beide spielen in der 1. Liga, Häfelfinger Volleyball und Lutz Fussball. Der Sport nimmt viel Zeit in ihrem Alltag ein. Da aufgrund der Corona-Pandemie aktuell keine Trainings stattfinden, haben Häfelfinger und Lutz mehr Zeit im Alltag. Diese haben sie genutzt, um die Idee des eigenen Unternehmens in Angriff zu nehmen und diese in die Tat umzusetzen. So ist Gpoint entstanden.
Bedruckt wird vor Ort
Zwischen ihrem eigenen Unternehmen und dem Sport sehen die beiden Gründer auch Parallelen: «Als Teamsportler hat man immer einen Fokus und will etwas erreichen. Das ist auch als Unternehmer eine gute Eigenschaft», sagt Häfelfinger.
Lars Lutz ist im zweiten KV-Lehrjahr. Der 18-Jährige aus Anwil hat aber schnell gemerkt, dass er zukünftig nicht bei einer Firma angestellt sein, sondern selbst etwas anpacken und managen will. Ähnlich sieht es auch Steve Häfelfinger. Er wohnt in Ormalingen und hat kürzlich seine Lehre als Automatiker beendet. Er plant, in den nächsten zwei Jahren Robotik zu studieren. Mit G-point hätte er dann sein eigenes Unternehmen neben dem Studium.
Zwar hat sein Beruf nichts mit Textilien zu tun. Diese Affinität liegt aber in der Familie des 19-Jährigen. Seine Mutter Andrea ist nämlich Inhaberin des Modegeschäfts Shirteria in Gelterkinden. Sie hat die zwei Jungunternehmer bei der Auswahl der Textilien für ihre Produkte beraten. Auch Häfelfingers Vater Marc ist als Unternehmer tätig. Ihm gehört die Häfelfinger Werbetechnik AG in Ormalingen und Basel, die bis vor Kurzem noch Atelier Häfelfinger hiess. Obwohl Unabhängigkeit für Lars Lutz und Steve Häfelfinger wichtig ist, bietet das Familienunternehmen in Werbetechnik und Textildruck einen grossen Vorteil. So können alle Produkte von G-point-Clothes nämlich vor Ort in Ormalingen bedruckt und verpackt werden.
G-point und Nachhaltigkeit
Viele Menschen haben den Traum, sich selbstständig zu machen. Streetwear-Marken sind deshalb auch keine Seltenheit. Durch diese Tatsache lassen sich die beiden G-point-Gründer aber nicht entmutigen: «Wenn es andere geschafft haben, erfolgreich zu werden, wieso wir nicht auch? Jedes Unternehmen fängt klein an und wir glauben an uns und das, was wir mit G-point repräsentieren», so Lutz. Da es schon viel Ähnliches auf dem Markt gibt, müssen sie sich von der Konkurrenz abheben. Das tun Lutz und Häfelfinger, indem sie Nachhaltigkeit und die faire Herstellung ihrer Produkte in den Vordergrund stellen.
Es gebe immer mehr Menschen, die darauf achten, woher ihre Kleider kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Auch in ihrem Freundeskreis gebe es viele, die vermehrt auf einen fairen Herstellungsprozess und nachhaltige Materialien achten, so die beiden. Häfelfinger und Lutz hoffen, dass dieses Bewusstsein in der Gesellschaft gross genug ist, um ausreichend Nachfrage zu generieren.
Fair gehandelt, vegan zertifiziert
Eine faire Fashion-Marke zu gründen, ist mit viel Aufwand und Recherche verbunden. Die Baselbieter Jungunternehmer wollten sichergehen, dass die Herstellung der Kleider nach den bestmöglichen Standards erfolgt. Ihnen war von Anfang an wichtig, dass sie fairen Handel unterstützen und deshalb nur mit zertifizierten Lieferanten zusammenarbeiten. Die Kleider werden in Asien hergestellt. Die fünf Partnerfabriken der Lieferanten werden regelmässig von der Fair Wear Foundation geprüft, einer unabhängigen Stiftung mit dem Ziel, Arbeitsbedingungen in Textilfabriken zu verbessern.
Die Produkte bestehen allesamt aus Biobaumwolle und recyceltem Polyester. Sie sind mit dem Gütesiegel Global Organic Textile Standard (Gots) versehen, einer weltweiten Zertifizierung für Textilien aus ökologischen Fasern. Bei dieser wird die gesamte Produktionskette berücksichtigt, von den Baumwollfeldern bis zum Zusammennähen der Kleider und dem Export des Endprodukts.
Weiter ist der Produktehersteller Peta-zertifiziert. Das heisst, es werden nur vegane Materialien verwendet und keine Tierversuche im Herstellungsprozess durchgeführt. Alle Zertifizierungen ihrer Produkte haben Häfelfinger und Lutz auf ihrer Website aufgeschaltet.
Die faire Streetwear verkaufen der Anwiler und der Ormalinger über ihren eigenen Onlineshop. Im Sortiment haben sie in einem ersten Schritt T-Shirts und Hoodies – also Kapuzenjacken – in jeweils vier unterschiedlichen Farben sowie eine Stofftasche und einen Stoffrucksack. Auf allen Produkten ist das G-point-Logo, eine Baumwolle, abgebildet. Da die faire Herstellung und die Qualität der Materialien ihren Preis haben, ist Fairfashion häufig teurer als die Ware, die in herkömmlichen Modegeschäften verkauft wird. Die T-Shirts verkauft das Unternehmen für 39.90 und die Hoodies für 79.90 Franken.
Die Gründer haben bereits Ideen, wie sie in einem zweiten Schritt ihr Sortiment weiter ausbauen könnten. Beispielsweise mit Socken, Mützen oder Flaschen. Der Nachhaltigkeitsgedanke soll dabei aber immer im Zentrum stehen.