Ein idealer Job seit 30 Jahren
29.05.2020 Bezirk Sissach, Känerkinden, GemeindenDienstjubiläum von Gemeindeschreiberin Susanna Oswald
Susanna Oswald hat vor wenigen Tagen ihr 30-Jahre-Dienstjubiläum als Gemeindeschreiberin gefeiert. Das ist eine sehr lange Zeit. Damit hat sie auch die abwechslungsreiche Geschichte der Gemeinde Känerkinden mit all ihren Höhen und ...
Dienstjubiläum von Gemeindeschreiberin Susanna Oswald
Susanna Oswald hat vor wenigen Tagen ihr 30-Jahre-Dienstjubiläum als Gemeindeschreiberin gefeiert. Das ist eine sehr lange Zeit. Damit hat sie auch die abwechslungsreiche Geschichte der Gemeinde Känerkinden mit all ihren Höhen und Tiefen miterlebt. Bald geht Oswald nun in Pension.
Beat Ermel
Mit drei Gemeindepräsidenten, einer Gemeindepräsidentin und 11 Gemeinderäten hat Susanna Oswald während 30 Jahren als Gemeindeschreiberin von Känerkinden zusammengearbeitet. «Jetzt habe ich mit Gemeindepräsident Adrian Ammann einen jungen, kompetenten und liebenswerten Vorgesetzten. An einem Anlass wurde er gar für meinen Sohn gehalten …», sagt Oswald. Dies war zwar als Spass gemeint, aber vielleicht war es auch ein Zeichen für den Generationenwechsel in der Gemeinde.
Susanna Oswald ist im Aargau aufgewachsen und hat in den Jahren 1971 bis 1974 auf der Gemeindeverwaltung Sisseln eine Verwaltungslehre absolviert. Anschliessend hat sie noch sechs Jahre dort weitergearbeitet. Die nächsten zehn Jahre widmete sie ihren beiden – inzwischen erwachsenen – Kindern. Als die Familie 1990 nach Känerkinden kam, um hier ein Haus zu bauen, ergab sich die Gelegenheit, als Gemeindeschreiberin einzusteigen. Die Gemeinde hatte damals 390 Einwohnerinnen und Einwohner und der Gemeindebehörde gehörten drei Ratsmitglieder an.
Beim Stellenantritt arbeitete die frisch gewählte Gemeindeschreiberin noch im 1. Stock des «Alten Schulhauses». «Unten lief der Schulbetrieb. Das war keine einfache Sache. Als die Verwaltung 1993 in das fertiggestellte Gemeindezentrum mit moderner Infrastruktur einziehen konnte, war das schon ein grosser Moment», sagt sie.
Die Gemeindeschreiberin hat in 30 Berufsjahren hat so einiges miterlebt. Mit der Planung eines Gemeindezentrums an der Hauptstrasse begann für sie eine turbulente Zeit. Ein Investitionsvolumen von 6 Millionen Franken war für eine so kleine Gemeinde ein riesiges und umstrittenes Projekt – mit vielen Debatten, Sitzungen und Einsprachen, bis es schliesslich zur Urnenabstimmung kam. Ebenfalls eine harte Nuss war die Realisierung der Mehrzweckhalle und die Aufhebung der Dorfschule mit dem Wechsel zu einer Kreisschule. Da sei es an der Gemeindeversammlung schon hart zugegangen.
Start an der Schreibmaschine
Die Verwaltung von Känerkinden funktioniert im Zweierteam. Zusammen mit der Gemeindeschreiberin arbeitet noch eine Kollegin als Finanzverwalterin. «Ich arbeite mit den Buchstaben, die Kollegin mit den Zahlen», sagt Oswald.
Viele Aufgaben seien im Grundsatz zwar gleich geblieben, inzwischen aber mit vielen Anpassungen und Modernisierungen. Dazu gehören Aufgaben wie der Einwohner- und Schalterdienst, die Protokollführung, die Korrespondenz, die Vorbereitung der Gemeinderatsgeschäfte, die Herstellung des Infoblatts, das Stimmregister, das Katasterwesen, die AHV-Zweigstelle und vieles mehr. Arbeitete sie anfangs noch mit einer Schreibmaschine, folgte schon bald die Ausstattung mit Computer, Internet und E-Mail.
Im Lauf der Zeit sei stets etwas dazugekommen und auch wieder einmal was weggefallen. Sie lacht und bestätigt: «Ja, als Gemeindeschreiberin ist man schon eine Art ‹graue Eminenz›. Die Schreiberin bleibt, während die Gemeinderäte alle paar Jahre wechseln.» In 30 Jahren sammle sich einiges an Erfahrung und Fachkenntnissen an und man habe beratend eine wichtige Funktion. Von grosser Bedeutung sei aber auch die Beratung und Unterstützung, die von aussen kommt, wie zum Beispiel von Ingenieurbüros.
Mit der Zunahme der Wohnbevölkerung auf heute 540 Personen wurde einerseits der Gemeinderat auf fünf Mitglieder aufgestockt und ihre Teilzeitstelle auf 65 Stellenprozente erhöht. Dies sei notwendig gewesen, denn die Aufgaben wurden anspruchsvoller.
Sie mag die abwechslungsreiche Arbeit in der Verwaltung, besonders auch den Kontakt mit der Bevölkerung. «Für mich war es stets ein idealer Job. Ich hatte wirklich das Glück, immer gute Vorgesetzte zu haben», sagt sie. Probleme hätten stets zusammen gelöst werden können. Natürlich habe die Arbeit auch Stress und Engpässe bedeutet, doch da müsse man durch. Es gebe ja auch wieder Freiräume, wo man nacharbeiten könne.
Ab und zu bestanden schon Meinungsverschiedenheiten und es sei etwas lauter geworden. Aber letztlich sei es der Gemeinderat, der bestimme und danach müsse man sich richten. Ihre Devise war immer: «Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.» So sammle sich nie allzu viel an.
In besonders guter Erinnerung ist ihr die 650-Jahr-Feier der Gemeinde Känerkinden im Jahr 2009. Das war ein Highlight für das ganze Dorf. Das ganze Jahr hindurch war etwas los. So in etwa die Enthüllung eines Gedenksteins beim Gemeindezentrum, ein Jubiläumsbanntag und eine spezielle 1.-August-Feier. Nicht ganz unschuldig sei sie, dass beim Turm des heutigen Walter-Eglin-Museums das 11-Uhr-«Glöggli» repariert wurde. Seither läutet es um 11 und um 19 Uhr.
Ende Juni ist Arbeitsschluss
Für die Zukunft der Gemeinde ist Oswald zuversichtlich: «Wir haben eine junge Gemeindebehörde. Diese hat gute Ideen für die Weiterentwicklung des Dorfs.» Aktuelle Neuerungen wie das digitalisierte Archiv könne sie nun ihrem Nachfolger überlassen. Schon bald werde sie auch ihr zweites kleineres Arbeitspensum in der Nachbargemeinde Wittinsburg aufgeben.
Nach der Pensionierung wird sie sich ihren Enkelkindern – das jüngste ist erst rund 2 Wochen alt –, ihrem Haus und dem Garten widmen. Zudem sei sie gerne in der Natur und hoffe, Zeit zum Wandern zu finden.
«Ich habe hier tolle Jahre verbracht, sonst wäre ich nicht 30 Jahre geblieben», betont Susanna Oswald. Ende Juni dieses Jahres wird sie nun den letzten Arbeitstag als Gemeindeschreiberin haben.