Beinahe-Kollision zweier Flugshows
29.05.2020 Baselbiet, Gesellschaft, Bezirk SissachDittingen verschiebt Event wegen Corona – und streift Wittinsburg
Trotz der Verschiebung der Dittinger Flugtage um ein Jahr auf August 2021 hat das OK der Wittinsburger Flugtage entschieden, am Termin festzuhalten – eine Woche vor Dittingen. Ein Jahr später wäre auf Start- und ...
Dittingen verschiebt Event wegen Corona – und streift Wittinsburg
Trotz der Verschiebung der Dittinger Flugtage um ein Jahr auf August 2021 hat das OK der Wittinsburger Flugtage entschieden, am Termin festzuhalten – eine Woche vor Dittingen. Ein Jahr später wäre auf Start- und Landebahn Getreide gewachsen.
Christian Horisberger
Baselbieter Aviatikfans können sich im kommenden Jahr auf eine gut gefüllte Agenda freuen. An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden finden die Flugtage von Dittingen und Wittinsburg statt: Vom 20. bis 22. August starten und landen Motorflugzeuge auf dem Wittinsburger Feld, eine Woche später, am 28. und 29. August, donnern Kampfjets im Formationsflug über Dittingen.
Eigentlich hätten die beiden Veranstaltungen mit einem Jahr Abstand stattfinden sollen: Dittingen heuer, Wittinsburg 2021. Weil aber unsicher ist, ob im August Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen wieder zugelassen sein werden, gehen die Veranstalter der Flugschau im Laufental lieber auf Nummer sicher. Sie haben im April bekannt gegeben, dass sie ihren Event um exakt ein Jahr verschieben.
Die Veranstalter der Wittinsburger Flugtage wurden vom Entscheid Dittingens überrascht. Eine vorgängige Kontaktaufnahme habe es nicht gegeben, sagt Daniel Hutter, OK-Chef in Wittinsburg. Dies bestätigt Regina Weibel, OK-Chefin in Dittingen. Ehe der neue Termin angesetzt worden sei, habe das OK geprüft, ob der Termin bereits von anderen regelmässig stattfindenden Airshows belegt ist, sagt sie. Wittinsburg habe man nicht auf dem Radar gehabt. Und selbst wenn: Eine Verschiebung später in den Herbst hinein wäre mit erhöhtem Nebel-Risiko verbunden gewesen, fährt Weibel fort. Gar nicht infrage gekommen sei für ihr Organisationskomitee die Verschiebung um ein weiteres Jahr: Bereits nach einem tödlichen Absturz im Jahr 2015 habe man zwei Jahre pausiert, wegen Corona wurde der übliche 2-Jahres-Rhythmus Dittingens erneut verlängert. Noch länger pausieren wollte «Dittingen nicht».
Getreidefeld statt Wiese
In einer eigens wegen der Dittinger Terminverschiebung einberufenen OK-Sitzung kamen die Oberbaselbieter zum einstimmigen Entscheid, an ihrem Datum festzuhalten.
Als wichtigsten Grund dafür nennt Hutter die Verfügbarkeit einer Startund Landefläche: Wittinsburg hat, anders als Dittingen, keinen permanenten Flugplatz. Gestartet und gelandet wird auf landwirtschaftlich genutzter Fläche: Mit den Landwirten seien bereits Verträge über die Nutzung ihrer Flächen getroffen worden – auch darüber, dass 2021 auf den Feldern Gras wächst und nicht Getreide. «Bei einer Verschiebung um ein Jahr hätten die Landwirte die Planung der Fruchtfolge auf den Kopf stellen müssen. Das konnten wir nicht von ihnen verlangen», sagt Hutter.
Unter Rücksichtnahme auf die Landwirte wäre eine Durchführung erst im Jahr 2024 wieder möglich gewesen. So lange wollte man nicht warten. Hinzu kommt: Ende August 2022 findet bereits das Eidgenössische Schwingfest in Pratteln statt. Hutter geht davon aus, dass dieser Grossanlass viele potenzielle Helfer absorbieren wird.
Gegen zwei vergleichbare Veranstaltungen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden spricht allenfalls eine Kannibalisierung bei den Zuschauern. Hutter winkt ab: Dittingen sei ein internationaler Anlass mit Showelementen und Vorführungen von Kunstfliegern im Mittelpunkt. Am eigenen, stark aufs Oberbaselbieter Publikum («Liestal aufwärts») ausgerichteten Anlass seien dagegen Rundflüge zentral. Es gebe wohl auch in Wittinsburg Showblöcke, die seien mit jenen in Dittingen aber nicht vergleichbar. Auch in Bezug auf die Besucherzahlen unterscheiden sich die beiden Events. Dittingen lockte zuletzt, das war 2018, an zwei Tagen um 20 000 Personen an, Wittinsburg zählte 2016 rund 3500 Gäste.
OK-Chef Hutter kann nicht abschätzen, ob und wie viele potenzielle Besucher Wittinsburg wegen der zeitlichen Nähe zu Dittingen die kalte Schulter zeigen könnten. Das sei auch gar nicht der entscheidende Faktor. Der Publikumserfolg stehe und falle mit dem Wetter. Bei Sonnenschein strömen die Besucher in Scharen herbei, bei Regen bleiben viele zu Hause.
Wetter ist wichtiger als Konkurrenz
Die Planung für August 2021 geht also weiter. Vom Zeppelin, der das Zugpferd der kommenden Flugtage hätte werden sollen, mussten sich die Oberbaselbieter schweren Herzens verabschieden. Das finanzielle Risiko sei zu hoch gewesen. «Wir mussten uns eingestehen: Das ist eine Schuhnummer zu gross für uns», sagt Hutter. Nun sei die Planung für neue Attraktionen in Gang. Als ein Beispiel nennt der OK-Chef Vorführungen von Flugzeugen, die mit einer extrem kurzen Startbahn auskommen, den sogenannten Short-Take-off-and-Landing-Flugzeugen.
Möglicherweise hat die zeitliche Nähe zu «Dittingen» für den Anlass in Wittinsburg auch einen Vorteil. Regina Weibel könnte sich vorstellen, dass es bei der Akquisition von Acts aus dem Ausland vorteilhaft wäre, wenn die Piloten an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden abheben könnten: «Das Teuerste ist oft die Anreise, diese Kosten könnte man sich teilen.» Sie sei für Gespräche mit Wittinsburg offen.
Der Flugbetrieb in Wittinsburg wird eingerahmt von diversen Festbeizen, die von Vereinen aus der Umgebung betrieben werden. Damit hält das OK am Konzept fest, das es 2016 für die zwölfte Ausgabe der Flugtage entwickelt – oder «neu erfunden» hatte.