Seltenheit und mögliche Plage
30.04.2020 BaselbietDaniel Zwygart
Es ist nichts mehr wie früher. Da gab es bei den Maikäfern das Basler, das Berner und das Urner Flugjahr. Teilt man die Quersumme der Jahreszahl durch 3 und bleibt ein Rest von 0 übrig, dann wäre es das Basler Jahr, bei einem Rest von 1 das ...
Daniel Zwygart
Es ist nichts mehr wie früher. Da gab es bei den Maikäfern das Basler, das Berner und das Urner Flugjahr. Teilt man die Quersumme der Jahreszahl durch 3 und bleibt ein Rest von 0 übrig, dann wäre es das Basler Jahr, bei einem Rest von 1 das Berner und bei einem Rest von 2 das Urner Jahr. Im Jahr 2020 wären also die Berner Maikäfer dran. Aber eben, wären.
Denn erstens wurden die Maikäfer in den 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem in Basel entdeckten DDT empfindlich reduziert und zweitens sind sie überall dort, wo viel Ackerbau betrieben wird oder der Boden grossflächig versiegelt wurde, selten geworden. Deshalb findet das Basler Flugjahr kaum noch in den beiden Basel, sondern eher in Ob- und Nidwalden und im Wallis statt. Im Bündnerland ist vor allem der Berner Flug bedeutsam. Nur das Urner Flugjahr findet auch im Urnerland und teilweise auch im Thurgau statt.
Schon im April
Maikäfer schlüpfen im Herbst ihres dritten Lebensjahres aus ihrer Puppenhülle im Boden und kriechen dann im nächsten Frühjahr ab einer Bodentemperatur von 8 Grad Celsius an die Oberfläche. Als Folge der diesjährigen langen Trockenzeit und Wärme geschieht dies im Baselbiet heuer schon im April. Trägen Fluges werden die Maikäfer erhöhte Baumsilhouetten am Horizont anpeilen. Am besten schmecken ihnen die Blätter von Eichen, Buchen, Ahorn und weiteren Laubbäumen. Nun fressen sie sich voll und beginnen schon bald mit der Paarung.
Die Weibchen fliegen dann zurück zum Boden, graben sich ein und legen dort mehrmals 20 bis 30 Eier ab. Aus diesen schlüpfen die Engerlinge, die nun zwei Jahre im Boden Wurzeln abfressen, sich mehrmals häuten und wachsen. In der Puppenruhe verwandeln sie sich in den Käfer. Womit der Zyklus wieder von vorne beginnt.
Bei uns im Baselbiet werden wir also kaum viele Maikäfer antreffen. Ja, aber was sind denn all diese Engerlinge zum Beispiel im Kompost oder die Käfer, die uns im Juni buchstäblich um die Ohren fliegen? Zum Ersteren: Die Engerlinge im Kompost oder im Blumenkistchen sind in den allermeisten Fällen die Larven des grünen, metallisch schimmernden Rosenkäfers. Seine Larven fressen im Gegensatz zum Maikäfer nur totes organisches Material und helfen mit, gute Komposterde zu machen. Beim Umschaufeln des Kompostes diese also einsammeln und bald wieder in den Boden geben, denn UV-Licht schadet ihnen (sie werden blau …). Nebenbei: In sehr seltenen Fällen können sie – wenn ihnen das tote Material im Blumenkistchen ausgeht – auch einmal die Wurzeln der Pflanzen anknabbern.
Der kleine Unterschied
Die Käfer, die uns in der Dämmerung auf dem Sitzplatz anfliegen, sind die Junikäfer. Sowohl der Käfer als auch der Engerling ähneln etwas dem Maikäfer. Wie weiss man nun, ob ein gefundener Engerling ein «lästiger» ist?
Alle Engerlinge haben drei Beinpaare im vorderen Körperdrittel, sind U-förmig, weisslich und etwa 2 Zentimeter lang. Der Rosenkäfer hat eher kleine Mundwerkzeuge und Beine, die Wurzeln fressenden Mai- und Junikäfer hingegen sichtlich kräftigere. Am deutlichsten werden die Unterschiede beim «Laufversuch» sichtbar: Lässt man sie auf einer festen Unterlage ein paar Minuten ungestört, dann dreht sich der Rosenkäferengerling auf den Rücken und robbt so vorwärts (merke: Rosenkäfer = robbt auf dem Rücken). Der Maikäferengerling bleibt seitlich liegen und versucht, sich mit seinen längeren Beinen wegzubewegen. Der Junikäfer kann sich aus der Seitenlage auch in die Bauchlage begeben und seine mittellangen Beine zum Kriechen einsetzen.
Frassfeinde fördern
zwy. Was tun, wenn sich wurzelfressende Engerlinge im Garten einnisten? Ihre Frassfeinde wie Igel oder Spitzmaus können mittels eines Naturgartens mit vielen Nischen gefördert werden. Ebenfalls hilft es, Knoblauch zu pflanzen und wo möglich den Boden regelmässig zu hacken. Wenn Krähen, Dachse oder Wildschweine die eiweisshaltigen Engerlinge im Rasen ausgraben, ist dies für sie ein schmackhaftes Nachtessen, der Rasenbenutzer hingegen hat weniger grosse Freude … Immerhin ist der Boden dann schon halbwegs umgegraben und es bietet sich die Chance, eine artenreiche Wiese anzusäen, die weniger anfällig auf Engerlinge ist.
Es gibt auch biologische Hilfsmittel wie Fadenwürmer oder Pilze, mit denen die Engerlinge reguliert werden könnten. Diese Methoden sind aber vor allem in landwirtschaftlichen Kulturen, wo grössere finanzielle Schäden durch Engerlinge möglich sind, angebracht. So oder so: In Anbetracht des starken Rückgangs der Insekten darf uns das Auftauchen eines brummenden Blatthornkäfers einfach Freude bereiten.