«In der Krise ist Hefe Gold»
30.04.2020 Baselbiet, RegionValentin Zumsteg
So etwas hat Daniel Daepp, Geschäftsführer der Klipfel Hefe AG, noch nie erlebt: Kaum brach die Coronakrise in der Schweiz so richtig los, stieg die Nachfrage nach den Hefewürfeln seiner Firma massiv an. «Teilweise hatten wir zehn Mal so viele ...
Valentin Zumsteg
So etwas hat Daniel Daepp, Geschäftsführer der Klipfel Hefe AG, noch nie erlebt: Kaum brach die Coronakrise in der Schweiz so richtig los, stieg die Nachfrage nach den Hefewürfeln seiner Firma massiv an. «Teilweise hatten wir zehn Mal so viele Bestellungen wie in normalen Zeiten», erklärt Daepp. Das brachte die Firma, die Grossverteiler sowie andere Lebensmittelläden beliefert, an ihre Kapazitätsgrenzen. «Kurzarbeit ist bei uns kein Thema. Wir haben derzeit mehr zu tun als sonst. Die jetzige Situation ist sehr anspruchsvoll», schildert Daepp. Er geht davon aus, dass die grosse Nachfrage bis Ende Mai anhält, sich danach aber wieder auf gewohntem Niveau einpendelt.
Die Klipfel Hefe AG ist 1886 in Laufen gegründet worden. 1911 zog die Firma nach Rheinfelden ins Kunzental, wo sie seither beheimatet ist. «Das Unternehmen hat den Ersten und den Zweiten Weltkrieg überlebt. In jeder Krise zeigt sich, dass Hefe Gold ist. So präsentiert sich die Situation auch jetzt wieder», erklärt Daepp. Die Nachfrage im Detailhandel ist so gross, weil derzeit viel mehr Leute selber backen. «Hefe wird in normalen Zeiten kaum wahrgenommen. Es ist ein stabiler bis leicht rückläufiger Markt. Jetzt ist das anders», erklärt Daepp.
Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen, das seit 1995 zur französischen Lesaffre-Group gehört und aktuell 20 Mitarbeiter zählt, über 2500 Tonnen Hefe ausliefern, wie der kaufmännische Leiter Ralph von Allmen ausführt.
Rund 10 bis 15 Prozent davon gehen in den Detailhandel, der Rest wird an die Industrie und das Gewerbe geliefert. Die goldenen Hefewürfel von Klipfel werden allerdings nicht mehr in Rheinfelden, sondern bei einem Schwesterunternehmen in Strassburg nach Schweizer Rezeptur produziert. «Jedes Land hat andere Hefe», so Daepp. Die Verteilung der Würfel läuft aber über Rheinfelden. Dort werden auch viele andere Produkte für Gewerbe und Industrie produziert. «Wir bieten insgesamt rund 140 verschiedene Produkte an», erklärt von Allmen. Der Marktanteil von Klipfel beträgt in der Schweiz bei Frischhefe und Standard-Trockenhefe rund 40 Prozent.
Konsumenten im Krisenmodus
Während die Nachfrage nach Hefe im Detailhandel derzeit sehr gross ist, sinkt sie hingegen im gewerblichen Bereich. «Viele Bäcker verkaufen derzeit weniger Brot. Die Konsumenten sind im Krisenmodus und kaufen wohl eher beim Grossverteiler, wo sie schon die anderen Waren beziehen. Auch Bäckereien, die sonst die Gastronomie beliefern, spüren einen starken Rückgang», erklärt Daepp. Langfristig werde sich das aber wieder ausgleichen, ist er überzeugt.
Das Geschäftsmodell der Klipfel Hefe AG hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Heute wird nicht nur Hefe verkauft, sondern es werden Lösungen für die Bedürfnisse der Kunden erarbeitet. Das neue «Baking Center», das am Sitz in Rheinfelden eingerichtet wurde, hilft unter anderem bei der Produktentwicklung, der Ausbildung und der sensorischen Analyse. Damit will das Unternehmen gerüstet sein für künftige Herausforderungen wie die aktuelle Coronakrise.
Diesen Artikel publizieren wir in Zusammenarbeit mit der «Neuen Fricktaler Zeitung».