Fussgänger ignorieren Schranke
27.09.2019 Bezirk Sissach, LäufelfingenLange Wartezeiten am Bahnübergang in Läufelfingen haben zur Folge, dass Fussgängerinnen und Fussgänger oft verbotenerweise die Gleise überqueren, um ihren Zug noch zu erwischen. Nun suchen SBB und Gemeinde nach Lösungen, um der lebensgefährlichen Praxis den Riegel zu ...
Lange Wartezeiten am Bahnübergang in Läufelfingen haben zur Folge, dass Fussgängerinnen und Fussgänger oft verbotenerweise die Gleise überqueren, um ihren Zug noch zu erwischen. Nun suchen SBB und Gemeinde nach Lösungen, um der lebensgefährlichen Praxis den Riegel zu schieben.
Otto Graf
Das Schild «Überschreiten der Geleise verboten» findet sich auch auf dem Bahnhof Läufelfingen. Doch nach dem Umbau des Perrons vor Jahren und dem «Umkehren» des Fahrplans der Züge zwischen Sissach und Olten missachten viele Bahnreisende das Verbot und überqueren die beiden Gleise zu Fuss, selbst bei geschlossener Barriere.
«Das Problem besteht seit Einführung der zusätzlichen Züge für die Schulkinder morgens und mittags vor mehreren Jahren, erklärt SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage. Das Problem habe sich mit dem «Umkehren», das heisst mit den um 30 Minuten verschobenen Abfahrtszeiten des «Läufelfingerlis» in Sissach und Olten noch verschärft, ergänzt Gemeindepräsident Dieter Forter.
Weil sich die Kompositionen des ordentlichen Zugs und des Schülerzugs im Bahnhof Läufelfingen kreuzen, bleiben die Barrieren des Niveauübergangs der Kantonsstrasse oft relativ lange – bis zu fünf Minuten – unten. Um die Züge nicht zu verpassen, umgehen deshalb viele Schülerinnen, Schüler, aber auch Erwachsene die geschlossenen Schranken. Die Hupsignale des einfahrenden Zugs sowie Verwarnungen und Bussen der Bahnpolizei hätten bis jetzt wenig genutzt, sagt der Präsident weiter und meint lakonisch: «Wer geht morgens wegen einer geschlossenen Barriere schon zehn Minuten früher aus dem Haus, wenn es anders auch geht?» Man sehe und höre den Zug ja, würden die Kinder, aber auch Erwachsene ihr Verhalten begründen.
Sicherheit geht vor
Derart grobfahrlässiges Verhalten kann Schärli überhaupt nicht nachvollziehen und verdeutlicht: «Die Vorschriften lassen keine kürzeren Barriereschliesszeiten zu.» Züge hätten einen sehr langen Bremsweg. Im Falle einer Störung müsse der Zug noch anhalten können. Dementsprechend müsse eine Barriere auch rechtzeitig vor einer Zugsdurchfahrt geschlossen sein. Die Sicherheit gehe vor. «Wer eine geschlossene Barriere umgeht, riskiert sein Leben.» Die Transportpolizei der SBB, die für die Sicherheit zuständig ist, kennt die Sachlage. Sie war gemäss Mediensprecher Schärli schon mehrmals in Läufelfingen vor Ort und habe Verwarnungen ausgesprochen.
Auch die Gemeinde will die brenzlige Situation rund um den Bahnübergang aus der Welt schaffen und hat bei den SBB erneut interveniert, wie der Gemeinderat in der jüngsten Ausgabe des Mitteilungsblatts schreibt.
Die Bahn hat nun in Aussicht gestellt, dass mit allen Involvierten auf dem Bahnhofareal Läufelfingen ein Ortstermin durchzuführen sei. Die SBB ihrerseits stünden, so Schärli, im Kontakt mit den Behörden. Man werde zu gegebener Zeit informieren, wenn konkrete Entscheide getroffen worden sind.
Der SBB-Sprecher verweist ausserdem auf die Situation des Zugspersonals. Für die Lokführer sei es ein belastender Zustand, wenn die Gleisüberquerer dem Bahnverkehr keine Beachtung schenken. Unfälle, auch Beinahe-Unfälle könnten traumatisierende Folgen für alle Beteiligten haben, mahnt er. In den vergangenen Monaten sei es zu mehreren Beinahe-Unfällen gekommen. Glücklicherweise sei nie jemand zu Schaden gekommen.