VOLKSOHR
30.07.2019 GesellschaftAm heiteren Landratspräsidentenfest haben sie Anfang Juli in Buckten das hohe Lied auf das «Läufelfingerli» gesungen – und pro Bähli gepredigt, als ob es sonst kein Thema auf Erden gäbe. «Ode auf einen leeren Zug» hat die «Basler Zeitung» ...
Am heiteren Landratspräsidentenfest haben sie Anfang Juli in Buckten das hohe Lied auf das «Läufelfingerli» gesungen – und pro Bähli gepredigt, als ob es sonst kein Thema auf Erden gäbe. «Ode auf einen leeren Zug» hat die «Basler Zeitung» danach getitelt. Das war gemein. Denn schliesslich ist der Zug nie ganz leer. Und ALLE Homburgertaler fahren bei jeder Gelegenheit gerne mit ihrem Zügli.
ALLE? Bei jeder Gelegenheit? Wohl doch nicht immer ganz. Die öffentlich einsehbare Spesenabrechnung unserer Landräte spricht eine eigene Sprache: Statt einfach jährlich ein U-Abo für 800 Franken abzurechnen, wie das die Mehrheit der Landrätinnen und Landräte tut, schreibt der Buckter Neo-Landratspräsident Peter Riebli (SVP) 32 Autokilometer pro Landratstag auf. Auch sonst setzt er offensichtlich lieber auf die Benzinkutsche als auf den ÖV und die geliebte S9, wenn er in offizieller Mission unterwegs ist. Alleine im zurückliegenden Halbjahr schrieb er 2452 gefahrene Autokilometer (à 70 Rappen = Fr. 1716.40) auf. Auch die beherzte «Läufelfingerli»-Kämpferin Susanne Strub aus Häfelfingen (SVP) bezog nicht das U-Abo, sondern rechnete im 1. Halbjahr 2019 792 Autokilometer ab. Selbst die Buckter SP-Landrätin Sandra Strüby kommt offensichtlich nicht ganz ohne motorisierten Untersatz aus. Neben dem U-Abo machte sie Autospesen für 74 Kilometer geltend.
Dabei ist Autofahren doch gerade bei links-grün grausam verpönt! Immerhin wollten SP und Grüne den Klimanotstand ausrufen und waren quietschend entsetzt, als die Bürgerlichen das ablehnten. Dabei könnte man nach dem Studium der Spesenliste auf die Idee kommen, dass auch in dieser politischen Ecke gerne Wasser gepredigt und Wein gelüttert wird. So schrieb Klaus Kirchmayr, der Obergrüne im Landrat, ganze 1420 Autokilometer in einem halben Jahr auf. Bei Chefsozi Adil Koller waren es 709 Kilometer.
Und unsere frisch gewählte Regierungsrätin Kathrin Schweizer (SP), die einen wahren Velowahlkampf hingelegt hatte, in Basel-Stadt bis vor Kurzem für Velowege zuständig und Geschäftsführerin von Pro Velo war? Bitte, bitte, liebes Volksohr, sag uns jetzt nicht, dass auch sie Autokilometer aufgeschrieben hat, um vom Wohnort Muttenz nach Liestal an die Landratssitzungen zu kommen. Doch, sie hat. Sie rechnete 504 Kilometer ab!
Halt, halt, sagt uns die Landeskanzlei. Die Landräte könnten selber entscheiden, ob sie Autokilometer ab Wohnort angeben oder das U-Abo im Gegenwert von 800 Franken pro Jahr beziehen wollen. Wenn ein Landrat Autokilometer aufschreibe, heisse das also noch lange nicht, dass er auch tatsächlich mit dem Auto nach Liestal an die Sitzungen fahre.
Aha. In diesem Falle handelt es sich also nicht um Umweltsünder, die zwar gegen Autos sind, aber dennoch Autospesen verrechnen. Sondern eher um rechnerisch begabte Spesenoptimierer.
