«Kässeli» erzählen 200 Jahre Bankgeschichte
18.06.2019 Baselbiet, ThürnenVor neun Jahren hat Beat Walmer mit dem Sammeln von alten Schweizer Banksparkässeli begonnen. Heute besitzt er über 1400 Exemplare und ein schier unendliches Wissen über deren Geschichte. Eine Auswahl von beidem hat er nun in einem Buch festgehalten.
Sara ...
Vor neun Jahren hat Beat Walmer mit dem Sammeln von alten Schweizer Banksparkässeli begonnen. Heute besitzt er über 1400 Exemplare und ein schier unendliches Wissen über deren Geschichte. Eine Auswahl von beidem hat er nun in einem Buch festgehalten.
Sara Keller
«Einer muss ja mal anfangen», erklärt Beat Walmer seine Motivation, ein Buch über sein exotisches Hobby zu schreiben. Der Thürner sammelt mit grosser Leidenschaft alte Schweizer Banksparkässeli, über die es bis anhin keine Literatur gab. Dank Walmers eindrucksvollen Engagements in den vergangenen zwei Jahren konnte diese Lücke nun ein wenig geschlossen werden: Am vergangenen Freitag präsentierte er bei seiner Buchvernissage das fertige Werk.
Auf 208 Seiten hat der «Kässelibeat», wie Walmer genannt wird, eine grosse Anzahl von Bildern alter Sparkässeli ausgedruckt und sein geballtes Wissen über die Sammelobjekte niedergeschrieben. So auch über sein Lieblingsexemplar, das Kässeli der Basellandschaftlichen Kantonalbank mit der Nummer 7, das etwa 1870 noch in den USA hergestellt wurde. «Das Buch erzählt 200 Jahre der Schweizer Bankgeschichte», sagte Walmer vor dem knapp 40-köpfigen Publikum, das sich im Auditorium der Liestaler Niederlassung der Basellandschaftlichen Kantonalbank zusammengefunden hat. «Ich bin immer wieder erschrocken, wie viele Schweizer Banken bereits bankrottgegangen sind», fügte der Banker an.
Der Sammler hat sich dieses Wissen in nur neun Jahren angeeignet – zusammen mit 1400 Sparkässeli, die er auf Flohmärkten und in Brockenstuben aufgestöbert hat oder im Internet oder durch den Austausch mit anderen Sammlern erworben hat. «Es ist wirklich unglaublich, wie sehr es mir den Ärmel reingezogen hat.»
Austausch auf Augenhöhe
Begonnen hat diese Leidenschaft mit einem Zufallsfund im Internet. Beim Stöbern auf einer Website für Kleinanzeigen stiess «Kässelibeat» auf ein Angebot für zwei Sparkässeli, eines von der Obwaldner Kantonalbank, das andere von der Berner Kantonalbank, und erwarb sie spontan. Sie gefielen ihm so gut, dass er zunächst aus jedem Kanton ein Kässeli der jeweiligen Kantonalbank erwerben wollte. Nach 15 Exemplaren in wenigen Monaten war seine Begeisterung für die Antiquitäten aber bereits so gross, dass er nicht einfach nach 26 mit dem Sammeln aufhören konnte. So begann er auch Sparkässeli von Darlehenskassen oder Sparvereinen zu sammeln.
Dabei haben ihn nicht nur die Altwaren begeistert, sondern auch die Interaktion mit anderen Sammel-Angefressenen. «Der Kontakt und der Austausch zwischen Sammlern geschieht auf Augenhöhe – plötzlich gibt es keine sozialen Schichten, Religionen oder Hautfarben mehr.»
Mit dem Buch hofft Walmer, diese Leidenschaft für das Sammeln und sein Wissen weiterzugeben. «Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers», zitiert er den Historiker Jean Jaurès. Er wünscht sich, dass seine Sammlung und das Buch in manchen Lesern auch ein Feuer entfacht, weshalb es ihm wichtig ist, dass die Kollektion gesehen werden kann. Am liebsten würde er sie in einem Museum ausstellen, weswegen er zurzeit auf der Suche nach einer Ausstellungsmöglichkeit sei.
Es scheint, als sei ersterer Wunsch bereits in Erfüllung gegangen, denn er erhält jeden Tag Kaufanfragen für sein Buch – ohne bisher dafür Werbung gemacht zu haben.
Erschienen im Verlag Mis Buech. Weitere Informationen im Inserat auf Seite 16.