Ferien bei den Grossen Hufeisennasen
28.05.2019 Gemeinden, NaturWegenstetten | Aus dem Trottenhaus wurde das «Flederhaus»
Die Stiftung Ferien im Baudenkmal, Pro Natura Aargau und der Jurapark Aargau haben die alte Trotte in Wegenstetten sanft renoviert und die Umgebung fledermausfreundlich aufgewertet. Im «Flederhaus» kann man nun ...
Wegenstetten | Aus dem Trottenhaus wurde das «Flederhaus»
Die Stiftung Ferien im Baudenkmal, Pro Natura Aargau und der Jurapark Aargau haben die alte Trotte in Wegenstetten sanft renoviert und die Umgebung fledermausfreundlich aufgewertet. Im «Flederhaus» kann man nun übernachten.
Peter Stauffer
«Baukultur erhalten ist das eine – Fledermausart retten das andere.» Von dieser Aussage konnte man sich am Samstag bei einer Führung durch und rund um die ehemalige Trotte in Wegenstetten überzeugen. In der 1803 ursprünglich als Gasthaus erstellten Trotte befinden sich zwei ganz besondere Schätze: Einerseits leben während der Sommermonate im grossen Dachstock die Weibchen der vom Aussterben bedrohten Fledermausart Grosse Hufeisennase und bringen hier ihre Jungen zur Welt. Andererseits birgt das Baudenkmal einen baukulturellen Schatz und ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Bau- und Wohnkultur.
Seltener als die Grossen Hufeisennasen kann eine Tierart fast nicht sein. In der Schweiz existieren nur noch drei Populationen, eine im Wallis, eine im bündnerischen Vorderrheintal und eine eben hier in Wegenstetten. Jeweils im Frühling treffen die weiblichen Tiere in ihrer Wochenstube im Dachstock der Trotte ein. Der riesige Raum bietet bestmögliche Bedingungen für ausgedehnte Flugübungen der Jungtiere. Lücken für einen ungehinderten Ein- und Ausflug, sowie ein tiefes Vordach sind ebenfalls Voraussetzungen, wie sie die Grossen Hufeisennasen mögen. Der Erhalt dieses Fledermausquartiers hat nationale Bedeutung. Bei der sanften Renovierung der zuvor unbewohnten Liegenschaft wurde dieser Tatsache insofern Rechnung getragen, als dass im Dachstock nur die zur Stabilisierung des Gebäudes notwendigen baulichen Massnahmen getätigt und auf die Anwesenheit der Tiere Rücksicht genommen wurde.
Im Wohnteil des Hauses wurde eine «Ferien im Baudenkmal»-Wohnung eingerichtet. Die originale Bausubstanz mit ihren historischen Ausstattungsteilen wurde so weit wie möglich erhalten oder wiederhergestellt. Die Stiftung will damit die Geschichte des Hauses hervorheben. Historische Holzöden, Wand- und Deckenoberflächen, Türen und Fenster sollen für eine nächste Generation die Vergangenheit spürbar machen.
Notwendige Eingriffe werden offengelegt. Das heisst zum Beispiel, dass bei den windschiefen Böden ersetzte neue Dielen nicht auf alt gemacht werden, sondern dass sichtbar ist, was zeitgemäss ersetzt werden musste. Desgleichen bei der Türe zur grossen Laube: Eine Hälfte ist augenscheinlich neu. Auch die moderne Möblierung der Wohnung soll dem gegebenen baulichen Zustand angepasst werden. Ab Juli kann die Wohnung wochenweise gemietet werden. Sie bietet Platz und Unterkunft für maximal sechs Personen.
Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, freut sich über das gelungene Gesamtprojekt am Gebäude und die Massnahmen zur Gestaltung einer fledermausfreundlichen Umgebung.
Stiftung: Ferien im Baudenkmal
rr. Die 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründete Stiftung Ferien im Baudenkmal ist ein Projekt an der Schnittstelle von Tourismus und Denkmalpflege. Landesweit übernimmt sie dem Verfall ausgesetzte und vom Abriss bedrohte Baudenkmäler, restauriert sie sanft und gibt ihnen als Ferienobjekte eine sichere Zukunft. Durch das aktive Erleben der Baukultur stellt die Stiftung, neben dem Erhalt der historischen Gebäude, die Vermittlung und Sensibilisierung in den Vordergrund. Ein Aufenthalt im Baudenkmal schafft zudem einen Bezug zur lokalen und regionalen Geschichte und Tradition, ganz im Sinn eines nachhaltigen Tourismus.