«Bring eins, nimm eins»
30.04.2019 Bezirk Liestal, Lausen, GesellschaftEine Telefonkabine für Bücherwürmer
Simonetta Zanier hat eine ausrangierte Telefonkabine im Zentrum von Lausen in eine Bring-und-Hol-Bibliothek verwandelt. «Das Buech-Hüüsli» steht seit vergangenem Wochenende allen Buchliebhabern offen.
Andrina Sommer
Die ...
Eine Telefonkabine für Bücherwürmer
Simonetta Zanier hat eine ausrangierte Telefonkabine im Zentrum von Lausen in eine Bring-und-Hol-Bibliothek verwandelt. «Das Buech-Hüüsli» steht seit vergangenem Wochenende allen Buchliebhabern offen.
Andrina Sommer
Die Swisscom hat Anfang 2019 zwei Telefonkabinen definitiv ausser Betrieb gesetzt. Aus einer der beiden verwaisten Telefonzellen hat Simonetta Zanier das «Buech-Hüüsli» gemacht. Die Idee einer Mini-Bibliothek formte sich aus Eigeninteresse: «Ich lese sehr gerne und viel. Mit Tablets kann ich nicht viel anfangen. Ein gebundenes Buch bereitet mir mehr Freude. Deshalb besitze ich auch viele davon.» Zudem hat die Lausnerin schon mehrere Male in anderen Ortschaften Bücherkästen gesehen und sich gedacht: «Wieso nicht auch in meinem Dorf?»
Vor gut einem Jahr fragte sie die Gemeinde deshalb an, ob sie auf die Unterstützung hinsichtlich eines Bücherschranks in Lausen zählen könne. Ihre Idee stiess auf Anklang. Im vergangenen Herbst schlug ihr der Gemeinderat eine der bald nicht mehr in Betrieb stehenden Telefonkabinen als Unterschlupf für ihre Bücher vor.
Daraufhin holte Zanier bei einer Schreinerei Offerten für massgefertigte Bücherregale und bei einer Druckerei Angebote für die Beschriftung ein. Dieser Teil der Arbeit stellte sich für die kaufmännische Angestellte an einer Musikschule als der unangenehmste heraus: «Der Schreinerei wie auch der Druckerei musste ich sagen, dass es nicht zu viel kosten darf, da ich nicht wusste, ob sich die Gemeinde an den Kosten beteiligen wird oder nicht. Dieses Betteln fiel mir sehr schwer.» Die Projektskizze reichte sie beim Gemeinderat ein. Dieser erklärte sich schliesslich bereit, die anfallenden Kosten zu übernehmen.
Ein Nehmen und Geben
Die Grundregel zur Benutzung der Mini-Bibliothek ist simpel: «Bring eins, nimm eins». Man darf aber auch nur ein Buch ausleihen und es dann wieder zurückbringen oder alte Bücher hineinstellen, erklärt Zanier. Die Bücher sollten in einem ansehnlichen Zustand sein, da der Bücherkasten nicht als Entsorgungsstation für alte Bücher diene. Eine weitere Regel betrifft das Genre: Die Regale sollen nur mit unterhaltender Literatur bestückt werden und nicht mit Fachbüchern oder Lexika. Das «Buech- Hüüsli» steht jedermann offen, nicht nur Lausnerinnen und Lausnern.
Seit der offiziellen Eröffnung am Lausner Dorfmarkt vom vergangenen Samstag reihen sich Thriller neben Liebesromanen im «Buech-Hüüsli». In den Tagen davor wurde der ungebrauchten Telefonkabine mitten im Dorf, zwischen dem Coop und der Gemeindeverwaltung, wieder Leben eingehaucht: Die Regale wurden montiert, die Beschriftung angebracht und Zanier platzierte ihre eigenen alten Bücher, die als Basisliteratur dienen. Die ersten Reaktionen fielen positiv aus: «Schon beim Aufbau kam Bewunderung auf. Die vorbeigehenden Passanten staunten über die umfunktionierte Telefonkabine», so Zanier.
Für den Unterhalt ist die Lausnerin selbst verantwortlich. Sie hat grossen Respekt vor dieser Aufgabe, da bei Missbrauch oder Vandalismus die kleine Bücheroase geschlossen werden müsste.
Obwohl das ganze Projekt sehr aufwendig war, hat Zanier ihre Zeit gerne investiert. «Ich habe eine eigene Idee verwirklicht. Das ist ein schönes Gefühl.» Mit diesem Enthusiasmus andere Menschen zu begeistern, sei schwierig, aber ihr Wunsch. Schliesslich lebt das «Buech-Hüüsli» – wortwörtlich – von einem Nehmen und Geben.