Das Baselbiet lässt es an Silvester krachen
29.12.2018 ZunzgenAnna Uebelhart
Die Feuerwerk-Industrie steht unter Druck. Die Trockenheit im Sommer und das daraus resultierende Feuerverbot am 1. August hat zu hohen finanziellen Verlusten geführt. Die riesigen Mengen an Feuerwerkskörpern, die normalerweise am Schweizer ...
Anna Uebelhart
Die Feuerwerk-Industrie steht unter Druck. Die Trockenheit im Sommer und das daraus resultierende Feuerverbot am 1. August hat zu hohen finanziellen Verlusten geführt. Die riesigen Mengen an Feuerwerkskörpern, die normalerweise am Schweizer Nationalfeiertag in den Himmel steigen, sind dieses Jahr auch in der Lagerhalle des Handelsbetriebs Fortura in Zunzgen liegen geblieben. Die entstandenen Kosten für Personal, Werbung, den Aufbau der Infrastruktur und weitere Ausgaben fielen dennoch an. Hinzu kommt, dass die Menge an explosiver Ware, die gelagert werden darf, von der Grösse des Lagerraums abhängig ist. Da der erwartete Verkauf im August ausgeblieben ist, war die Lagerhalle der Fortura AG deutlich überfüllt. Die Mitarbeiter mussten das überschüssige Material an ihre Lieferanten zurückgeben und extern zwischenlagern.
Zum Jahreswechsel bietet der Laden «World of Party», kurz WOP-Shop, ein grosses Sortiment an Feuerwerkskörpern für das ganze Baselbiet. Die Ware bezieht die Zunzger Filiale bei der Fortura AG, die den Detailverkauf ihres Feuerwerks an den Shop abgegeben hat. Dieser verkauft während des ganzen Jahres Party-Dekorationen, Saisonartikel und Fasnachtskostüme.
Feuerverbot mindert Verkauf
Stefano Papini, Mitglied der Firmenleitung, sagt: «Geschäftlich gesehen hatten wir ein sehr schlechtes Jahr.» Obwohl das Verbot für die Fortura sehr einschneidend gewesen ist, hält Papini die Entscheidung der Regierung für richtig. «Auch bei sorgfältigem und verantwortungsvollem Umgang mit Feuerwerk hätte etwas passieren können und das wäre unverzeihlich gewesen», so der Fachmann.
Er fügt hinzu, dass der 1. August dieses Jahr durch das fehlende Knallen der Feuerwerkskörper etwas «Besinnliches» gehabt habe. Das Thema Umweltschutz ist auch der Firma in Zunzgen ein Anliegen. Klar könne man argumentieren, dass durch das Zünden von Feuerwerkskörpern eine bestimmte Menge Feinstaub freigesetzt werde, doch diese sei verschwindend gering, erklärt der Firmenleiter. Des Weiteren habe die Industrie in den vergangenen Jahren Feuerwerksbatterien entwickelt, die aus rezyklierbarem Material bestehen. Erst vor vier Jahren wurde für grosse Batterien eine Bewilligunspflicht eingeführt. Grund dafür war das zu hohe Sicherheitsrisiko. Auch in Zunzgen kennt man die Gefahren, die bei falscher Handhabung eines Feuerwerks entstehen können. Jemand hat, bevor die grösseren Batterien aus dem regulären Verkauf genommen wurden, das falsche, deutlich kürzere Ende der Batterie angezündet, was zu einer vorzeitigen Explosion und Verletzungen geführt hat. Papini betont, dass Kinder in der Nähe von Feuerwerken stets unter der Aufsicht Erwachsener sein sollten. Menschen in alkoholisiertem Zustand liessen besser gleich die Finger von Feuerwerk und es sei wichtig, darauf zu achten, Raketen nicht zu nahe an einem Gebäude zu zünden.
Für Papini ist Feuerwerk ein Ausdruck von Lebensfreude. Feuer sei etwas Archaisches, etwas Schönes, das die Menschen schon immer fasziniert habe. Dass es nicht jedermanns Sache ist, ist auch dem Feuerwerkshändler klar. «An den wenigen Abenden im Jahr, an denen Feuerwerk erlaubt ist, kann man tolerant sein.» Er findet: «Diese Tage reichen völlig aus. Wäre ein uneingeschränkter Gebrauch erlaubt, würde der Reiz verloren gehen, den das Feuerwerk ausmacht.»