Einige Frostnächte im April 2017 haben dem Wein besonders in der Region Basel sehr zugesetzt. Es konnten nur gerade 22 Prozent einer durchschnittlichen Lese gekeltert werden.
Thomas Immoos
Winzer denken langfristig, nämlich in Zehnjahreszyklen. Deshalb ...
Einige Frostnächte im April 2017 haben dem Wein besonders in der Region Basel sehr zugesetzt. Es konnten nur gerade 22 Prozent einer durchschnittlichen Lese gekeltert werden.
Thomas Immoos
Winzer denken langfristig, nämlich in Zehnjahreszyklen. Deshalb stürzt sie auch ein ausserordentlich schlechtes Jahr nicht gleich in Verzweiflung. An einer gemeinsamen Medienorientierung in Basel betonten der Verband der Weinproduzenten der Region Basel-Solothurn und das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain (LZE), was den Weinjahrgang 2017 angeht, unisono: Es gibt ihn doch.
Weinkommissär Andreas Buser erinnerte an die milden Monate Februar und März 2017, die viele Triebe schon früh spriessen liessen. Zwei Frostnächte Ende April liessen aber die meisten von ihnen erfrieren. In der Folge erholten sich einige Rebstöcke wieder, sodass es doch noch eine Weinlese gab, deren Ertrag aber deutlich unter dem Durchschnitt lag: Nur gerade gut 20 Prozent der Trauben konnten gelesen werden, also nur 190 Tonnen statt der üblichen 800 Tonnen: «Deshalb ist das Weinjahr 2017 quantitativ zum Vergessen.»
Winzer kaufen Trauben aus Welschland
Für die professionellen Winzer bedeutete dies erhebliche Ausfälle. Diese konnten nur teilweise durch einen Fonds der Schweizerischen Nationalbank für nicht versicherbare Schäden ausgeglichen werden. Insgesamt flossen 3,1 Millionen Franken an 39 Winzerbetriebe im Baselbiet. Um die restlichen Trauben vor Tieren zu schützen, sah man sich sogar gezwungen, mit der Lese früher zu beginnen.
«Trotzdem konnten die Verluste nicht vollständig wettgemacht werden», betonte Thomas Engel von der Kellerei Siebe Dupf in Liestal. Denn ausgeblieben sind die Lohnkelterungen, also das Keltern der Trauben kleinerer Betriebe oder von Hobby-Winzern. Urs Jauslin musste die drei Mitarbeitenden zeitweise zur Kurzarbeit anmelden.
Zum Teil behalf man sich auch, indem man das Ersetzen alter Reben vorzog. Um mit den eigenen Trauben doch noch genügend Wein produzieren zu können, kaufte man Trauben aus den Kantonen Aargau, Genf, Jura und Neuenburg zu. Dies wird denn auch auf den Weinflaschen entsprechend vermerkt. Trotz der wenig ergiebigen Ernte wird auch dieses Jahr ein Baselbieter Staatswein gekürt. Allerdings haben sich nur 36 Betriebe darum beworben (letztes Jahr waren es 54). Gemäss Werner Leisi vom Verband der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn hat man die Kategorien auf drei reduziert: Weisswein, Pinot Noir und rote Spezialitäten. Eine Jury wird aus je drei nominierten Weinen den Staatswein 2017 küren.
Zuversichtlich blickt Andreas Buser auf den Jahrgang 2018. Es dürfte kräftige Austriebe geben. Aber die Winzer müssten, um die Qualität zu halten, einige Triebe stutzen, «auch wenn dies angesichts der gut behangenen Rebstöcke schmerzen dürfte».