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Der Taktgeber für Nachwuchsmusiker

| Do, 17. Mai. 2018

Die «Future Band», die gemeinsame Nachwuchs-Formation von vier Oberbaselbieter Musikvereinen, ­erhält einen Kulturpreis. Sie sei beispielgebend für andere Vereine, auch ausserhalb der Blasmusikszene, wird die Wahl begründet.

 

Jürg Gohl

Dirigent Roger Leoni wohnt in Känerkinden. Damit dürfte wohl zusammenhängen, dass die Baselbieter Regierung den Sitz der «Future Band» ebenfalls dorthin verlegte, als sie die Träger der diesjährigen Kulturpreise vermeldete. Die Blasmusik-Formation erhält den Förderpreis in der Kategorie Nachwuchsförderung. Die Ortsbezeichnung ist deshalb nicht ganz korrekt, weil die «Future Band», die bereits eine sehr bekannte Nachwuchsformation ist, von vier Musikvereinen gemeinsam getragen wird: Buckten, Läufelfingen, Rünenberg und schliesslich, ennet der Kantonsgrenze, Wisen.

«Wir achten sogar bewusst darauf, dass die Arbeiten einigermassen ausgeglichen auf alle vier Vereine verteilt sind», sagt Leoni. Der 41-jährige Dirigent der gestern Abend geehrten Band ist selber in Buckten aufgewachsen und seit 30 Jahren im dortigen Musikverein noch immer sehr aktiv. In der jetzigen Zusammensetzung besteht die «Future Band» seit dem Jahr 2000. Seit damals führt Leoni den Taktstock. Die Jugendlichen erlernen dort das Musizieren in einer Gruppe, was es ihnen später erleichtert, in den Stammverein zu wechseln. «Das hat sich bewährt», sagt Leoni, «so kennen sie einen Grossteil ihrer neuen Mitmusikanten bereits.»

Die Ansprüche an die jungen Mitglieder sind hoch. Sie müssen bereits zwei bis drei Jahre Musikunterricht hinter sich haben. Einmal pro Woche wird geübt, dazu kommen Auftritte an Anlässen der Ortsvereine oder an Wettbewerben. Im Herbst geht es in ein Musiklager. Dort wird eine Woche lang in sechs bis acht Lektionen pro Tag geübt. Der Erfolg in Form von Preisen bleibt nicht aus.

Nachwuchs auch im Vorstand

Zudem wird von den jungen Musiker­innen und Musikern erwartet, dass sie sich im Vorstand engagieren. «Das hat drei Vorteile», sagt Leoni. «Sie tragen die Ideen und Anliegen ihrer Altersgenossen in den Vorstand und sind umgekehrt das Bindeglied des Vorstands zur Band. Aber vor allem lernen sie, welche Hintergrundarbeiten zu leisten sind, damit die ‹Future Band› musizieren kann.» Diese Regel hat sich zumindest beim Musikverein Buckten ausbezahlt. Dort leitet bei den «Grossen» ein jüngerer Vorstand die Geschicke.

Diese Ideen scheinen auch auf Kantonsebene zu beeindrucken: «Mit der ‹Future Band› ist ein Modell gewachsen, das einen Weg in eine zukunftsgerichtete Nachwuchsarbeit im Bereich der ehrenamtlichen Vereinsarbeit, auch ausserhalb der Blas­musikszene, aufzeigt», schreibt die Abteilung Kulturelles zur gestrigen Preisverleihung. Ist der Himmel also voller Geigen bei den Blasmusikern? «Nein», sagt Leoni, der selber einmal in der «U22-Nati» der Blasmusik, wie er sie bezeichnet, spielte. «Auch bei uns läuft nicht immer alles nach Noten. Aber wir beobachten gerne, wie es immer besser geht.»

Bei den hiesigen Musikvereinen ist man längst auf das Modell aufmerksam geworden. Da braucht es keine kantonale Auszeichnung mehr. Die Band geht aber davon aus, dass sie dank der Auszeichnung eine breitere Anerkennung findet. Doch zählt sie bereits jetzt zu den raren Vereinen, die nicht über fehlende Sponsoren jammern. Das Preisgeld in der Höhe von 10 000 Franken wird weder in neue Instrumente noch in eine neue Uniform investiert. Erstere sind Sache der Muttervereine, Zweites ist noch lange nicht nötig. Deshalb wird das Geld für das Jubiläumsjahr 2020 ­zurückgelegt. Dann sei ein grosses Kulturaustausch-Projekt geplant, verrät der Dirigent. «Wir stecken das Geld lieber in die Musik.»

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