Kitas nicht voll überzeugt
27.04.2018 Bezirk LiestalFEB-Gesetz wird nicht überall umgesetzt
vs. Vertreter der Kinderbetreuungsbranche beklagen den fehlenden Willen der politischen Ebene, das Gesetz über die familienergänzende Kinderbetreuung (FEB) umzusetzen. Das Gesetz weist den Gemeinden spezifische Aufgaben ...
FEB-Gesetz wird nicht überall umgesetzt
vs. Vertreter der Kinderbetreuungsbranche beklagen den fehlenden Willen der politischen Ebene, das Gesetz über die familienergänzende Kinderbetreuung (FEB) umzusetzen. Das Gesetz weist den Gemeinden spezifische Aufgaben in der ergänzenden Kinderbetreuung zu. An einem Anlass – organisiert von Tagesbetreuung Nordwestschweiz – wurden gleich mehrere Probleme geortet, bei denen die Umsetzung des Gesetzes harzt. So werden gut ausgebildete Fachkräfte gefordert. Bezahlen will diese aber niemand.
Qualität hat ihren Preis – Wer bezahlt ihn?
Umsetzung des Kinderbetreuungsgesetzes bereitet Sorgen
Die Umsetzung des Gesetzes über die familienergänzende Kinderbetreuung harzt. Grosse Sorgen bereitet einmal mehr das Spannungsfeld zwischen Kosten und Qualität. In den Gemeinden braucht es noch viel Überzeugungsarbeit.
Beat Ermel
In der familienergänzenden Kinderbetreuung stehen die Zeichen vielerorts auf Sturm. Die Organisation Tagesbetreuung Nordwestschweiz hat deshalb am Mittwoch in Liestal zu einem Informationsanlass eingeladen. Die Kitas und Tagis sind im Kanton Basel-Landschaft zwar verbreitet, deren zukünftige Entwicklung ist aber alles andere als klar.
Gemäss Anaïs Arnoux vom Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote, werden aktuell in 29 Gemeinden 3621 Plätze angeboten. Es stehen Tagesfamilien, Kindertagesstätten und schulergänzende Angebote zur Verfügung. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die familienergänzende Kinderbetreuung (FEB) haben die Gemeinden spezifische Aufgaben bezüglich der familienergänzenden Kinderbetreuung erhalten. Die Gemeinden erheben den Bedarf an familienergänzender Kinderbetreuung und regeln in einem Reglement ihre Kostenbeteiligung. An der Tagung wurde ein ganzer Strauss von Problempunkten geortet.
Pensionierte als Kostenbremse?
Weit vorne im Sorgenbarometer steht die wirtschaftliche Situation in den Kitas. Aber auch woher in Zukunft das Geld kommen soll, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Bettina Brun vom Verband Kinderbetreuung Schweiz, rechnet vor, was ein Tag in einer Kita kostet: «Die Vollkosten betragen pro Tag und Betreuungsplatz aktuell 145 Franken. Davon entfallen 78 Prozent auf die Personalkosten.» Dieser Betrag gelte für eine Kita mit Mindeststandard und bei einer Auslastung von 80 Prozent.
Ebenfalls Sorgen bereiten die von Behörden, Eltern und weiteren Akteuren geforderten Qualitätsansprüche. Denn eine Steigerung der Qualität sei nicht zum Nulltarif zu haben. Die provokative Frage der Moderatorin Cornelia Kazis, ob allenfalls die Einstellung von Pensionierten eine Kostenbremse sein könnte, beantwortet Brun klar: «Eine Alternative vielleicht, aber sicher nicht die richtige.» Denn es gehe ja nicht einfach um das Hüten von Kindern. Für Thomas Jaun, Präsident Netzwerk Kinderbetreuung und Schulleiter Curaviva hfk (Höhere Fachschule für Kindererziehung), sind gut ausgebildete Personen der Schlüssel zum Erfolg. Sie haben wichtige Aufgaben in der Begleitung, Förderung, Integration und Gewährung der Chancengleichheit. Dem Vorschulbereich werde in unserer Gesellschaft zu wenig Bedeutung zugemessen.
Umsetzung nicht gleich weit
Beklagt wird auch der fehlende Wille auf der politischen Ebene. Bilder wie: «Mit Kindern spielen ist doch keine richtige Arbeit», seien längst überholt. Daran müsse noch gearbeitet werden. Celine Pfirter vom Tagesheim Sunnegarte sieht sich zunehmend einem Spagat zwischen Erwartungen und Realität ausgesetzt. So könne der Betreuungsschlüssel wegen der Sparmassnahmen oft nicht eingehalten werden.
Im Podium wird zudem festgestellt, dass das Gesetz vielerorts noch nicht umgesetzt ist. Es bestehen enorme Unterschiede zwischen den Gemeinden. Erstaunlicherweise gibt es seit der Umstellung auf die Neuregelungen Einbrüche bei der Auslastung der Kitas. Landrätin und Gemeinderätin Regula Meschberger sucht noch nach den Gründen. Vermutlich spiele die Höhe der Unterstützungsbeiträge eine Rolle. Der Gemeindebeitrag hat ja zum Ziel, Eltern mit geringem Einkommen bei den Kosten für die familienexterne Kinderbetreuung finanziell zu entlasten. Kurzfristige Lösungsansätze werden in der Fortsetzung der eingeleiteten Prozesse von der Objekt- zur Subjektfinanzierung und deren Mischformen sowie der Auswertung der Pilotprojekte gesehen.
Tagesfamilien: Fast 100 000 Stunden Betreuung
vs. Der Verein Tagesfamilien Oberes Baselbestätige. Der 1984 in Gelterkinden gegrünbiet hat im vergangenen Jahr beinahe dete Verein, dem sich 2006 der Liestaler 100 000 Betreuungsstunden vermittelt. Verein anschloss, umfasst heute 50 Ver-Genau sind es 96 539 Stunden, wie aus dem tragsgemeinden von Anwil und Arboldswil Jahresbericht des Vereins hervorgeht, der im bis Ziefen und Zunzgen. Neu hinzuge-Oberbaselbiet eine alternative Lösung zu kommen ist Bretzwil, Oberdorf ist zurückden Kindertagesstätten anbietet. Dies stelle gekehrt, Lupsingen ist ausgetreten. eine «rekordhohe Betreuungsleistung» dar, Der Verein geht aufgrund des neuen Gedie den Aufwärtstrend der beiden Vorjahre setzes zur familienergänzenden Kinderbetreuung (FEB) davon aus, dass diese Zahl noch ansteigt. 132 Tagesfamilien betreuten im vergangenen Jahr 412 Kinder. 2016 waren es sogar 424 Kinder. Die Rechnung des Vereins schliesst bei Einnahmen von 1,29 Millionen Franken mit einem Gewinn von 12 800 Franken ab. Das Budget war noch von einem Minus von 6800 Franken ausgegangen.