Der Katastrophenschützer geht
27.02.2018 Bezirk LiestalDer Leiter des Krisenstabs Marcus Müller war «immer auf Pikett»
Nach 21 Jahren als Leiter des Kantonalen Krisenstabs und als Amtsleiter Militär und Bevölkerungsschutz geht Marcus Müller morgen in Pension. Gestern zog er Bilanz über 598 ...
Der Leiter des Krisenstabs Marcus Müller war «immer auf Pikett»
Nach 21 Jahren als Leiter des Kantonalen Krisenstabs und als Amtsleiter Militär und Bevölkerungsschutz geht Marcus Müller morgen in Pension. Gestern zog er Bilanz über 598 Krisenstab-Einsätze und die Veränderungen im Zusammenhang mit den Reorganisationen der Schweizer Armee.
Tobias Gfeller
Krisen und Katastrophen sind vielseitig, bedingen eine detaillierte Planung im Einzelfall, sind aber leider nur selten voraussehbar. Dies zeigte sich gestern, als Marcus Müller im Kommandoposten Gitterli als Leiter des Kantonalen Krisenstabs und als Amtsleiter Militär und Bevölkerungsschutz auf seine über 21-jährige Tätigkeit zurückblickte.
Ob bei der Organisation von Grossanlässen wie der Fussball-Europameisterschaft 2008 mit Spielort Basel, beim Laufner Hochwasser 2009, bei der Gasexplosion im Prattler Längi-Quartier, der Pandemie-Vorsorge 2009, als die Schweinegrippe auszubrechen drohte, oder den Flüchtlingskrisen 1998 und 2015: Der Kantonale Krisenstab war während der Tätigkeit von Marcus Müller an vielen Fronten gefordert. Fast schon zur Routine wurden für das Team um Müller die trockenen Sommermonate mit Warnungen, Feuerverboten und zeitweisen Wasserrationierungen.
Zivilschutz umgebaut
Unter Müllers Leitung übte der Kantonale Krisenstab regelmässig, realistisch und gross: ab 1998 mit Unfallübungen in Tunnels, im Feierabendverkehr mit umgestürzten Trams und zuletzt mit entgleisten Güter- und Personenzügen und austretenden Chemikalien. Als 1999 eine Übung im frisch eröffneten Eggfluhtunnel im Laufental grösstenteils missriet, handelte der Krisenstab. Der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz rückte mehr und mehr ins Zentrum und löste sowohl bei Zivilschutz wie Militär die Kriegsvorsorge ab.
Die diversen Armeekonzeptionen von Armee 95 bis Armee XXI und der Weiterentwicklung der Armee (WEA) gingen am Amt für Militär und Bevölkerungsschutz nicht spurlos vorbei: Zuerst wurde 2001 die Sporthalle der Kaserne eröffnet, 2004 dann die Kaserne selbst. 2006 wurde das Amt des Sektionschefs aufgehoben und das Zeughaus geschlossen. 2017 folgte mit der Bestätigung der Liestaler Kaserne, mit dem Waffenplatz und dem neuen Standort des Kommandos der Mechanisierten Brigade in Liestal eine Erfolgsmeldung.
«Auf diese Veränderungen reagierte Marcus Müller stets adäquat und vorausschauend», lobte gestern Sicherheitsdirektor Isaac Reber (Grüne). Die Brigade verstärke die Präsenz der Armee in der Region weiter. Regierungsrat Reber dankte dem «obersten Katastrophenschützer und Vorausdenker» für dessen Zuverlässigkeit und Vertrauen. «Er war immer auf Pikett», so Reber. Nachfolger von Marcus Müller wird Patrik Reiniger. Der Berufsoffizier kommandierte bis heute die ABC-Abwehrschule 58.