Zweistandortlösung für das KSBL
02.04.2026 PersönlichReplik zum Beitrag der Landräte Markus Graf (SVP) und Dario Rigo («Mitte») in der «Volksstimme» vom 31. März 2026
Der Beitrag von Markus Graf (SVP) und Dario Rigo («Mitte») unter dem populistischen Titel «Spitalvarianten und ...
Replik zum Beitrag der Landräte Markus Graf (SVP) und Dario Rigo («Mitte») in der «Volksstimme» vom 31. März 2026
Der Beitrag von Markus Graf (SVP) und Dario Rigo («Mitte») unter dem populistischen Titel «Spitalvarianten und Gesundheitszentren vors Volk!» überzeugt vor allem durch Auslassungen. Entscheidende Fakten werden ausgeblendet, um eine politisch gewünschte, aber sachlich schwache Forderung zu stützen. Wer den Eindruck erweckt, die Spitalfrage sei bislang ungenügend diskutiert worden, verdreht die Realität. Es geht längst nicht mehr um Erkenntnisgewinn, sondern um Entscheidungsfähigkeit. Dazu drei Klarstellungen:
Erstens: Beide Autoren sind wie ich Mitglieder der VGK (Volkswirtschaftsund Gesundheitskommission). Wenn sie fordern, bei einem «Generationenprojekt» müssten zwingend mehrere Varianten gleichzeitig vorgelegt und breit diskutiert werden, ignorieren sie die langjährige Vorarbeit. Seit rund 20 Jahren werden diese Aspekte spitalintern, aber auch auf der politischen Bühne nun schon erörtert. Unzählige Berichte zu Strategie, Versorgungsplanung und Spitalstandorten wurden vorgelegt und diskutiert. Viele Projekte wurden in dieser Zeit geplant, aber nie realisiert. Seit 2024 wurden die von der Regierung zur Diskussion gestellten Varianten auch in der VGK nochmals intensiv diskutiert. Externe Sachverständige wurden beigezogen. Der Regierungsrat hat nun, gestützt auf umfassende Fakten und Analysen (endlich), entschieden und die Zweistandortlösung für das KSBL nachvollziehbar begründet. Das KSBL ist und bleibt mit der Weiterentwicklung der Standorte Liestal und Bruderholz sowie einer konsequenten Ambulantisierung das Rückgrat der regionalen Gesundheitsversorgung.
Zweitens: Graf und Rigo setzen sich im Rahmen der IG Zukunft Kantons- spital für eine Einstandortlösung in Pratteln («Salina Raurica») ein. Diese Forderung ist politisch einfach, aber sachlich nicht tragfähig. Der Standort ist ungenügend erschlossen, die Umsetzung komplex und mit erheblichen Risiken verbunden. Die vertieften Abklärungen zeigen klar: Die Variante ist fehleranfällig, teuer und kommt zu spät. Fachleute erwarten einen weiteren Marktanteilsverlust für das KSBL mit direkten Folgen für Betrieb und Versorgung. Gleichzeitig liegen die Investitionskosten rund 290 Millionen Franken höher als bei der Zweistandortlösung. Und der Zeitplan spricht ebenfalls gegen diese Option: Eine Realisierung wäre frühestens in den 2040er-Jahren möglich. Wer dies als gleichwertige Alternative darstellt, blendet zentrale Fakten aus.
Drittens: Was das KSBL jetzt braucht, ist keine neue Grundsatzdebatte, sondern Verlässlichkeit. Die jahrelange Hängepartie hat bereits Spuren bei Mitarbei- tenden, im Betrieb und in der finanziellen Entwicklung hinterlassen. Ohne klare Perspektive geraten auch notwendige Reformen ins Stocken. Die Verwaltungsratspräsidentin des KSBL hat deshalb zu Recht gefordert, den Entscheid politisch zu stützen und weitere Verzögerungen zu vermeiden. Wer nun ein neues «Gesamtpaket» schnüren und zusätzliche Verknüpfungen schaffen will, riskiert genau das: eine erneute Blockade. Das ist gesundheitspolitisch unverantwortlich. Zudem verkennen die beiden Politiker, dass mit der Weiterentwicklung des Standorts Liestal die mit Abstand verlässlichste Perspektive für eine adäquate und wohnortnahe Versorgung bestehen bleibt. Die beiden Landräte ignorieren zudem, dass sich über 30 Gemeinden für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Standorts Liestal ausgesprochen haben.
Urs Roth, Gesundheitsökonom und Landrat SP, Niederdorf
