Zweikampf um Sitz im Gemeinderat
18.09.2026 BubendorfKandidatin empfiehlt sich selbst – und sorgt für Unmut
Die Stimmberechtigten in Bubendorf werden am 27. September im zweiten Wahlgang den noch vakanten Sitz im siebenköpfigen Gemeinderat besetzen. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Imelda Bischof und Marco Simoniello ...
Kandidatin empfiehlt sich selbst – und sorgt für Unmut
Die Stimmberechtigten in Bubendorf werden am 27. September im zweiten Wahlgang den noch vakanten Sitz im siebenköpfigen Gemeinderat besetzen. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Imelda Bischof und Marco Simoniello erwartet.
Willi Wenger
Der zweite Wahlgang im Rennen um den vakanten Sitz im Gemeinderat von Bubendorf verspricht Spannung. Zur Verfügung stellen sich die parteilose Imelda Bischof und der SVP-Kandidat Marco Simoniello. Beide dürfen auf eine breite Unterstützung zählen: Bischof auf jene der Grünen, SP, EVP und GLP. Simoniello wird neben der eigenen Partei von der FDP unterstützt.
Die Ausgangslage steht unter besonderen Vorzeichen, wie die «bz Basel» als Erste berichtete. Speziell ist, dass Bischof – sie ist Präsidentin des Gewerbe- und Industrievereins Bubendorf und Umgebung (GIV) – vom Vorstand des GIV zur Wahl empfohlen wird. Nur: Dieser ist zurzeit weder beschluss- noch handlungsfähig, besteht er doch aktuell nur aus zwei Personen, aus Bischof selbst und einem Kassier.
Dass Bischof sich so quasi selbst zur Wahl empfiehlt, ist vielen Vereinsmitgliedern sauer aufgestossen. Imelda Bischof hält dazu fest, dass der Beschluss des derzeitigen Vorstands sorgfältig und nach Absprache mit dem Dachverband, der Wirtschaftskammer Baselland, zustande kam. Sie legt weiter ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass die Mitteilung des GIV- Vorstands den Charakter einer Empfehlung darstelle. «Wir haben damit keine Wahlempfehlung sämtlicher Vereinsmitglieder erklärt. Diese entscheiden unabhängig, wen sie wählen und öffentlich unterstützen. Das respektiere ich uneingeschränkt», so Bischof.
Die Präsidentin des Gewerbeund Industrievereins Bubendorf und Umgebung möchte mit ihrer Erfahrung, ihren Vorstellungen für Bubendorf und mit ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit als Gemeinderätin überzeugen. «Ich traue mir das Amt zu und bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.» Allerdings: Bischof weiss, dass die Wahl kein Selbstläufer ist. Sie hält aufgrund des ersten Wahlgangs ihre Chancen jedoch für intakt. Dort holte sie als eine von damals noch drei Kandidierenden die meisten Stimmen.
Gewerbler sind irritiert
Mehr als ein Dutzend Mitgliedsfirmen bringen ihren Missmut über die «Vorstandsempfehlung» für Bischof klar zum Ausdruck. Sie stellen sich im Amtsanzeiger der Gemeinde Bubendorf vom 11. September demonstrativ hinter Marco Simoniello und empfehlen den SVP-Kandidaten auch deshalb, weil er zuhören, mitdenken und anpacken könne.
Recherchen der «Volksstimme» haben ergeben, dass es mehrere GIV-Mitglieder gibt, welche die Auffassung vertreten, Bischof missbrauche ihr Präsidentinnenamt im Vorfeld des zweiten Wahlgangs, bei dem das relative Mehr gilt. Bischof weist diesen Vorwurf allerdings klar zurück und ergänzt: «Als Frau, die Mitglied in keiner politischen Partei ist, freue ich mich jedoch über die Unterstützung durch die Grünen, die SP, die EVP und die GLP. Zu diesen Parteien bestehen inhaltliche Gemeinsamkeiten, beispielsweise bei einer verantwortungsvollen Gemeindeentwicklung, der Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg und dem Erhalt der Lebensqualität.»
Vonseiten der Unterstützerinnen und Unterstützer von Imelda Bischof äussert sich EVP-Ortssektionspräsident Heinz Finkbeiner: «Wir unterstützen Frau Bischof gerne. Nach Anhörung der Kandidatin sind wir überzeugt, dass Bischof über sehr viel Erfahrung aus ihrem Beruf und insbesondere Kompetenz in jeder Hinsicht für dieses anspruchsvolle Gemeinderatsamt mitbringt.» Finkbeiner hält weiter fest, dass Bischof viele Anliegen, die auch der EVP wichtig sind, teile. «Dies sind zum Beispiel ein respektvolles Miteinander, eine intakte Umwelt, eine solide Ausbildung oder eine gesunde Wirtschaft. Das Engagement, das Imelda Bischof in Bubendorf einbringen will, und die Ziele, die sie im Gemeinderat verfolgen würde, überzeugen die Mitglieder der EVP Bubendorf.»
Wo gehen Liechtis Stimmen hin?
SVP-Ortspräsident Roger Furler hofft, dass Marco Simoniello gewählt wird. Er habe gute Wahlchancen, blickt Furler auf den Wahlsonntag am 27. September, um zu ergänzen, dass eine weitere bürgerliche Stimme der Dorfexekutive guttun und stabile Verhältnisse im Gemeinderat sichern würde. Diese Einschätzung teilt FDP-Ortssektionspräsident Allen Mundwiler: «Wir empfehlen Marco Simoniello ohne Wenn und Aber. Gespräche mit ihm haben ergeben, dass der Kandidat eine klar bürgerliche Haltung vertritt. Dies steht für uns an erster Stelle. Die FDP Bubendorf ist überzeugt, dass Simoniello eine Bereicherung für die Exekutive darstellen wird.»
Der 30-jährige Elektro-Projektleiter Simoniello, der aktuell in Weiterbildung zum Elektrotechniker HF ist, zeigt sich auf Anfrage der «Volksstimme» überzeugt davon, dass er im direkten Rennen mit Bischof gute Chancen auf die Wahl habe. Es sei zwar ein enges Match, «doch ich gehe mit viel Zuversicht in den zweiten Wahlgang». Er spüre viel Rückenwind von Seiten der SVP und FDP sowie vieler Gewerbler. Diese zeigen dies mit einem erneuten Inserat im aktuellen Amtsanzeiger, in dem sie den Oberleutnant der Infanterie als engagierten, verlässlichen und bodenständigen Menschen darstellen.
Unternehmerin und Coachin Imelda Bischof – sie mit dem Grünen-Landrat Simon Tschendlik verheiratet und Mutter zweier Kinder – hat im ersten Wahlgang 266 Stimmen erzielt. Marco Simoniello holte 219 Stimmen, der Dritte, Patrick Liechti, 178 Stimmen. Liechti hat seine Kandidatur nach dieser «Schlappe» zurückgezogen und es wird spannend, wie sich «seine» Stimmen im zweiten Wahlgang verteilen werden.
Möglichst bald wieder komplett
en. Der Vorstand des Gewerbe- und Industrievereins Bubendorf und Umgebung soll möglichst bald wieder die statutarische Grösse von fünf bis sieben Personen erreichen. «Das ist mein erklärtes Ziel», sagt Präsidentin Imelda Bischof, die derzeit neben dem Kassier das einzige Vorstandsmitglied ist. Die Unterbesetzung sei eine Herausforderung. «Schon unter meinem Vorgänger war die vorgesehene Mitgliederzahl unterschritten, was von den anklagenden Personen bisher nie als Problem dargestellt wurde.» Bischof betont, wie wichtig es ihr sei, zwischen der personellen Situation des Vorstands, der ausdrücklich als Vorstandsempfehlung bezeichneten Empfehlung für die Gemeinderatswahl und den politischen Bewertungen einzelner Mitglieder zu unterscheiden.

