… und sechsbeinige Disteleien
Wegen ihres Nektars ziehen Disteln Insekten magisch an. Auch ihre Samen sind beliebt. Doch Disteln sind stachlig und gelten als Inbegriff vernachlässigter Gärten. Dabei sind viele Disteln sehr dekorativ, und einige dienen uns sogar als Nahrung ...
… und sechsbeinige Disteleien
Wegen ihres Nektars ziehen Disteln Insekten magisch an. Auch ihre Samen sind beliebt. Doch Disteln sind stachlig und gelten als Inbegriff vernachlässigter Gärten. Dabei sind viele Disteln sehr dekorativ, und einige dienen uns sogar als Nahrung oder Heilpflanzen.
Heinz Döbeli
Disteln haben einen schlechten Ruf – und das, seit Menschen Ackerbau betreiben. Sowohl in der Bibel als auch im Koran bedeuten Disteln Fluch und Mühsal, das die Menschen seit der Vertreibung aus dem Paradies erdulden müssen. Auch heute noch gelten Gärten mit Distelbewuchs als unordentlich und lassen auf faule Bauern und Gärtnerinnen schliessen.
Insekten sehen das ganz anders. Der Nektar der Disteln ist eine energiereiche Zuckerlösung und somit eine optimale Nahrungsquelle. Die Blüten unserer Obstbäume sind im Frühling imposant, aber Insekten brauchen das ganze Jahr Nahrung. Neben anderen Wildpflanzen liefern Disteln auch später im Jahr noch Nektar.
Aber nicht nur Insekten sind Nutzniesser von Disteln. Auch uns Menschen dienen einige als Nahrung oder sogar als Medikamente.
Beispiele
Die meisten hatten schon Artischocken auf dem Teller. Die Zubereitung ist einfach, das Essen der Blüten aber etwas gewöhnungsbedürftig. Das Abraspeln der fleischigen Hüllblätter mit den Zähnen erzeugt eine Unmenge Kompost. Weniger bekannt ist die mit der Artischocke verwandte Kardone (auch Kardy genannt). Bei dieser Blume schält man die Stiele, kocht sie und serviert sie als Gratin.
Die Mariendistel fällt durch ihre grün-weiss marmorierten Blätter auf. Ihre Samen enthalten Silymarin, ein Substanzgemisch, das als Lebertonikum verabreicht wird. Es wird unter anderem bei Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen angewandt oder während Chemotherapien, um die Leber zu schützen.
Blickfang im Garten
Alle drei hier vorgestellten Pflanzen lieben Wärme und vertragen Trockenheit. Sie sind somit geeignet für unsere zukünftigen Gärten. Sie erreichen beeindruckende Grössen. Auf gut besonnten Flächen können ihre Blattrosetten fast einen Quadratmeter abdecken und die Blüten wachsen bis auf Kopfhöhe. Man stelle sich so eine Distel als Solitärpflanze (eine allein stehende Pflanze) auf dem Rasen vor!
In jüngster Zeit sieht man vermehrt Zierrasen, auf denen Teppiche aus Margeriten stehen gelassen werden. Die Ersten, die auf ihren Rasen solche Blumeninseln stehen liessen, brauchten Mut. Noch mehr Mut braucht es, Disteln als Solitärpflanzen im Garten stehen zu lassen. Auf den ersten Blick denkt man an Faulheit, wenn man nachdenkt, an Biodiversität.