Die Diskussion über Zuwanderung wird zu Recht geführt. Umso wichtiger ist es, dass wir sie sachlich und mit gesundem Verstand führen. Viele Menschen spüren im Alltag, dass unser Land an die Grenzen stösst. Wohnraum wird knapper, Verkehr dichter, die Belastung der ...
Die Diskussion über Zuwanderung wird zu Recht geführt. Umso wichtiger ist es, dass wir sie sachlich und mit gesundem Verstand führen. Viele Menschen spüren im Alltag, dass unser Land an die Grenzen stösst. Wohnraum wird knapper, Verkehr dichter, die Belastung der Infrastruktur wächst. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass starkes Wachstum nicht ohne Folgen für Lebensqualität und Zufriedenheit bleibt.
Egal, wie die Abstimmung ausgeht, dürfen wir diese Pflichten nicht einfach verdrängen. Nichts zu tun bedeutet nur, die Verantwortung an kommende Generationen weiterzureichen und zu hoffen, dass unsere Kinder und Grosskinder das Dilemma schon lösen werden. Die Vorstellung einer Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern mag für manche akzeptabel, aber für niemanden attraktiv erscheinen. Aber wenn wir jedes neue Problem wiederum nur mit noch mehr Wachstum beantworten wollen, drehen wir uns im Kreis.
Noch mehr Menschen sollen dann wiederum AHV, Gesundheitswesen und Arbeitsmarkt stabilisieren. Das klingt bequem, löst aber die grundlegenden Fragen nicht. Sicher braucht unser Land gute Beziehungen und eine funktionierende Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn. Doch partnerschaftliche Beziehungen leben von Verhandlungen und gegenseitigem Respekt, nicht von Angst oder Drohkulissen. Andere Länder setzen ihre Interessen ebenfalls selbstbewusst durch, ohne dass Europa gleich zerbricht. Nicht grenzenloses Wachstum sollte unser einziges Ziel sein, sondern eine nachhaltige und ausgewogene Entwicklung. Innovativ sein mit dem Mut, bestehende Modelle zu hinterfragen und bessere Lösungen zu finden.
Die Schweiz ist ein starkes und schönes Land. Bewahren wir das, was unsere Lebensqualität ausmacht, und gestalten wir eine Zukunft, die wirtschaftlich und ökologisch verantwortungsvoll und gesellschaftlich lebenswert bleibt.
Stephan Lehnen, Oberdorf