Zusammenarbeit statt Alleingänge
07.05.2026 BaselbietGemeinden von Böckten bis Kienberg erwägen gemeinsame Schulplanung
Sechs Gemeinden prüfen, ob sie im Schulbereich enger zusammenarbeiten sollen. Im Zentrum steht die Idee, Klassen vermehrt gemeinsam zu bilden sowie Gebäude und Ressourcen besser zu nutzen. Der Prozess ...
Gemeinden von Böckten bis Kienberg erwägen gemeinsame Schulplanung
Sechs Gemeinden prüfen, ob sie im Schulbereich enger zusammenarbeiten sollen. Im Zentrum steht die Idee, Klassen vermehrt gemeinsam zu bilden sowie Gebäude und Ressourcen besser zu nutzen. Der Prozess befindet sich in einer frühen Abklärungsphase.
Janis Erne
Sechs Gemeinden im Oberbaselbiet und der Umgebung prüfen eine engere Zusammenarbeit im Schulbereich. Böckten, Ormalingen, Hemmiken, Rothenfluh, Anwil und Kienberg (SO) wollen gemeinsam abklären, ob sich regionale Lösungen lohnen würden. Das teilten sie am Dienstag mit. Entscheidungen sind noch nicht gefallen, der Prozess befindet sich in einer frühen Prüfungsphase.
Auslöser für die Überlegungen sind unter anderem anstehende Investitionen in Schulbauten in den einzelnen Gemeinden. Gleichzeitig steigen die kantonalen Anforderungen im Bildungsbereich, beispielsweise durch den Ausbau von Tagesstrukturen und schulergänzenden Angeboten. Gerade kleinere Gemeinden geraten dadurch organisatorisch und finanziell unter Druck. Eine engere Zusammenarbeit könnte Entlastung bei den Primarschulen bringen.
Die Idee sei bereits vor rund einem Jahr an einer Versammlung des Vereins Region Oberbaselbiet entstanden, sagt Henri Rigo, Gemeindepräsident von Ormalingen. Mehrere Gemeinderäte hätten damals festgestellt, dass in verschiedenen Dörfern grössere Investitionen in Schulhäuser anstünden. «Da stellte sich die Frage, ob es regionale Lösungen gibt, bevor jede Gemeinde für sich Baukredite beantragt», so Rigo.
Im Zentrum der Abklärungen steht die Frage, wie die bestehenden Ressourcen und Gebäude besser genutzt werden können. Das Ziel besteht darin, Schulräume effizienter auszulasten sowie die Verwaltung und die Klassenbildung zu optimieren. Denn: Weniger Klassen bedeuten geringere Kosten. Laut Rigo schlägt eine einzelne Klasse in einer Gemeinderechnung mit rund 250 000 Franken pro Jahr zu Buche. Ormalingen setzt bereits heute wegen teils zu kleiner Klassen auf Mehrjahrgangsmodelle.
Bewusste frühe Kommunikation
Bei den jetzigen Überlegungen gehe es ausdrücklich nicht um die Schaffung einer zentralen Kreisschule, betont Rigo. Die bestehenden Schulstandorte in den Gemeinden sollen erhalten bleiben. Vielmehr soll geprüft werden, ob sich durch Koordination und Zusammenarbeit Verbesserungen erzielen lassen. «Jetzt geht es darum, das Potenzial auszuloten», sagt er. Entscheide würden zu einem späteren Zeitpunkt getroffen – ohnehin hätten die Gemeindeversammlungen das letzte Wort.
In den Prozess einbezogen sind neben den Gemeinderäten auch Schulräte und Schulleitungen der beteiligten Gemeinden. Bei einem gemeinsamen Treffen wurden erste Ideen, Chancen und Herausforderungen zusammengetragen. Dass die Öffentlichkeit bereits jetzt informiert wird, sei bewusst geschehen, so Rigo: Man wolle Transparenz schaffen und verhindern, dass «falsche Gerüchte entstehen».
Beispiele aus anderen Gemeinden zeigen: Die Schulpolitik ist mitunter eine emotionale Angelegenheit. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Kinder nicht mehr in der eigenen Gemeinde zur Schule gehen, sondern den Bus nehmen sollen. Ähnlich sieht es Henri Rigo. Er sagt: «Fragen zu Schulstandorten, Organisation und Zuständigkeiten berühren viele Beteiligte direkt. Dasselbe gilt für Traditionen und Gewohnheiten, die über die Jahre gewachsen sind.»
Insgesamt leben in den Dörfern, die eine gemeinsame Schulentwicklung prüfen, rund 5500 Einwohner. Perspektivisch könne der Kreis erweitert werden. Rigo zeigt sich offen dafür, in der regionalen Schulentwicklung «auch grösser zu denken» und weitere Gemeinden einzubeziehen.
Was macht Gelterkinden?
Naheliegend für solche Überlegungen ist Gelterkinden. Dort hatte die Gemeinde mit dem Projekt «Campus Loggia» einen Schulbau vorgesehen. Dieser scheiterte jedoch an der Urne. Seither ist die Situation offen, der Gemeinderat muss sich neu orientieren.
Und das auch vor dem Hintergrund einer sich verändernden politischen Zusammensetzung: Ab Juli wird der Bürgerliche Zusammenschluss (BZG) die Mehrheit in der Dorfexekutive haben. Der BZG hatte das «Loggia»-Projekt bekämpft und die Notwendigkeit von neuem Schulraum generell infrage gestellt. Folglich könnte eine regionale Lösung für Gelterkinden ab Sommer ebenfalls an Bedeutung gewinnen.
