Zurück mit Wumms
27.01.2026 Sissach«Zapfhähne Sissech 04» bauen an übergrossem Fasnachtswagen
Mit dem Projekt «Save the Rave» wollen die «Zapfhähne» an der Fasnacht ein unüberhörbares Comeback feiern. Der neue Wagen soll grösser und lauter werden als je zuvor. Das ...
«Zapfhähne Sissech 04» bauen an übergrossem Fasnachtswagen
Mit dem Projekt «Save the Rave» wollen die «Zapfhähne» an der Fasnacht ein unüberhörbares Comeback feiern. Der neue Wagen soll grösser und lauter werden als je zuvor. Das sorgt nicht nur für Begeisterung.
Sander van Riemsdijk
Die Fasnacht rückt näher. Der Puls der Wagenbauer, die mit Blick auf die Umzüge während vieler Stunden gebaut und gemalt haben, schlägt höher. So auch beim Fasnachtsverein «Zapfhähne Sissech 04». Dieses Jahr haben sie sich unter dem Motto «Save the Rave» etwas Ausgefallenes für ihren neuen Fasnachtswagen einfallen lassen. Viel preisgeben möchte Präsident Mike Christen auf Anfrage noch nicht. «Es wird aber gigantisch», versichert er. Und fügt sogleich an: «So etwas hat es an der Sissacher Fasnacht noch nie gegeben.» Auf der Vereinswebsite ist die Rede von «ere guete Portion Wahnsinn» und «zrugg zum Ursprung – aber gwaltig ! ».
Die Idee, einen neuen Fasnachtswagen zu kaufen, entstand vor gut einem Jahr. «Um genau zu sein am Fasnachtsumzug 2025 in Frenkendorf», erinnert sich Christen. Die «Zapfhähne» mit ihrem grossen Wagen waren viele Jahre bekannt für ihren geselligen Festbetrieb nach dem Umzug mit einer lauten Musikanlage. Da viele Vereinsmitglieder junge Väter sind, entschieden sich die zehn «Zapfhähne» vor zwei Jahren, den grossen Wagen zu verkaufen und – begleitet von ihren Kindern – mit einem kleineren Wagen die Umzüge zu absolvieren.
Es kam jedoch anders. Als die «Zapfhähne» als Zuschauer den Fasnachtsumzug in Frenkendorf verfolgten, wollte es der Zufall, dass ihr alter Wagen mitfuhr. «Bei dessen Anblick fing bei uns allen das Herz an zu bluten», sagt Christen. «Da haben wir gemerkt, dass der Wunsch, wieder einen grösseren Wagen zu haben, der ja viele Jahre unser Kennzeichen war, bei allen noch immer stark präsent war.»
Crowdfunding-Aktion gestartet
Einen 13 Meter langen Auflieger mit vielseitiger Infrastruktur von Grund auf neu aufzubauen und so einzurichten, dass auch die Kinder ihren Platz haben, ist teuer. Um die Kosten dabei im überschaubaren Rahmen zu halten, starteten die «Zapfhähne» vor einiger Zeit ein Crowdfunding auf «wemakeit». Dabei sollen Sponsoren helfen, «d Tradition vom gepflägte Eskaliere am Läbe z halte!», wie es im Aufruf heisst.
Christen und seine Clique streben einen Beitrag von 3333 Franken an. Der Präsident ist sich bewusst, dass ein grosser Fasnachtswagen an den Umzügen auch Gefahren mit sich bringt. «An oberster Stelle steht bei uns im Sinne der kantonalen Fasnachtsvorschriften die Sicherheit», sagt er mit Bestimmtheit.
«Mit dem neuen Wagen wollen wir wieder zurück zu unserem Ursprung», so der Präsident weiter. «Man kennt uns nun einmal als eine Wagenclique, die nach dem offiziellen Umzug nicht überhört werden kann», sagt Christen mit einem verschmitzten Lachen. Das Comeback im neu eingerichteten Wagen an den Umzügen in Sissach und Gelterkinden verspricht mehr Bass, mehr Licht und mehr Nebel als je zuvor.
Dies lässt einen Auftritt mit viel Gigantismus und elektronischer Musik vermuten. Christen möchte aber betonen, dass ihm als ehemaligem Basler Fasnächtler die Tradition der Fasnacht am Herzen liegt. Er möchte es nicht unterlassen, der Fasnachtsgesellschaft Sissach (FGS) für ihr Engagement rund um den Grossanlass ein Kränzchen zu winden.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob die «Zapfhähne» mit ihrem Auftritt nicht mit den Vorstellungen der FGS als Dachorganisation kollidieren. Sie wünscht sich an den Umzügen eher traditionelle Fasnachtsmusik. «Nein, überhaupt nicht», findet Christen. «Alles, was die offizielle Fasnacht betrifft, spielen wir traditionell.» So richtig musikalisch durchgestartet mit Entertainment, Tanz und Barbetrieb wird erst nach dem Umzug. «Das machen wir seit Jahren schon so», sagt Christen.
Die Vorfreude auf einen unüberhörbaren Wagen wird von der Fasnachtsgesellschaft Sissach nicht unbedingt geteilt. «Wir können nur hoffen, dass ‹Save the Rave› ihr Sujet ist und nicht ihr Programm», sagt FGS-Präsidentin Rebecca Badella. Auch die Fahrzeuggrösse sieht sie kritisch: «Darüber sind wir von der FGS sicher nicht glücklich – es entspricht nicht unseren Traditionen.» Sie fügt an: «Wir haben keine Auflagen. Wenn aber in Zukunft mehrere Wagen mit einer solchen Länge mitfahren, haben wir nicht nur ein logistisches Problem, sondern auch eine Fasnacht, die wir uns so nicht wünschen.»

