Zuerst eine Gesamtschau vor folgenreichem Entscheid
16.05.2026 BRIEFEZum Artikel «Abwasserstreit geht in die nächste Runde» («Volksstimme» vom 7. Mai, Seite 3).
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht zur komplexen Situation der ARAs im oberen Baselbiet. Das in dieser Zeitung als Abwasserstreit betitelte Vorhaben ...
Zum Artikel «Abwasserstreit geht in die nächste Runde» («Volksstimme» vom 7. Mai, Seite 3).
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht zur komplexen Situation der ARAs im oberen Baselbiet. Das in dieser Zeitung als Abwasserstreit betitelte Vorhaben ist ein Grossprojekt: Es sollen alle kleinen ARAs in den Dörfern geschlossen und die gesammelten Abwässer in kilometerlangen Röhren in zentrale ARAs abgeleitet werden. Wie bei allen millionenteuren Vorhaben von enormer Tragweite ist es wichtig, die Entscheide faktenbasiert zu fällen und sich auf eine Gesamtschau abzustützen. Das sind wir künftigen Generationen schuldig. Da ich im Artikel zitiert wurde, möchte ich zu drei Punkten Stellung beziehen.
• Die kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK) ist ein Fachgremium und keine Interessenvereinigung. Ihre Stärke liegt in der Begutachtung von Natur- und Landschaftsthemen aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen. Die politische Ausrichtung spielt keine Rolle. Die NLK hat den gesetzlichen Auftrag, sicherzustellen, dass unsere schöne Landschaft und Natur bei Vorhaben nicht vergessen gehen. Denn sie sind eben auch ein Kapital unseres Kantons.
• Die NLK hat nichts verhindert, sondern den Regierungsrat lediglich aufgefordert, die Folgen für Natur, Gewässer und Landschaft bei der Zentralisierung gebührend zu berücksichtigen – übrigens zusammen mit Gewässerspezialisten und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission. Während des von der Regierung angesetzten Marschhalts, der eigentlich nur ein Jahr (statt deren acht!) hätte dauern sollen, hätten die Auswirkungen der Zentralisierung auf die Oberbaselbieter Landschaft und Lebensräume analysiert werden sollen. Damit hätte man für die Interessenabwägung die wichtigsten Fakten auf dem Tisch gehabt. Zu derartigen Abklärungen ist es aber leider bei den kleinen ARAs nie wirklich gekommen. Die erwähnten ARA-Notsanierungen als Folge dieser Fall-Verschleppung gehen nicht auf das Konto der Kommission. Ich wage umgekehrt zu behaupten, dass hier eher dringende Unterhaltsarbeiten über Jahre vergessen gingen.
• Auch kleine und mittlere ARAs können laut Experten nach heutigem Stand der Technik so ausgestattet werden, dass sie modernen Reinigungsanforderungen genügen. Für die Bäche im Oberbaselbiet hätte dies den Vorteil, dass das gereinigte Wasser wieder direkt vor Ort zurück in die Gewässer geführt werden könnte. Auch in anderen Kantonen erfolgt teilweise ein Verzicht auf eine Zentralisierung.
Ich will nicht unerwähnt lassen, dass die ARA-Zentralisierung weit über die Kleinkläranlagen hinausgeht und sogar mittlere Anlagen wie jene in Niederdorf und Bubendorf einbezieht. Ich hoffe darauf, dass die Politik vor ihrem Baukredits-Entscheid für eine zentrale ARA in Füllinsdorf eine transparente Zusammenstellung aller langfristigen und versteckten Kosten einfordert – zum Beispiel betreffend Unterhalt und Überwachung der Ableitungsrohre, Sicherstellung einer stabilen Grundwasserspeisung oder periodischer Baggereingriffe ins Bachökosystem zur Schaffung einer Rest- beziehungsweise Niedrigwasserrinne.
Regula Waldner
Regula Waldner, Wenslingen, ist Umweltberaterin und ehemalige Präsidentin der kantonalen Natur- und Landschaftsschutzkommission.
