Zu wenige Parkplätze an den Bahnhöfen?
19.07.2024 BaselbietKanton fokussiert sich auf Regionalzentren
Landrat Marc Scherrer will vom Regierungsrat wissen, ob der Kanton für die «Multimodalität», also die Kombination von Auto und Zug, eine Strategie hat und finanzielle Mittel für dessen Umsetzung besitzt. Eine Umfrage der ...
Kanton fokussiert sich auf Regionalzentren
Landrat Marc Scherrer will vom Regierungsrat wissen, ob der Kanton für die «Multimodalität», also die Kombination von Auto und Zug, eine Strategie hat und finanzielle Mittel für dessen Umsetzung besitzt. Eine Umfrage der «Volksstimme» zeigt: Die Nachfrage wird mit den vorhandenen Kapazitäten abgedeckt.
Nikolaos Schär
Der «Mitte»-Landrat aus Laufen, Marc Scherrer, reichte jüngst eine Interpellation mit dem Titel «Park + Rail Offensive im Oberbaselbiet» ein. Darin will er vom Regierungsrat wissen, wie die Planung des Kantons diesbezüglich aussehe, ob es Strategien gebe und wie viel Geld zur Verfügung stehe. Die «Volksstimme» wollte vom stellvertretenden Direktor der Wirtschaftskammer Baselland wissen, warum er die Interpellation einreichte.
Grundsätzlich interessiere er sich für die «Multimodaliät», also die Kombination von Auto und Zug im ganzen Kanton, sagt Scherrer. Er sei jedoch an Gewerbeanlässen und auch privat darauf angesprochen worden, dass es zu wenig Parkplätze an den Bahnhöfen im Oberbaselbiet gebe. Zwei Landräte aus der Region hätten ihm gesagt, dass sie seine Interpellation eine gute Sache fänden. Er selbst wohne in der Nähe der Park + Ride-Anlage in Laufen und sehe, wie diese rege genutzt werde. Aus Effizienzund Nachhaltigkeitsgründen setze sich auch die Wirtschaftskammer Baselland für Park + Ride-Anlagen ein.
Es geht Scherrer dabei nicht darum zu sagen, dass es an diesem Bahnhof fünf Parkplätze mehr brauche oder an jenem drei weniger. Ihm sei vielmehr aufgefallen, dass bei der WB-Linie überhaupt keine Parkplätze vorhanden seien. Deshalb wolle er vom Kanton nun wissen, ob in diesem Bereich überhaupt eine Strategie verfolgt werde: «Man darf die Chancen und Möglichkeiten nicht verpassen, wenn die Nachfrage steigen sollte.»
Unterschiedliche Preise
Die SBB schreiben auf Anfrage der «Volksstimme», dass an den Park + Ride-Angeboten im Oberbaselbiet kein Ausbau geplant sei – genaue Angaben zur Auslastung wollen die SBB nicht machen. Anhand der Tarife lasse sich jedoch die Auslastung erkennen, da diese eine Lenkungsfunktion besitzen. So sind die Parkplätze in Läufelfingen und Itingen gratis, in Tecknau und Lausen kosten sie 5 Franken am Tag, in Gelterkinden 6 Franken, in Sissach 8 und in Liestal 10 Franken. Je umfassender das Fahrplanangebot ist, desto höher ist der SBB zufolge die Auslastung. Dies sei vor allem in Regionalzentren wie Gelterkinden, Sissach und Liestal der Fall.
Der Verein Agglo Basel bündelt sämtliche Planungen – insbesondere im Bereich Verkehr – in einem Massnahmenpaket, um dieses dem Bund zur Mitfinanzierung einzureichen. In der neusten Ausgabe des Agglomerationsprogramms, das sich laut Fabio Cachaco von «Agglo Basel» momentan in der Vernehmlassung befindet, hält der Verein fest, dass in den Frenkentälern und im Ergolztal das bestehende Park + Ride-Angebot ausreiche. Damit eine Anlage als sogenannte «multimodale Drehscheibe» klassifiziert werden könne, seien eine Kapazität von rund 100 Parkplätzen sowie ein guter Anschluss an die S-Bahn nötig. Dies trifft im Oberbaselbiet nur auf die Standorte Gelterkinden, Sissach, Lausen und Liestal zu. Bei den übrigen Standorten müsse eine Plafonierung oder sogar ein Rückbau erwogen werden – es sei denn, man könne den Bedarf anderweitig rechtfertigen. Die Nachfrage sei in einer Potenzialstudie von 2018 geprüft worden.
Die Vize-Präsidentin der SP, Sandra Strüby, sagt, dass die Parkplätze für das «Läufelfingerli» wichtig seien. Sie kenne einige Personen, die den Parkplatz in Läufelfingen nutzen, um via Olten in grössere Städte im Mittelland zu pendeln. In Buckten ist bei der geplanten Bushaltestelle am Bahnhof der Bau von Parkplätzen ebenfalls zur Diskussion gestanden (die «Volksstimme» berichtete). Jedoch gab es Sicherheitsbedenken, da sich die Anfahrt mit dem Schulweg der Primarschülerinnen und -schüler gekreuzt hätte. Des Weiteren wollte sich der Kanton nicht finanziell beteiligen, und der Gemeinde waren die Parkplätze in Anbetracht der vorhandenen Nachfrage zu teuer.
Der Modalsplit des Bundesamts für Raumplanung zeigt, dass die Kombination von Auto und öV nur 1 Prozent der Anzahl zurückgelegter Wege ausmacht, jedoch 7 Prozent der Distanzen, was auf lange Zugfahrten zurückzuführen ist. Der prozentuale Anteil der Kombination von Auto und öV habe sich seit 2005 kaum verändert. In absoluten Zahlen bedeutet dies aufgrund des Bevölkerungswachstums jedoch eine Zunahme. Es muss daher vermutet werden, dass die Nutzer von kombinierten Fahrten (Auto und Zug) grösstenteils Pendler sind, die im ländlichen Raum wohnen und in grösseren Städten arbeiten. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass der Kanton in erster Linie auf die Park + Ride-Anlagen in den Regionalzentren setzt.
Mit dem Viertelstundentakt wäre die Waldenburgerbahn durchaus attraktiv für ein Park + Ride, doch laut der BLT gibt es im Waldenburgertal dafür zurzeit keinen Bedarf. Dies bestätigt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion auf Anfrage. Bei der Erneuerung der WB sei das Thema weder vonseiten des Kantons noch von den Gemeinden an die BLT herangetragen worden. Die SBB schreiben, dass sie bezüglich der Park + Ride-Anlagen im ständigen Gespräch mit den betroffenen Gemeinden und dem Kanton seien – über den Inhalt wollen sie keine Auskunft geben.
Für Marc Scherrer ist klar: «Wenn der Bedarf nicht vorhanden ist, dann ist das so. Doch schlussendlich läuft es auf eine ‹Huhn-Ei-Diskussion› hinaus: Ist das Angebot nicht vorhanden, kann es nicht genutzt und nicht nachgefragt werden.» Er sei auf die Landratsdebatte gespannt, nachdem der Regierungsrat seine Interpellation beantwortet habe.

