Wyy bym Oobemool
19.03.2026 PersönlichTag 3 in der Kurklinik Mariahilf im Schwarzwald. D Ernesta und I sy vorgladen im Büro vo der Diräktorin Frau Kratzenstein-Koch:
«Frau Coray, Herr Schneider, bitt schön nehmens Platz.»
«Danke, Frau Kratzenstein-Koch. Sii häi eus e Vorladig ...
Tag 3 in der Kurklinik Mariahilf im Schwarzwald. D Ernesta und I sy vorgladen im Büro vo der Diräktorin Frau Kratzenstein-Koch:
«Frau Coray, Herr Schneider, bitt schön nehmens Platz.»
«Danke, Frau Kratzenstein-Koch. Sii häi eus e Vorladig gschickt zu eusem ‹Verhalten› im Restaurant. Das dunkt is doch e bitz forsch usdruckt.»
«Für Formulierungen koan ich nix, die
Briefe schreibt meine Assistentin, wissans.»
«Also, worum goots?»
«Mir wurde vom Personal mitgeteilt, es wär gestern beim Oabendmahl im Speisesaal zu einem Eklat mit ena gekommen.»
«Nei, eender zun ere Klarstellig, und zwar ganz humorvoll.»
«Wie ist dös zu verstehn?»
«Die Dame hännis welle verbiete, zum Ässen euses Fläschli Rosé z trinke.»
«Richtig! Alkohol ist unter moaner
Leitung seit den zwoa Joan meines Hierseins strikte verboten in unserer Kurklinik. Wir sind ein christlich, alkoholfreies Institut.»
«Wüsse Sii, Frau Kratzenstein-Koch, für
Schwyzer ghört bim Oobemool der Wyy halt derzue, wie bym Heiland jo au synerzyt.»
«Nicht in moaner Klinik. Und zudem wollten Sie den Oanweisungen moanes Personals partout nicht Folge leisten. Dös koan ich nicht tolerieren.»
«Aber im Ordner mit der Huusornig stoot doch düttlig: Alkohol darf nur in Massen und nur im Restaurant eingenommen werden. Numme häi die Dame das nit gwüsst. Do bitte, lääse Sii sälber.»
(Pfrä Kratzenstein-Koch bletteret waggsend konsterniert im eigene Klinikordner)
«Aha! Joa, wie ich sehe, hoat dös also zugegebenermoassen seine Richtigkeit, als dass dös hia in der Tat noch so drinstehn tut, selbstredend noch aus der Zeit meines
Vorgängers, obwohl ebendies im Zuge der
Neustrukturierung des Klinikbetriebs von mir schon vor zwoa Joan rigorose verboten wurde, wissans!»
«Und doch stoots halt schwarz uf wyss immer no so in der Huusornig … »
«Äääh, richtig, woas es aber keinesfalls sollte! Meine Assistentin sollte dös längst geändert habm! Unta uns, ma muass ja alles sölber machen als Chefin, wiissans!»
«Jo, me macht eine mit hützutags, gällesii, Frau Kratzenstein-Koch!»
«Natürlich werden sich die Madel entschuldigen müssen für das Fehlverhalten ena gegenüber, dafür sorge ich.»
«Aber nei, die häi doch nummen ihre Job gmacht und s nit besser gwüsst!»
«Nein, Ordnung muss san, doa bin ich strikte! Oba wissans, lieber Herr Schneider, liebe Frau Coray, ich kenne doch eich Schweizer, ich foar ja sölber immer zum Schilaufen ins Wallis, göll. Und darum loss ich ena für erlittenen Unbill ein paar Flaschl guten Roten zukommen, den dürfens dann gemütlich auf unserer Sonnenterrassen trinken, mit moaner persönlichen Erlaubnis! Und nun legen wir die Gschicht bitt schön ad acta, und Sie geniessen Ihre zwoa Wochen bei uns.»
«Danggschön für das verlockende Aagebot, aber mache Sii eus doch lieber d Schlussabrächnig, Frau Kratzenstein-Koch, mir reise morn am Morgen ab.»
Florian Schneider wurde 1959 geboren und stammt aus Reigoldswil. Er ist Sänger, Schauspieler und Liederschreiber und lebt mit Tochter Mina in Eptingen.

