Wortstreit unter den Jungen
10.02.2026 SissachNachwuchspoeten fechten um Qualifikation für Schweizermeisterschaften
Meistens kämpfen Slammer um eine Flasche Whisky, beim U20-Poetry-Slam im «Cheesmeyer» in Sissach ging es jedoch um Startplätze für die Schweizermeisterschaften. Die Autorin dieses Textes ...
Nachwuchspoeten fechten um Qualifikation für Schweizermeisterschaften
Meistens kämpfen Slammer um eine Flasche Whisky, beim U20-Poetry-Slam im «Cheesmeyer» in Sissach ging es jedoch um Startplätze für die Schweizermeisterschaften. Die Autorin dieses Textes hat selbst mitgemacht und gibt Einblicke «aus erster Hand».
Carolina Mazacek
Im «Cheesmeyer» in Sissach ist noch nichts los. Nur ein Tisch ist besetzt. Daran sitzen sechs junge Menschen im Alter von 16 bis 20 Jahren – das Line-up für die U20-Poetry-Slam-Vorrunde im Baselbiet, die am Freitagabend stattfand. Ich, die Autorin dieses Textes, bin dabei und nutze die Gelegenheit, um Poetry Slam aus einer anderen Perspektive zu erzählen.
In der kleinen Poetry-Slam-Szene, vor allem bei den U20, kennt man sich und tauscht sich vor dem Auftritt oft aus. Felix aus Therwil ist nervös, doch genau das mag er an solchen Veranstaltungen. «Wir sind komische Leute», sagt er und erzählt: «Als ich angefangen habe, hasste ich dieses Gefühl.» Am liebsten hätte er dann jeweils abgesagt. Doch jetzt, wie er selbst sagt, ist er süchtig nach den Auftritten vor Publikum. Dem kann ich nur zustimmen.
Fünf von uns sind schon «alte Hasen», doch für Kivi aus Möliken (AG) ist es der erste Auftritt. «Ich schreibe sehr viele Gedichte und lese sie oft meinem Bekanntenkreis vor», sagt sie. Einmal hat sie ihrer Betreuerin eines vorgetragen. Kivi erzählt: «Sie war so begeistert, dass sie sofort im Internet nach Poetry Slams gesucht hat.» Kivi hat sich angemeldet, ohne jemals zuvor als Zuschauerin bei einem Poetry Slam gewesen zu sein.
Langsam trudelt das Publikum ein. Es sind etwa 30 Menschen, von denen nur eine Handvoll das Line-up kennt. Das ist, wie die Moderatorin Gina Widmer sagt: «Perfekt!» Zur Erinnerung: Einige aus dem Publikum bekommen eine Notentafel und vergeben nach jedem Auftritt Punkte von eins bis zehn. Je mehr Leute anwesend sind, desto geringer ist die Gefahr, dass zu sehr nach «Freundschaftskriterien» gewertet wird.
Gewinnen ist hier nicht alles
Um 19.30 Uhr beginnt der Wettbewerb. Gina Widmer und Jonas Balmer, die Moderatoren für den heutigen Poetry Slam, begrüssen uns. Die beiden sind bekannte Gesichter der Organisation Slam Basel. Wie sie im Lauf des Abends gezeigt haben, sind sie ein eingespieltes Moderationsduo.
Die Regeln werden aufgezählt: Es müssen selbst geschriebene Texte vorgetragen werden. Wurde Künstliche Intelligenz benutzt, werden die professionellen Detektoren es erkennen. Die Texte dürfen höchstens zur Hälfte gesungen werden. Der Text darf nicht länger als sechs Minuten sein. Klammer auf: Diese Regel halte ich meistens nicht ein, auch bei diesem Poetry Slam nicht. Doch Gina und Jonas haben ein Auge zugedrückt. Klammer zu. Die wichtigste Regel für das Publikum lautet: «Respect the Poets!» – Respektiere die Poeten. Denn es steht immer ein Mensch auf der Bühne: mit seinem Humor, seinen Problemen und seiner politischen Meinung. Es ist ein grosser Schritt, auf die Bühne zu treten und einen Text vor unbekannten Gesichtern vorzutragen.
Die Reihenfolge wird ausgelost, ich bin als Fünfte dran. Jonas spricht über die gute Luft in Sissach, Sophie darüber, dass sie gerne ein «Brösmeli» wäre. Bei Aimée und Kivi habe ich «Bruder» und «Kunstfreiheit» aufgeschnappt.
Meistens macht mir die Nervosität zu schaffen und ich bin wie benebelt. Auf der Bühne rede ich über ein Lakritzbonbon, das sich darüber beschwert, dass ein Mädchen es nicht isst. Das Bonbon disst zudem Schweizer Schokolade.
Nach der Pause kommen nämlich noch einmal alle dran, und die Punkte der ersten und zweiten Runde werden zusammengezählt. Die vier Besten kommen ins Finale am 3. März in Basel. Der Gewinner dieses regionalen Finals nimmt an der U20-Schweizermeisterschaft in Bern teil. Jonas, Aimée, Kivi und Felix werden weiterkämpfen, bei mir und Sophie fehlten Punkte. Doch so ist Poetry Slam. Es spielen viele Faktoren eine Rolle, sei es das Publikum oder die Stärke des Line-ups. Doch das spielt für mich eine kleine Rolle. Wichtiger ist für mich, dass Menschen für ihre Leidenschaft eine Bühne bekommen.

