Wohlfühlort – auch ohne Meeresanschluss
21.08.2026 PersönlichIn den Sommerferien betreute ich meine vierjährige Enkelin in der Bretagne. Da ihr Onkel in einem der grössten Ferienresorts der Bretagne arbeitet, kam ich auf die Idee, mit Tochter, Enkelin und Sohn dortselbst für eine Nacht in einem Fass zu schlafen. Die «Domaine des ...
In den Sommerferien betreute ich meine vierjährige Enkelin in der Bretagne. Da ihr Onkel in einem der grössten Ferienresorts der Bretagne arbeitet, kam ich auf die Idee, mit Tochter, Enkelin und Sohn dortselbst für eine Nacht in einem Fass zu schlafen. Die «Domaine des Ormes» ist ein Ferienuniversum für Menschen, die im Alltag zwar mit Meeresanschluss, aber unzuverlässigem Wetter leben: Vier Touroperatoren bringen Grossgruppen an Engländern, Iren und Holländern in das Resort, auf dass sie es 14 Tage nicht mehr verlassen. Ferien am Meer, ohne Meer. Dafür mit allem, was Ferien abwechslungsreich macht: einem hauseigenen Cricket-Club, Jagdreiten und einer Art Golf mit einem Fussball, Abendshows und Feuerwerk, Booten und Campingstädten zum Verlaufen.
Das Resort wurde von einer Familie bretonischer Milchbauern aufgebaut und beherbergt heute bis zu 3500 Gäste. Sein Aquadome lässt das Aqua Basilea verblassen: Das nahe Meer kann sich noch so bemühen – hier gibt es künstliche Flüsse, Wellen und Rutschen.
Nachdem ich meine Enkelin davon überzeugt hatte, dass freilaufende Hühner keine gegen sie gerichtete Todesschwadron sind, stellte sich schnell die Frage: Wie navigiert man mit einer Vierjährigen durch 200 Hektaren Ferienglück, ohne selbst einen Überforderungs-Zusammenbruch zu erleiden? Zum Glück hatte man mich mit einer grossmuttertauglichen App ausgestattet. Meine kleine Campingpartnerin hielt diese jedoch für Zeitverschwendung. Sie informierte mich, dass ich jetzt zackig in den künstlichen Fluss des Aquadomes springen solle, anstatt herumzudaddeln.
Also drängelte ich mich an Familienvätern vorbei, um die Furchtlose mit den Schwimmärmeln zu überwachen, entsetzte mich über einige wilde Tattoo-Variationen und landete im künstlichen Wellenbad. Der Lärmpegel lag klar über dem am richtigen Meer. Aber das
Wetter hätte kaum zuverlässiger sein können. Im Aussenbecken setzte ich darauf, dass uns der verlässliche Hunger meiner Prinzessin bald in ruhigere Gewässer treiben würde. Folgerichtig landeten wir bei belgischen Waffeln – ein Hoch auf die kulinarische Vereinigung
Europas – und abends, eingeklemmt zwischen Adilettenträgerinnen und -trägern, bei einer wunderbaren Pizza auf der Piazza des Resorts. Disneyland war gestern.
Zu unserem Fass reisten wir zu Fuss durch Wälder, Wiesen und vorbei an schwimmenden Gästehäusern. Unsere Unterkunft lag mitten im Wald, ohne Nachbarn, dafür mit Hängematte, Frühstückspergola und Aussentoilette mit Holzspülung. Mein Glück war perfekt und die Enkelin höchst zufrieden, obwohl die Oma den Ponyritt auf eine Karussellponyfahrt hatte reduzieren müssen. Spontanentscheide sind in der Hochsaison auch in dieser Oase keine Option.
Die Angestellten dieses grössten Tourismusresorts in der Bretagne waren dabei so fröhlich und professionell, dass mir dieser Ausflug mit den besten Kindern der Welt in bester Erinnerung bleiben wird. Für 2027 buche ich vorsichtshalber schon einmal den Ponyritt. Vielleicht erspart er mir ja den Aquadome, für den bin ich zu konservativ.
Petra Huth ist Politikwissenschaftlerin und Ökonomin. Sie lebt in Anwil und amtet dort als Gemeinderätin.

