Witz, Wehmut und Wahrhaftigkeit
16.06.2026 Kultur, BaselbietNeues Kabarett-Ensemble «Die 3sten» feiert Premiere
Die Oberbaselbieter Schauspieler Lorenz Killer, Brigitte Schweizer und Natalie Kriesemer präsentieren am Freitag als «Die 3sten» mit einem Mix aus Tucholsky-Texten, Chansons und persönlichen Geschichten ihr ...
Neues Kabarett-Ensemble «Die 3sten» feiert Premiere
Die Oberbaselbieter Schauspieler Lorenz Killer, Brigitte Schweizer und Natalie Kriesemer präsentieren am Freitag als «Die 3sten» mit einem Mix aus Tucholsky-Texten, Chansons und persönlichen Geschichten ihr erstes gemeinsames Bühnenprojekt.
Brigitte Keller
«Hey, mega geil, ich machs», bringt Lorenz Killer sein Engagement für das neue Stück und erst recht für das neue Ensemble «Die 3sten» auf den Punkt. «Drauflos, so habe ich das in meinem Leben immer gemacht, und ich habe das Gefühl, es hat bisher immer funktioniert», sagt Killer. Seinen Einstieg als Schauspieler gab er vor rund acht Jahren, als er die Rolle des «Will Parker» bei den Karl-May-Freilichtspielen in Engelberg ergatterte. Für seine damalige Rolle musste er Reiten und Schiessen lernen und dann, als Folge eines Unfalls beim Sport, den verwegenen Cowboy glaubhaft an antiken Krücken geben.
Er habe überhaupt kein Lampenfieber gehabt, weil dafür schlichtweg keine Zeit geblieben sei. Seine Gedanken seien einzig gewesen: «Wie schleppe ich mich möglichst zügig über den Hügel in der ersten Szene?» Dieses Erlebnis konnte die Freude des heute 58-jährigen «Rookies» nicht trüben, im Gegenteil: «Mein Herz schlägt für die Bühne, ganz stark.»
Danach hat Killer, der in Sissach aufgewachsen ist und heute in Gelterkinden wohnt, eine Schauspielausbildung absolviert und in verschiedenen Produktionen, unter anderem in den Serien «Wilder» und «Neumatt» fürs Schweizer Fernsehen, mitgespielt. Seit 2022 gehört er zum Ensemble des Kindertheaters Arlecchino in Basel.
Im Stück «Geld und Geist», das in den vergangenen zwei Sommern in Sissach Erfolge feierte, gab er den «Kellerjoggi». Dort traf er auf Brigitte Schweizer, die als «Pfarrerin» auf der Bühne stand. Die gebürtige Rheinland-Pfälzerin ist ausgebildete Opernsängerin und Schauspielerin und kam der Liebe wegen in die Schweiz. Seit 16 Jahren ist sie in Läufelfingen zu Hause. Sie wiederum kannte die Dritte im Bunde, die Liestalerin Natalie Kriesemer, von Fortbildungskursen an der Schauspielschule in Zürich und von einem gemeinsamen Theaterprojekt.
Kaffeekränzchen mit Folgen
Die drei leidenschaftlichen Schauspieler setzten sich zusammen und waren sich nach ein paar «Kaffeekränzchen» einig, dass sie unbedingt etwas Eigenes auf die Beine stellen wollten. «Kurt Tucholsky braucht eine Renaissance», fand Brigitte Schweizer. Seine «frechen» Texte, unter anderem auch zu Themen wie Familie, Verwandtschaft und dem Umgang miteinander, seien so aktuell wie vor 100 Jahren, als er sie zu Papier gebracht habe.
Rund um Texte von Tucholsky, die im Original wiedergegeben werden, entwickelte und schrieb das Trio ein neues Stück. Darin enthalten sind zudem bekannte Chansons aus den 1930er- bis 1970er-Jahren. Es entfaltet sich ein poetisches Panorama, das zwischen Nostalgie und frechem Charme schillert. Auch ein paar wahre Begebenheiten aus den eigenen Lebensgeschichten des Trios fanden Platz im Stück. Welche dies wohl sind, darüber kann am Vorstellungsabend gerätselt und geschmunzelt werden. Ob das Lied «Mein kleiner grüner Kaktus steht draussen am Balkon, hollari, hollari, hollaro» einen Hinweis gibt? Wer weiss.
Die Idee zum Namen «Die 3sten» hatte Natalie Kriesemer, «weil wir drei Leute sind und unsere Texte so frech daherkommen». Und um dem Ganzen eine Verbindlichkeit zu geben, gründete das Trio im vergangenen Jahr einen Verein. «Ich musste mich zuerst schlaumachen, was es dazu alles braucht», meint Natalie Kriesemer. Ähnlich klingt es bei Lorenz Killer: «Dass es eine Website braucht und Plakate, das war mir als ehemaligem Creative Director in der Werbebranche natürlich nur zu gut bewusst.» Dass es aber beinahe so aufwendig wie die Gründung einer Firma sei, das hätte er nicht erwartet.
Neben dem Engagement als Darsteller ist Killer mit einem Teilzeitpensum als Teamleiter und Berufsbildner Mediamatik bei «Arbeitsintegration Pratteln» tätig. «Diese Tätigkeit macht mir viel Freude, aber es fordert energetisch auch sehr viel von einem. Beim Theater ist es genau umgekehrt, das gibt mir ganz viel Energie.» Auch für Brigitte Schweizer «kommt die Energie mit der Freude». Schon als Kind habe sie in Schultheatern mitgespielt und sei dabeigeblieben. Neben ihren regelmässigen Auftritten unterrichtet sie als «Vocal Coach» in ihrem eigenen Studio.
Natalie Kriesemer wollte ebenfalls schon als Kind Schauspielerin werden. Sie hat die Schauspielschule «EFAS Zürich» abgeschlossen und sich später weitergebildet für die Arbeit hinter der Kamera. Sie steht regelmässig in Produktionen des Förnbacher Theaters Basel auf der Bühne und arbeitet auch viel für Firmen in der Mitarbeiterschulung, wo ebenfalls das Hineinschlüpfen in die verschiedensten Rollen gefragt ist.
Herausfordernd sei in der heutigen Zeit, wo im Kulturbereich eher gespart würde, die Frage der Finanzierung. Gesuche für Fördergelder seien gestellt, aber noch offen. «Bis jetzt machen wir es alle, weil wir es toll finden», sagt Kriesemer. Die Suche nach Auftrittsorten läuft ebenfalls sehr intensiv. Für Herbst 2027 ist bereits ein Auftritt im Marabu in Gelterkinden fixiert. Aktuell fiebern alle der Premiere entgegen. «Ein wahres Glück, dass wir die Probebühne des Theaters Arlecchino nutzen durften und in deren Haus am Walkeweg 122 in Basel am 19. Juni unsere Premiere feiern dürfen», sagt Lorenz Killer.
Mehr zum Stück und Ensemble ist auf www.die3sten.ch zu finden.

