Wirtschaft hat Rückhalt in der Bevölkerung
13.08.2026 BaselbietUmfrage zur Beziehung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft
Die Bevölkerung der Region Basel steht der Wirtschaft grundsätzlich positiv gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Handelskammer beider Basel. Kritische Rückmeldungen gibt es zu sozialen ...
Umfrage zur Beziehung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft
Die Bevölkerung der Region Basel steht der Wirtschaft grundsätzlich positiv gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Handelskammer beider Basel. Kritische Rückmeldungen gibt es zu sozialen und ökologischen Auswirkungen der Wirtschaft.
Regula Vogt-Kohler
Eine klare Mehrheit der Bevölkerung der beiden Basel steht hinter der Wirtschaft. Das ist das Fazit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, die das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Handelskammer beider Basel (HKBB) durchgeführt hat. Rund zwei Drittel der befragten Personen sind gegenüber der nationalen und regionalen Wirtschaft positiv eingestellt.
Auch bei einer Aufschlüsselung nach Untergruppen zeige sich ein homogenes Bild, sagte Andreas Meier, stellvertretender Direktor und Abteilungsleiter Mitglieder & Netzwerk bei der HKBB, bei der Präsentation der Umfrage im Rahmen eines Mediengesprächs. «Es gibt aber Nuancen», hielt Meier fest. So sind Männer leicht positiver eingestellt als Frauen, und jüngere Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren sind kritischer als ältere.
Unterschiede ergeben sich auch aus der (partei)politischen Orientierung. Am positivsten äussern sich Personen, die sich der GLP oder der FDP zuordnen. Besonders kritische Stimmen sind von Personen, deren Präferenz den Grünen oder der SVP gilt, zu hören. Einen Einfluss hat auch die eigene wirtschaftliche Situation: Das Urteil der Personen mit höherem Einkommen fällt positiver aus als jenes der Haushalte mit geringerem Einkommen.
Einigkeit besteht hingegen für einmal zwischen den beiden Basel. «Die wirtschaftliche Lage, sowohl kantonal als auch national, wird in Basel-Stadt und Baselland insgesamt ähnlich positiv eingeschätzt», heisst es im Bericht der «gfs.bern».
Umstrittener Infrastrukturausbau
Die überwiegend positive Einstellung zu wirtschaftlichem Erfolg und Wachstum bedeutet nicht, dass die Bevölkerung blind ist bezüglich negativer Folgen. Die Skepsis zeigt sich gemäss Umfrage am deutlichsten bei der Belastung der Infrastruktur: 76 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Wirtschaftswachstum zur Überlastung der kantonalenVerkehrsinfrastruktur führt.
HKBB-Direktor Martin Dätwyler stellt eine «gewisse Widersprüchlichkeit» fest. Vorlagen zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur haben es oft schwer und werden nicht selten abgelehnt, wie das Nein des Schweizer Stimmvolks zum Nationalstrassenausbau zeigt. Auch Projekte für die Erweiterung des öffentlichen Verkehrs sind keine Selbstläufer. «Wir erleben es auch beim Tramausbau», sagte Dätwyler. So sagte der Baselbieter Souverän deutlich Nein zur Verlängerung der Tramlinie 14 ins Gebiet Salina Raurica. Ein aktuelles Beispiel liefert Allschwil, wo sich Opposition gegen die Verlängerung der Tramlinie 8 gebildet hat.
Zu den Topthemen, welche die Bevölkerung in negativer Hinsicht bewegt, gehört gemäss Umfrage auch der Bereich Wohnen. 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Wohnungen in der Stadt Basel sowie Wohneigentum in Basel-Stadt und Baselland für breite Teile der Bevölkerung zunehmend unbezahlbar werden.
Was bedeutet das kritische Feedback für die HKBB? «Wir wollen die Bedeutung der Wirtschaft verständlicher vermitteln», fasste es Elisabeth Schneider-Schneiter, HKBB-Präsidentin und Baselbieter Nationalrätin, zusammen. Konkret gelte es verständlich zu machen, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht Selbstzweck sei, sondern zu Wohlstand führe. Bei dieser Vermittlungsarbeit setzt die Handelskammer beider Basel auf Fakten und Zusammenhänge. Damit dies auch in der breiten Öffentlichkeit ankommt, will die HKBB den Dialog nicht nur mit der Politik und der Verwaltung, sondern auch direkt mit der Bevölkerung verstärken.
Zur Umfrage
rv. Das Forschungsinstitut gfs.bern hat 1000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren aus den Kantonen Basel-Stadt und Baselland befragt. Die Erhebung fand je zur Hälfte per Telefon und online statt. Die Umfrage liefere erstmals wissenschaftliche Grundlagen zum Verhältnis von Gesellschaft und Wirtschaft, hielt HKBB-Direktor Martin Dätwyler gegenüber den Medien fest.
Umfrage auf www.hkbb.ch

