Wir tragen verschiedene Hüte
13.02.2025 WittinsburgCaroline Zürcher, Gemeindepräsidentin Wittinsburg, SP
Vor einiger Zeit hatte ich an einer Gemeindeversammlung die Sechs-Hüte-Methode von Edward de Bono vorgestellt. Der Ausgangspunkt der Methode liegt in der Annahme, dass das Gehirn in unterschiedlichen ...
Caroline Zürcher, Gemeindepräsidentin Wittinsburg, SP
Vor einiger Zeit hatte ich an einer Gemeindeversammlung die Sechs-Hüte-Methode von Edward de Bono vorgestellt. Der Ausgangspunkt der Methode liegt in der Annahme, dass das Gehirn in unterschiedlichen Weisen denkt, die bewusst angesteuert werden und somit in einer Diskussion zu bestimmten Zeiten eingesetzt werden können. De Bono geht davon aus, dass es zu Kommunikationsschwierigkeiten kommt, wenn eine Person beispielsweise gerade ihre Gefühle zum Thema etwas stark äussert und eine andere Person analytisch an die Problemstellung herangeht.
Die einzelnen Hüte stehen für Blau (ordnendes, moderierendes Denken: Überblick über die Prozesse, momentaner Stand des Entscheidungsprozesses), Weiss (analytisches Denken: Fakten; was ist bekannt und was nicht; welche Anforderungen bestehen und wie können sie erreicht werden), Rot (emotionales Denken, Empfinden: Konzentration auf Gefühle und Meinungen), Schwarz (kritisches Denken: Risikobetrachtung, Probleme, Skepsis, Kritik und Ängste mitteilen),Gelb (optimistisches Denken: Chancen; was ist das Best-Case-Szenario), Grün (kreatives, assoziatives bzw. laterales Denken: neue Ideen, Kreativität).
Die «Hüetli-Präsentation» hatte zunächst für Lacher gesorgt. Auch an einer Gemeindeversammlung darf und sollte herzhaft gelacht werden, sofern niemand dadurch geschwächt wird. Anlässlich dieser Gemeindeversammlung habe ich aber auch darauf hingewiesen, dass sowohl die Gemeinderäte als auch andere Behördenmitglieder verschiedene Hüte anhaben und es somit zu «Hüetlidurchmischungen» kommen könnte.
Bei dieser Gemeindeversammlung ging es darum, die operative Tätigkeit der Sozialhilfe an eine Firma auszulagern und zu erklären, dass es zu Rollendurchmischungen kommen könnte, wenn eine Person gleichzeitig «bester Freund in einem Verein», aber auch Sozialhilfebehördenmitglied ist, was für die Person, die einen Sozialhilfeantrag gestellt hat, sehr unangenehm sein könnte. Eine professionelle Institution oder eine professionell organisierte Sozialberatung pflegt die notwendige Distanz und der betroffenen Person ist es weniger unangenehm, einen Sozialhilfeantrag zu stellen.
Das mit den Hüten ist unseren Einwohnerinnen und Einwohnern geblieben. Mittlerweile erklären sie mir, warum sie gerade welchen Hut anhaben. Das ist sehr hilfreich. So kann ich als Gemeindepräsidentin nachvollziehen, warum eine Person, die Präsidentin oder Präsident eines Zweckverbands ist, bei der Argumentation an einer Gemeindeversammlung den Hut als Präsident oder Präsidentin des Zweckverbands angezogen hat und nicht den Hut als delegierte Person des Gemeinderats.
In meiner langen Zeit als Mitglied des Gemeinderats ist mir zum Teil nach wie vor nicht klar, ob ich nun den gelben Hut als GR-Delegierte in einem Gremium, dem ich wohlwollend gegenüberstehe, anziehen soll oder den schwarzen kritischen Hut, weil ich die finanziellen Interessen unserer Gemeinde vertreten müsste. Das Hütedenken und das Bewusstsein der verschiedenen Rollen hat mir persönlich geholfen, die Bedürfnisse der Gemeinschaft und die Herausforderungen an die Amtsführung umfassend zu berücksichtigen.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.